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Nahwärmenetz Bredelem

GZ Plus IconWindpark vor der Haustür ist ein Gewinn

Hinter der Ortschaft wächst (rechts im Hintergrund) weithin sichtbar der Windpark in die Höhe.

Hinter der Ortschaft wächst (rechts im Hintergrund) weithin sichtbar der Windpark in die Höhe. Foto: Leifeld

Der Arbeitskreis Wärmenetz Bredelem lädt zur 3. Infoveranstaltung. Wie ist die Resonanz? Fakt ist: Die Genossenschaftsgründung bis zum Jahresende 2025 hat oberste Priorität.

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Von Andrea Leifeld
Freitag, 27.06.2025, 18:00 Uhr

Bredelem. Der Wunsch, mit einem lokalen Nahwärmenetz eine Unabhängigkeit zu erreichen, schreitet voran. Mit einer umfangreichen Projektpräsentation visualisierten die Mitglieder des Arbeitskreises Wärmenetz Bredelem während ihrer 3. Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Bredelemer Mehrzweckraum den aktuellen Stand des ehrgeizigen Projekts.

Rund 50 interessierte Gäste nutzten die Gelegenheit zum Ideen-Update durch die Referenten, die diese Nahwärme-Idee nach ihrer Möglichkeit, Technik und Wirtschaftlichkeit durchleuchteten.

Dreivierteljahr Vorarbeit

Prof. Lars Kühl von der Ostfalia-Hochschule Wolfenbüttel sowie Uwe Bokemüller (TU Clausthal) und Steffen Eichholz von der Firma Terrawatt stellten die aktuellen Forschungsansätze dar. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Kurzbeitrag zur Energiepreisentwicklung von Uwe Kaschner, Leiter Energiehandel der Stadtwerke Wernigerode GmbH.

„In diesem Abend liegt ein Dreivierteljahr Vorarbeit“, unterstrich Arbeitskreissprecher Christian Vahlbruch zum Auftakt der zweistündigen Infoveranstaltung, in den vergangene Monaten keineswegs untätig gewesen zu sein. Auch die erneut zahlreichen Besucher machten den Protagonisten Mut für das Projekt.

Arbeitskreissprecher Christian Vahlbruch (links) moderiert die Infoveranstaltung.

Arbeitskreissprecher Christian Vahlbruch (links) moderiert die Infoveranstaltung. Foto: Leifeld

Die denkbare Kombination aus Wind und (Erd)Wärme wäre ein attraktiver Weg, der durch die lokale Stromerzeugung (Windpark Haar) ohne anfallende Netzgebühr und auf kurzen Wegen, die Versorgung der Bredelemer Haushalte mithilfe eines Nahwärmenetzes lukrativ erscheinen lässt. Wasser wäre das gewählte Medium, das durch den CO -neutralen Strom und mithilfe von Wärmepumpen in den begehrten Wärmeträger gewandelt wird. Das heiße Wasser gelangt durch ein noch zu erstellendes Leitungsnetz in die angeschlossenen Haushalte. Mithilfe eines Wärmetauschers gelang die Wärme schließlich in die Gebäude. Für die Hausbesitzer wäre keine separate Heizung mehr erforderlich, was folglich Anschaffungskosten entfallen lässt, aber auch Wartung und Reparatur über mehrere Jahrzehnte einspart.

Windpark vor der Haustür

Das Nahwärmenetz ist langfristig ausgelegt. Ganz abgesehen vom Einkauf des Brennstoffes (Gas oder Heizöl) mit den bis ins Ungewisse steigenden Preise. „Der Windpark vor unserer Haustür ist ein Glücksfall“, verdeutlichte Vahlbruch. Um auch bei einer Dunkelflaute, wenn die Windräder nicht produzieren, die Wärmeenergie nutzen zu können, wäre in einem zweiten Schritt die Erschließung von Erdwärme durch ein Geothermie-Netz denkbar. Abgeschlossen zeigte sich dieser Gedanke aber noch nicht. Sieben mögliche Varianten wurden vorgestellt. Auch Holzhackschnitzel als zweite Energiequelle wären denkbar. Fest steht: „Da ist viel Musik drin“, wie Bokemüller festhielt. Auch die Aufnahme in das Forschungsprojekt GeoSonde 400+ macht dem Arbeitskreis Mut.

Aber was bedeutet das alles für die am Nahwärmenetz interessierten Bürger? „Alles steht und fällt mit der erfolgreichen Gründung einer Bürgergenossenschaft“, verdeutlichte Vahlbruch. Ein im vergangenen Sommer an alle Haushalte verteilter Fragebogen brachte einen Rücklauf von 51 Prozent (75 Hausbesitzer) – ein gutes Ergebnis. „Nur drei Bredelemer teilten mit, dass sie auf keinen Fall teilnehmen.“

Nicht mit 50 Prozent planen

Fakt ist, die Gründung einer Genossenschaft ist unumgänglich für den Projektfortschritt, vor allem, um verbindliche Gespräche führen und Fördergelder beantragen zu können. Die Gründung soll bis Ende 2025 erfolgen. Auch die Entscheidung, ob ein Hausbesitzer wünscht, ans Wärmenetz angeschlossen zu werden, wäre zeitnah wichtig. „Wir können nicht mit 50 Prozent planen und 100 Prozent anschließen“, so Vahlbruch. Wärmeleistungen würden konkret geplant, ein „Nachziehen“ sei darum kaum möglich.

Der Hauseigentümer trägt unter anderem die Anschlusskosten für sein Haus und den erforderlichen Wärmetauscher. Eine Rückzahlung von Geldern beim Verkauf des Hauses ist nicht vorgesehen. Durch den Anschluss an das Nahwärmenetz steige aber der Wert der Immobilie. Für die Genossenschaftsanteile ist keine Dividende vorgesehen, um durch verpflichtende Ausschüttungen ein Steigen der Energiekosten für die Bredelemer zu verhindern.

Gut 50 interessierte Gäste kommen im Bredelemer Mehrzweckraum zusammen.

Gut 50 interessierte Gäste kommen im Bredelemer Mehrzweckraum zusammen. Foto: Leifeld

„Der Standort unsere Wärmepumpe ist fix und auch kein Geheimnis mehr: Sie entsteht an der Trafostation des Windparks“, so der Sprecher weiter. Derzeit würden Gespräche in alle Richtungen, unter anderem auch mit der Stadt Langelsheim, geführt.

In den kommenden Monaten werden separate Beratungstermine zum Thema Nahwärmenetz angeboten. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Auch eine Infobroschüre soll an alle Haushalte verteilt werden. Darüber hinaus treffen sich die Arbeitskreismitglieder jeden Montagabend um 20 Uhr in der Freien Schule Bredelem. Auch bei diesen Terminen sind interessierte Gäste und neue Helfer immer gerne gesehen.

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