Kommunalwahlen: Sieben Bewerber für den Chefsessel im Kreishaus
Sitzung des Kreistags in Goslar: Bei den Kommunalwahlen im September werden Kreistagsabgeordnete, aber auch ein Landrat gewählt. Foto: Landkreis Goslar
Bisher sind sieben Kandidaten für die Landratswahl im Kreis Goslar bekannt. Manche brauchen für ihre Bewerbung Unterstützerunterschriften.
Goslar. Ein Gerangel zeichnet sich angesichts der großen Bewerber-Gruppe bei den Kommunalwahlen am 13. September ab, wenn es darum geht, einen Bewerber für den Landratsposten auszuwählen. Neben Amtsinhaber Dr. Alexander Saipa von der SPD sind bisher sechs weitere Bewerber bekannt. Bei einigen ist klar, dass sie lediglich eine überschaubare Anzahl von Stimmen holen, sie treten in erster Linie an, um für ihre Partei zu werben.
SPD kürt Landratsbewerber
Goslar: Sozialdemokraten nominieren Amtsinhaber Dr. Alexander Saipa
Als Favorit geht der Amtsinhaber ins Rennen. Sozialdemokrat Dr. Alexander Saipa ist seit 2021 Landrat. Zuvor war er Landtagsabgeordneter und für eine lediglich kurze Zeit sogar Generalsekretär der Niedersachsen-SPD. Der 49-jährige Familienvater ist studierter Chemiker. Ihm wird oft vorgehalten, er sei als Landrat zu wenig wahrnehmbar. Derzeit meldet er sich häufiger über seine Pressestelle in Mitteilungen zu Landratsterminen zu Wort und macht sich zusätzlich über digitale Kanäle bemerkbar.
Jede Woche ein neues Thema
CDU-Kandidat für die Landratswahl
Christdemokraten setzen geschlossen auf Erik Homann
Saipas Hauptkonkurrent und der einzige Kandidat mit ernsthaften Chancen, ihm das Amt streitig zu machen, ist Erik Homann von der CDU. Der 49-Jährige ist seit 2011 Bürgermeister in Seesen. Im Alter von 29 Jahren trat der Jurist im Rathaus der Sehusastadt die Stelle des Ersten Stadtrats an. Mit der Verwaltung und mit politischen Abläufen kennt er sich also aus. Auch die Probleme der Region sind ihm bekannt. Während aber zum Beispiel Dr. Oliver Junk, Goslars früherer Oberbürgermeister, für seine Kandidatur als Regionspräsident in Hannover beinahe jede Woche eine Pressemitteilung mit Vorschlägen und Ideen verschickt, befindet sich Homann noch nicht im Wahlkampf-Modus, jedenfalls ist das nicht erkennbar.
Kreis Goslar: Grüne kritisieren Partner SPD
Kommunalwahlen: Gerangel auf Bewerberlisten der Ökopartei
Für die Grünen tritt Kreisvorsitzender Mathias Schlawitz als Landratsbewerber an, er ist zudem Fraktionssprecher im Kreistag. Bei seiner Kandidatenkür Mitte Mai setzte er gleich eine ordentliche Duftmarke und hielt dem Landrat und der Kreisverwaltung sinngemäß Ideen- und Konzeptlosigkeit vor. Er beklagte zudem, mit Saipa sei „ganz viel Parteipolitik“ ins Kreishaus eingezogen. Posten würden nicht nach Kenntnissen und Fähigkeiten vergeben. Schlawitz bringt Erfahrung als Landratsbewerber mit. 2021 holte er 8,91 Prozent der Stimmen. Seine Partei bildet im Kreistag mit der SPD eine Gruppe, die die Mehrheit der Stimmen stellt.
Peggy Plettner-Voigt ist Co-Kreisvorsitzende und Kreistagsabgeordnete der Partei „Die Linke“, von der sie als Landratskandidatin aufgestellt wurde. Ihre Domäne ist vor allem die Schulpolitik, sie ist Sprecherin des Kreiselternrats. Plettner-Voigt könnte ihr Abschneiden im September am Ergebnis ihres Parteifreundes Rüdiger Wohltmann messen. Der holte vor fünf Jahren 5,76 Prozent der Stimmen.
