Goslarer „Nachtschicht“ stellt 2025 den Betrieb ein
Die Diskothek "Nachtschicht" bleibt ab 2025 geschlossen. Foto: Epping
Das Schicksal der letzten Großraumdisko im Landkreis Goslar ist besiegelt: Die „Nachtschicht“ im Gewerbegebiet Baßgeige stellt mit dem Jahreswechsel den regulären Betrieb ein. Nach der Corona-Pandemie kam die Disko nicht mehr auf die Beine.
Goslar. Mit der „Nachtschicht“ verliert Goslar eine Institution, die das Nachtleben der Stadt in den vergangenen 17 Jahren erheblich geprägt hat. Im Gespräch mit der GZ bestätigt Eigentümer Salvatore Sapiente, dass die Diskothek im Gewerbegebiet Baßgeige ab 2025 den regulären Clubbetrieb einstellt. Er und sein Team wollen sich stattdessen auf Extra- und Sonderveranstaltungen konzentrieren, wie Hochzeiten oder andere Privatfeiern sowie auf Formate wie Ü-Partys, Live-Konzerte oder die gerade erst über die Bühne gegangene Helloween-Feier für Kinder und Jugendliche, die nach wie vor für eine volle Hütte sorgen. „Die Kinder feiern mehr als ihre Eltern“, sagt Sapiente.
Viel Lob
Das „Nachtschicht“-Team habe für die Organsation viel Lob bekommen und auch sehr viel Anteilnahme, als sie das Disko-Aus in den sozialen Medien verkündet haben. „Gekommen ist aber trotzdem keiner mehr“, so Sapientes bitteres Fazit.

Das „Nachtschicht“-Team Salvatore und Tina Sapiente sowie Sonja Bröckling (v.l.) beim Neustart nach der Corona-Zwangspause. Foto: Roß (Archiv)
„Viele Menschen verbringen ihre Abende mittlerweile anders und leider spüren auch wir, dass das Interesse am gemeinsamen Feiern am Wochenende zurückgegangen ist. Besonders die jüngeren Generationen haben andere Freizeitgewohnheiten entwickelt“, heißt es in einem „Nachtschicht“-Statement auf Instagram.
Wie die Situation vor 17 Jahren aussah, ist heute kaum noch zu glauben. Die Eröffnungsparty am 1. März 2007 fiel auf einen Donnerstag. Dennoch drängten sich 1400 Gäste auf die rund 1200 Quadratmeter der neuen Baßgeigen-Disko. Damals gab es im Landkreis noch reichlich Konkurrenz: die „Fun Factory“ in Bad Harzburg, den „Beat Club“ in Langelsheim oder das „Tiffany’s“ in der Goslarer Altstadt.
„Mein Leben“
Sapiente hat seit der Eröffnung in der „Nachtschicht“ gearbeitet. „Das ist mein Leben hier“, macht er deutlich. 2015 habe er den Betrieb übernommen. Die Corona-Pandemie habe der Disko schließlich einen Schlag verpasst, von dem sie sich nicht erholt hat. Zwei Jahre lang war die „Nachtschicht“ dicht. Im November 2020 musste Sapiente für seine Diskos in Nürnberg und Bremerhaven Insolvenz anmelden, in Goslar wollte er durchhalten.
Hielt er auch: Anfang April 2022 gingen die Tore wieder auf. Und die Menschen, die so lange auf gemeinsames Feiern und Tanzen verzichtet hatten, kamen. Jedenfalls eine Zeit lang: „Erst waren es 1000, dann 400, dann nur noch 100“, sagt der „Nachtschicht“-Chef.

Pulsierende Diskoabende gibt es ab 2025 nicht mehr in der „Nachtschicht“. Foto: Merlin Schönfisch (Archiv)
Seinen Betrieb hat er auf andere Zielgruppen erweitert. Aus dem Disko-Stadl wurde ein Veranstaltungsraum mit Bühne und Lounge-Bereich, um auch für Privatfeiern und Konzerte Möglichkeiten zu bieten. Dafür steht die „Nachtschicht“ auch weiterhin zur Verfügung. „Das ist immer noch ein Ganztagsjob“, sagt Sapiente. Er hätte sich mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht, etwa in Sachen Flexibilität bei der Genehmigung von Veranstaltungen.
Auch wenn die Enttäuschung groß ist, will sich Sapiente vernünftig vom Diskogeschäft verabschieden. Bis zum Jahreswechsel hat die „Nachtschicht“ jedes Wochenende geöffnet, alle geplanten Events finden statt. Am Samstag, 28. Dezember, ist dann die große Abschiedsparty geplant, bei der jeder noch ein letztes Mal in den Disko-Modus schalten kann.