Zähl Pixel
Alle 3000 Pfeifen sind weg

GZ Plus IconWarum die Orgel der Harzburger Lutherkirche ein Gerüst braucht

Ein riesiges Gerüst, zehn Meter hoch, umhüllt die Sauer-Orgel.

Ein riesiges Gerüst, zehn Meter hoch, umhüllt aktuell die Sauer-Orgel. Foto: Schlegel

Die Sauer-Orgel der Lutherkirche ist leergeräumt, alle 3000 Pfeifen sind weg. Nun steht ein Gerüst um den Orgelkasten. Die GZ erklärt, was es damit auf sich hat.

author
Von Holger Schlegel
Samstag, 07.02.2026, 16:00 Uhr

Bad Harzburg. Im Vergleich zu dem, was in den vergangenen Jahren alles in der Lutherkirche geputzt, gemalt und gebaut wurde, ist das aktuelle Projekt vergleichsweise klein. Und doch ist es für sich genommen eine recht komplexe Sache. Rund um die leergeräumte Sauer-Orgel ist ein zehn Meter hohes Gerüst aufgebaut worden, von dem aus verschiedene Restaurierungsarbeiten erledigt werden.

Eigentlich hat das Projekt zwei Themen: zum einen die komplette Reinigung der Orgel und zum anderen die Freilegung und Instandsetzung eines letzten kleinen Stücks Quensen-Deckenmalerei. Nach dem Prinzip „zwei Fliegen mit einer Klappe“ wird beides parallel erledigt.
Ein ungewöhnlicher und auch seltener Blickwinkel: von hinten über die Orgel ins Kirchenschiff.

Ein ungewöhnlicher und auch seltener Blickwinkel: von hinten über die Orgel ins Kirchenschiff. Foto: Schlegel

Vor gut zwei Wochen waren die 3000 Pfeifen der Kirchenorgel ausgebaut worden (die GZ berichtete). In der Werkstatt des Orgelbauers Scheffler werden einige von ihnen momentan gereinigt und bei Bedarf auch gerichtet. Viele warten auch ausgebaut in der Lutherkirche darauf, dort gesäubert zu werden.

Nur noch eine leere Hülle

Die eigentliche Orgel hoch über den Köpfen der Kirchenbesucher ist also nur noch ein leeres Gehäuse mit einer Fläche von zusammen rund 100 Quadratmetern. Um diese Holzkonstruktion herum, mit dem markanten Orgelprospekt als Front, steht ein Gerüst, auf dem das Team des Restaurators Holger Windmann arbeitet. Zwei Aufgaben gilt es zu erfüllen: In einem letzten Dreieck in der Gewölbedecke hinter der Orgel muss noch die Quensen-Malerei freigelegt werden. Problem laut Holger Windmann: Beim Bau der Kirche 1903 waren diese Verzierungen aufgemalt worden, bevor die Orgel eingebaut wurde. Da war das sicherlich einfacher. Nun muss um die Orgel herum gearbeitet werden.

Freilegung kostet 20.000 Euro

Wobei das eigentliche Vorhaben wie gesagt überschaubar ist: Nur 25 Quadratmeter misst das Deckenstück, das Windmann und seine Leute bearbeiten, und die Sache geht vergleichsweise locker von der Hand. „Wir hatten Glück“, sagt der Restaurator. Befürchtungen, der Putz würde locker sein, hätten sich nicht bestätigt.

Mit Lappen und Schwamm wird das Gehäuse abgewaschen.

Mit Lappen und Schwamm wird das Gehäuse abgewaschen. Foto: Schlegel

Die Arbeiten kosten rund 20.000 Euro, zwar kein Pappenstiel, aber ebenfalls kein Vergleich zu dem, was bislang schon gemacht wurde. Gut eine Million Euro hat die Quensen-Restaurierung nämlich bisher gekostet.

Verein bezahlt Orgelreinigung

Die Generalüberholung der Sauer-Orgel ist da schon eine andere Hausnummer: 70.000 Euro kosten die Arbeiten, die in der Orgelbaufirma ausgeführt werden. Die Landeskirche schießt 20.000 Euro zu, den Rest zahlt der Förderverein für Orgelmusik in der Luthergemeinde. Und der Verein finanziert auch die Reinigung des Gehäuses mit noch einmal 6000 Euro. Dabei wird noch nicht einmal zu Pinsel und Farbe gegriffen. Das Holz wird von den Windmann-Leuten eigentlich nur abgewaschen, das allerdings Zentimeter für Zentimeter – mit Schwämmen, Lappen und einer speziellen Mischung aus Schmierseife und entmineralisiertem Wasser. Danach wird alles frottiert, also trocken abgewischt.

Das Instrument soll glänzen

Aber schon dadurch komme auch ein gewisser Glanz wieder zum Vorschein, verspricht Windmann. Zusammen mit den ebenfalls polierten Prospekt-Orgelpfeifen dürfte das Instrument wirklich fast wie neu aussehen.

Bis das die Gemeindemitglieder bewundern können, geht aber noch einige Zeit ins Land. Windmann wird noch den ganzen Februar brauchen. Der Einbau der gereinigten Pfeifen dürfte nach Schätzung der geschäftsführenden Pfarrerin Petra Rau den März und wohl auch den April in Anspruch nehmen. Immerhin müssen 3000 Orgelpfeifen wieder an ihren Platz. An ihren richtigen Platz. Ein riesiges Puzzlespiel, aber zu Ostern soll alles fertig sein.

Das Gerüst ist zehn Meter hoch.

Das Gerüst ist zehn Meter hoch. Foto: Schlegel

Und dann neigt sich mit der Quensen-Freilegung ein Mega-Projekt dem Ende entgegen, das in seinem Umfang seinesgleichen suchen dürfte. Von Adolf Quensen ausgemalte Kirchen gibt es viele, doch nur wenige Gemeinden hätten eine solch umfangreiche Freilegung und Restaurierung geschultert, sagt Holger Windmann.

Wobei: Ganz vollständig ist die Freilegung noch nicht. Es fehlt noch der untere Bereich der Seitenempore, und es fehlen dafür aber auch noch die 100.000 Euro, die die Maßnahme kosten würden. Spenden werden jetzt schon gesammelt, denn ein Ziel der Kirchengemeinde ist, die Mission Quensen-Malerei zum 125. Geburtstag der Lutherkirche abgeschlossen zu haben. Und der wäre im Jahr 2028.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region