Auch die FDP, die in Niedersachsen nicht mehr im Landtag vertreten ist und es vermutlich auch in Sachsen-Anhalt bei den Wahlen im September nicht mehr ins Landesparlament schaffen wird, bietet einen Landratsbewerber auf. Kreisvorsitzender Florian Schmidt tritt an und zeigt sich bereits emsig. Er hat sich schon einige Male mit Pressemitteilungen zu Landkreisthemen zu Wort gemeldet und zeigt damit, dass die FDP im Landkreis Goslar mitreden will.
„Die Partei“, auch als Satirepartei bekannt, will ebenfalls einen Bewerber ins Rennen schicken. Im Gespräch ist Kreisvorsitzender Jan Oppermann. Er ist außerdem einer der Sprecher des Inklusionsbündnisses „Goslar geht gemeinsam“. „Die Partei“ muss allerdings Unterstützerunterschriften sammeln, denn sie ist bisher nicht im Kreistag von Goslar vertreten. Die Wahlhilfe wäre verzichtbar, wenn sie mit mindestens einem Sitz bereits im Kreistag oder aber im Landtag oder Bundestag vertreten wäre. 250 Unterstützer, gemeint sind Wahlberechtigte aus dem Landkreis Goslar, sind für die Zulassung zur Kommunalwahl im Landkreis Goslar erforderlich. Auf seiner Internetseite wirbt der Kreisverband von Oppermann derzeit für Unterschriften und begründet dies damit, dass im Landkreis Goslar einiges schief laufe, „nicht zufällig, sondern mit beeindruckender Konsequenz“, heißt es.
Übrigens: Oppermann bewirbt sich auch um ein Stadtratsmandat in Goslar. Unterstützerunterschriften benötigt er in diesem Fall nicht, weil mit Sebastian Wirth bereits ein Vertreter seiner Partei im Stadtrat sitzt.
Zwei Wahlgänge wahrscheinlich
Die als sozialliberal, progressiv und europäisch-föderalistisch eingestufte Partei Volt schickt Nadine Filko ins Landratskandidaten-Rennen. Die Goslar-Rückkehrerin arbeitet als Beraterin einer Kommunikationsagentur, als Autorin und Moderatorin. Auf Instagram wirbt sie mit den Worten, sie sei auf den Straßen von Goslar für ein „Erbe für die Zukunft, das auf Kollaboration, Vielfalt und Vision aufbaut“ unterwegs. Auch sie muss 250 Unterstützerstimmen sammeln. „Wir sind fleißig dabei“, sagt sie.
Wegen der Vielzahl der Bewerber zeichnet es sich ab, dass der aussichtsreichste Kandidat nicht auf Anhieb die absolute Mehrheit der Stimmen holt. In diesem Fall wird eine Stichwahl mit denjenigen erforderlich, die am besten abgeschnitten haben.
Nebenbei bemerkt: Noch können sich Bewerber für die Wahl anmelden, die Frist läuft am Montag, 6. Juli, um 18 Uhr ab. Möglicherweise ist die Kandidatenliste derzeit also noch unvollständig. Ex-Christdemokrat Axel Bender aus Goslar, der die CDU mittlerweile verlassen hat und sich für die AfD um ein Stadtrats- und Kreistagsmandat bewirbt, erklärt allerdings auf Anfrage, er wolle nicht als Landratsbewerber antreten. 2021, als er Bewerber der CDU war, holte er 22,68 Prozent der Stimmen. Es waren so wenig Stimmen, dass Saipa sich bereits im ersten Wahlgang als einer von seinerzeit fünf Kandidaten mit 53 Prozent der Stimmen durchsetzte. Benders Wahlspruch wäre allerdings aktuell wieder verwendbar: „Wählt Bender im September.“

Dr. Alexander Saipa Foto: Landkreis

Erik Homann (CDU) Foto: Privat

Mathias Schlawitz (Grüne) Foto: Privat

Peggy Plettner-Voigt (Die Linke) Foto: Privat

Florian Schmidt (FDP) Foto: Privat

Jan Oppermann (Die Partei) Foto: Privat

Nadine Filko (Volt) Foto: Privat
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