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Streit um Ämter-Zukunft

GZ Plus IconGoslarer Ortsvorsteher wehren sich gegen Abschaffungsideen

Menschen sitzen an langen Tischen im Freien und essen gemeinsam bei Sonnenschein

Bürgerfrühstück in Vienenburg: Die Ortsvorsteher der ehemaligen Harlystadt wollen den Posten als direktes Sprachrohr ihrer Ortschaften unbedingt erhalten. Foto: Hohaus (Archiv)

Sechs Ortsvorsteher beziehen Position: Sie halten ihre Ämter für unverzichtbar und üben deutliche Kritik an einem Abschaffungsvorstoß aus der Kommunalpolitik.

Mittwoch, 04.02.2026, 14:30 Uhr

Goslar. Mit einer gemeinsamen Erklärung bringen sich die sechs Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher im Goslarer Stadtgebiet in die Debatte um Repräsentation in den Ortsteilen ein. Ihre Botschaft ist klar: Ihre Ämter seien in den kleineren Ortschaften unerlässlich.

Vor allem an der Ratsgruppe Grüne Partei 42 üben die Ortsvorsteher Kritik, weil sie vergangenes Jahr per Antrag deren Abschaffung gefordert hatte. Gruppenchefin Sabine Seifarth habe schon zu Beginn der Wahlperiode die Frage gestellt, was denn ein Ortsvorsteher eigentlich mache und ob das nicht derjenige werde, der die meiste Bratwurst spendiere. Auch dass die stärkste Fraktion im Rat das Vorschlagsrecht für die Ortsvorsteher hat wurde kritisiert.

Schon damals habe man diese Diskussion als „sehr skurril“ wahrgenommen, erinnert sich Wiedelahs Ortsvorsteher Ulrich Bock. Seitdem seien mehr als vier Jahre ins Land gegangen und die amtierenden Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher wundern sich, warum die Ratsgruppe sich seit Jahren nicht die Mühe gemacht habe, „mal zu schauen, welche Aufgaben übernommen werden“.

Um den Alltag kümmern

„Wir Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sind das Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger unserer Ortschaft gegenüber der Verwaltung und auch dem Rat der Stadt Goslar.

Wir kümmern uns um die kleinen Probleme des Alltags und finden eine Lösung dafür. Die größeren leiten wir in unserem Netzwerk an die entsprechenden Stellen weiter und bleiben auch hier am Ball. Außerdem unterstützen wir in allen möglichen Belangen, wo auch immer es möglich ist“, fassen Ulrich Bock für Wiedelah, Martin Mahnkopf für Vienenburg, Manfred Dieber für Lochtum, Julia Lorenz für Immenrode, Gerd Schäfer für Weddingen und Lisa Lüke für Lengde zusammen.

Ratsvertreter aus Stadtteilen

In den Stadtteilen wie Oker oder Jürgenohl würden diese „Kümmereraufgaben“ von den Ratsfrauen und Ratsherren übernommen. Oftmals gebe es gleich mehrere Vertreterinnen und Vertreter. Was ist aber mit den Ortschaften, die niemanden im Rat haben? Im Tagesgeschäft würden diese Dörfer leicht aus dem Blick geraten. „Es hilft eben auch nicht, dass Kontaktdaten bekannt sind, sondern man muss vor Ort und im Geschehen sein. Nicht nur zu Veranstaltungen hingehen, sondern sie mit organisieren, im Gespräch bleiben“, so das Ortsvorsteher-Bündnis.

Wenn man sich anschaue, wer im Laufe einer Legislatur überhaupt mal in die Ortschaften komme, dann werde schnell klar, „dass eine ordentliche Vertretung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger so nicht funktionieren kann“. Ortsvorsteher seien „Spezialisten für ihre Ortschaft, für die sie mit Leib und Seele stehen“.

Für Ortschaften unerlässlich

Sowohl der Rat als auch die Verwaltung würden von dieser „Expertise vor Ort“ profitieren, die Bürgerinnen und Bürger sowieso. „Ob diese Vertretung auch in den Stadtteilen sinnvoll ist, das können wir nicht beurteilen, aber für die Ortschaften, die scheinbar so weit weg sind von der Kernstadt, für die sind Ortsvorsteher unerlässlich“, sind sich die Mandatträger einig. red/hrs

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