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Zuvor Flächen herausgenommen

GZ Plus IconMehr Platz für Luchs und Co: Harz-Schutzgebiet soll wieder wachsen

Hölzer liegen auf dem Boden in einem Waldgebiet.

Voriges Jahr wurde der Hochseilgarten im Kalten Tal in Bad Harzburg abgerissen, um Platz dafür zu schaffen, dass der Baumwipfelpfad erweitert weerden kann. Dafür wurde eine Fläche aus dem Landschaftsschutz genommen. Foto: Schlegel

In der Vergangenheit hat der Kreistag Goslar für Investitionen immer wieder Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgelöst. Jetzt soll das Gebiet erweitert werden.

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Von Oliver Stade
Donnerstag, 12.03.2026, 11:00 Uhr

Goslar. Auf Initiative von Grünen und SPD soll das Landschaftsschutzgebiet Harz gestärkt werden – nachdem die Politik seit vielen Jahren für Bauvorhaben immer wieder Flächen aus dem Schutzgebiet herausgelöst hat. „Scheibchenweise“ sei es verkleinert worden, hieß es am Montag im Kreistag. Jetzt hat das Gremium mit großer Mehrheit dafür gestimmt, das Schutzgebiet durch zusätzliche Gebiete als Ausgleich für frühere Verluste zu erweitern.

Grundlage für den Vorstoß sind Gutachten, wonach der Biotopverbund im Landschaftsschutzgebiet vor allem im Westen des Kreisgebiets Lücken aufweist. Von einem „Defizit an Kernflächen“ ist in der Vorlage die Rede, mit der Rot-Grün ihren Antrag begründen.

Waldgebiet Fahrenberg

Vorgeschlagen wird, dass die Kreisverwaltung die Flächenausweisung in Abstimmung unter anderem mit dem benachbarten Landkreis Northeim prüft. Außerdem sollen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden, um zum Beispiel Privatwaldbesitzer durch den Schutzstatus nicht über Gebühr einzuschränken.

Konkret geht es um die Waldgebiete Fahrenberg südwestlich von Münchehof und Heber, die beide bisher nicht geschützt sind. Der Höhenzug Heber liegt überwiegend in den Landkreisen Hildesheim und Northeim. Priorität bei den Plänen hat der Fahrenberg, der im Landkreis Northeim bereits unter Landschaftsschutz steht. Rund 1000 Hektar dieses Waldgebiets befinden sich im Landkreis Goslar. Besonders erwähnenswert sind die Ruine der Staufenburg mit der etwa 400 Jahre alten „Eva-Linde“, Muschelkalk-Erdfälle und artenreiche Buchenbestände. Das Gebiet ist Rückzugsraum für Arten wie Luchs und Wildkatze.

Als Grünen-Fraktionssprecher Mathias Schlawitz den Antrag im Kreistag erläuterte, gab es eine Zwischenbemerkung, die darauf abzielte, dass der Kreistag auch unter Federführung der rot-grünen Mehrheit immer wieder Flächen aus dem Schutzgebiet herausgelöst hat. „Wir haben bei den meisten Sachen dagegen gestimmt“, antwortete Schlawitz.

Zuletzt hatte der Kreistag im Oktober 2025 für Tourismusprojekte in Hahnenklee, Braunlage und Bad Harzburg gleich drei Flächen aus dem Landschaftsschutz herausgelöst, damit sie bebaut werden können. Es war die 15. Änderung der Landschaftsschutzverordnung seit 2010.

Nicht geredet

Dr. Andreas Warnecke von der CDU kritisierte die Absicht, zusätzliche Flächen unter Schutz zu stellen, weil nicht „mit den Betroffenen“ geredet werde. Gemeint waren Anwohner und Grundstückseigentümer. Stattdessen werde mit Verboten gearbeitet. Angesichts eines solchen Vorgehens „müssen wir uns über Wahlergebnisse nicht wundern“, sagte Warnecke. Er kritisierte zudem, dass eine Kompensation von Flächen an anderer Stelle als dort, wo zuvor Flächen aus dem Schutzstatus herausgelöst wurden, keinen Sinn ergebe.

Öko-Landwirt Detlef Vollheyde, der im Kreistag der Gruppe Vollheyde/WGL angehört und seit kurzer Zeit Grünen-Mitglied ist, begrüßte das Vorhaben. Ersatzflächen müssten nicht sofort geschaffen werden, es sei aber grundsätzlich wichtig, „die Natur vor unserer Haustür stärker zu schützen“. Er wandte sich gegen weitere Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet Harz und kritisierte Vorhaben wie den zurzeit geprüften Bau von Pumpspeicherkraftwerken.

Auf einer Wiese stehen Rinder.

Eine Idylle: Rinder grasen auf einer Wiese, im Hintergrund ist ein Teil des Fahrenbergs zu sehen. Foto: Mandy Henning-Hahn

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