Warum in Neuwallmoden jetzt Bäume für den Hochwasserschutz fallen
Fachkräfte an der Motorsäge sind im Einsatz, um die Bäume entlang des Neile-Ufers zu beseitigen. Damit schaffen sie Platz für das Hochwasserschutzprojekt. Foto: Gereke
Das Dröhnen der Motorsägen und Maschinen ist weithin hörbar. Am Ufer der Neile fallen Bäume. Was das mit Hochwasserschutz für das von Flutwellen geplagte Dorf zu tun hat.
Neuwallmoden. Nun geht es tatsächlich los nach Jahren der Planung und Absprachen: Am östlichen Ufer nördlich der Neuwallmodener Neile-Brücke haben im Dorf die Baumfällarbeiten begonnen, um das Gelände für die geplante Aufweitung des Flusses vorzubereiten. Es sind die ersten sichtbaren Schritte zu mehr Hochwasserschutz für Neuwallmoden.
Achtung, Baum fällt: Dutzende Bäume entlang des Ufers müssen für die Aufweitung der Neile in Neuwallmoden weichen. Foto: Gereke
Im Neiletal kreischen die Motorsägen: Vor einigen Tagen begann das Einrichten der Baustelle, seit Mitte der Woche fallen am östlichen Ufer der Neile die ersten Bäume. Das frostige Wetter erleichtert dem Forstunternehmen die Arbeit – der Boden ist für die Maschinen gut befahrbar. Die Baumfällarbeiten sorgen übrigens für Verkehrsbehinderungen: Tagsüber ist die Landesstraße 496 nur einspurig befahrbar – eine Ampel regelt den Verkehr.
Bilche im Winterschlaf vermutet
Für das Bauprojekt müssen, so die einst vorgestellten Pläne, zunächst entlang der Ortsdurchfahrt knapp 70 Bäume weichen. Nach Abschluss der Baggerarbeiten ist aber das Pflanzen Dutzender hochstämmiger Bäume und Sträucher oberhalb der neuen Berme – das ist die Bezeichnung für den Absatz, der ins östliche Böschungsufer eingezogen wird – geplant, hieß es. Sie sollen dem Fortbestand der Fledermausleitlinie und der Verschattung am Gewässer dienen. Weitere Bäume sollen außerhalb der Ortslage im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen gepflanzt werden.
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„Die Rodung der Wurzelstubben kann aufgrund der Schonzeit für Bilche erst ab Mai erfolgen. In Bodennestern rund um die Baumwurzeln werden Bilche im Winterschlaf vermutet“, teilt Julia Steins, zuständig für Unternehmenskommunikation beim Wasserverband Peine, der die Arbeiten koordiniert, auf GZ-Nachfrage mit. Die Bauzeiten seien durch den Planfeststellungsbeschluss fest vorgegeben.
Ab Mai stehen die Erdarbeiten an
Ab Mai erfolgen dann die Erdarbeiten für die Neile-Aufweitung. „Bis dahin werden auch weitere planmäßige Arbeiten zum Beispiel die Erneuerung einer Stützwand ausgeführt“, ergänzt Julia Steins. Die Pläne sehen vor, dass die Aufweitung 23 Meter nördlich der Brücke beginnt – und zwar am östlichen Ufer auf einer Länge fast 300 Metern. Bagger erstellen eine Berme, die einen mittleren Wasserspiegel der Neile
Am Ufer der Neile müssen die Bäume weichen. Foto: Gereke
Hochwasserschutz
Neile-Aufweitung in Neuwallmoden startet wohl nicht im Oktober
Julia Steins: „Bis Ende August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Baukosten betragen rund 600.000 Euro.“ Laut früheren Aussagen des Wasserverbands soll die Neile-Aufweitung einen deutlichen Effekt für den Hochwasserschutz bringen. Die Wasserstandsabsenkungen bei einem statistisch auftretenden 100-jährlichen Ereignis betrage sechs bis acht Zentimeter, hieß es.

Die Baumfällarbeiten bedeuten auch Verkehrsbehinderungen. Die L496 ist im Bereich der Bauarbeiten nur einspurig befahrbar, eine Ampel regelt den Verkehr. Foto: Gereke
Seit vielen, vielen Jahren steht die Idee von der Neile-Aufweitung im Raum. Es folgten ebenso viele Jahre der Planung – und auch das Verwerfen von Plänen. So sollte ursprünglich auch mal die Neile südlich der Brücke aufgeweitet werden. Doch zum einen engte eine Weide im Gewässerbereich am Sportplatz, die als sogenannter Habitatbaum identifiziert worden war, der besondere Lebensräume für andere Lebewesen bietet, den Spielraum ein.
Ängste vor einer erneuten Flut
Zum anderen hätten neuste hydraulische Berechnungen ergeben, dass eine Aufweitung südlich der Brücke nur geringe Effekte bringen würde. Alles ging einher mit einem Ringen um Naturschutzauflagen für die Genehmigung. Für den Arten- und Naturschutz waren in den vergangenen Jahren schon diverse Auflagen umgesetzt worden wie zum Beispiel das Schaffen neuer Fledermaus- oder Siebenschläferquartiere. Immer wieder verzögerte sich das Gesamtprojekt zum Unmut der Neuwallmodener, denen die Angst vor einer erneuten Flut in den Knochen steckt. Schließlich kündigte der Wasserverband den Beginn der Bauarbeiten im vergangenen Juni für Mitte Oktober an – aber auch daraus wurde erst einmal nichts.

Von hier aus gesehen gut 20 Meter hinter der Brücke in Neuwallmoden beginnt die Aufweitung der Neile im Dorf auf fast 300 Metern. Foto: Gereke
Auch beim Geld war es ein auf und ab: Hatte der Wasserverband Peine im Januar 2022 Kosten von 430.000 Euro für die damalige Gesamtstrecke von 520 Metern genannt, so war Anfang 2024 von Schätzkosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro die Rede – und das nur für den Abschnitt nördlich der Brücke. Nun sind es besagte rund 600.000 Euro.
80 Prozent Förderung sollen über das vom Land zur Verfügung gestellte Sondervermögen zum Hochwasserschutz erfolgen, 20 Prozent Eigenanteil muss die Stadt Langelsheim leisten.
Wasserverband Peine gibt Ausblick
Flächenakquise für das Becken Steimker Bach steht vor dem Abschluss
Zum Hochwasserschutz gehören für Neuwallmoden zwei große Projekte: neben der Neile-Aufweitung auch das Rückhaltebecken Steimkerbach südlich von Lutter. Sachstand dort: „Der Wasserverband Harz-Heide hat Ende vergangenen Jahres dem Landkreis Goslar den geplanten Antrag zur Vorabstimmung übersendet. Der Landkreis prüft derzeit die Unterlagen. Nach Rückmeldung werden die Antragsunterlagen finalisiert und der Antrag auf Planfeststellung gestellt“, informiert Julia Steins.

Die ersten Stämme liegen am Ufer der Neile. Foto: Gereke
Es soll am Steimkerbach Hochwasserrückhaltebecken mit einem Volumen von 61.900 Kubikmeter bei Volleinstau werden. Der Damm soll 5,50 Meter hoch und 300 Meter lang werden. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, ist noch unklar – sicher ist nur: Fertigstellung soll spätestens Ende 2027 sein.
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