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1000 Besucher erleben Kultur

GZ Plus IconWas die Kunst- und Museumsmeile in Bad Harzburg so besonders macht

Maia Perron ist ein der Künstlerinnen, die im Bahnhof ausstellen und auch arbeiten.

Maia Perron ist ein der Künstlerinnen, die im Bahnhof ausstellen und auch arbeiten. Foto: Schlegel

Bad Harzburg zeigte am Wochenende, was in der Stadt steckt: 1000 Besucher, 20 Kunstschaffende, 80 Ehrenamtliche. Vom Gestüt bis zum Bahnhofsrestaurant wurde Kunst präsentiert – die Museumsmeile hat sich etabliert. Aber was macht sie so besonders?

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Von Holger Schlegel
Montag, 15.09.2025, 08:00 Uhr
Bad Harzburg. Freundlich, entspannt, interessant: Mit diesen drei Worten lässt sich die 3. Bad Harzburger Kunst- und Museumsmeile vom Samstag am besten zusammenfassen. Skeptikern, die beim Auftakt vor zwei Jahren das ungewöhnliche Veranstaltungsformat womöglich belächelt und als Eintagsfliege abgestempelt hatten, dürfte mittlerweile der Wind aus den Segeln genommen worden sein. Die Kunst- und Museumsmeile funktioniert.
Richard Maschke und Nina Festerling bei der Eröffnung n der Wandelhalle.

Richard Maschke und Nina Festerling bei der Eröffnung n der Wandelhalle. Foto: Schlegel

Rund 1000 Menschen haben sie am Samstag erkundet.

Das Konzept ist fürwahr ambitioniert: Vom Gestüt bis hinauf zum Harzwaldhaus an der Bergbahn (und das ist länger als eine klassische Meile) öffnen Museen ihre Türen, zeigen Kunsthandwerker und Maler ihre Werke in mitunter ungewöhnlichen Stätten. Das Ganze wird organisiert und koordiniert von einer engagierten Gruppe um den Schauspieler Richard Maschke. Dazu gehören noch Nina Festerling, Franziska Glombeck, sowie Michael und Sven Bartsch.

Sie wollen „bürgerschaftliches Engagement fördern“, den Dreiklang aus Natur, Mensch und Kultur in den Fokus rücken. So jedenfalls umriss Maschke den Geist der Veranstaltung bei der kleinen Eröffnungsfeier am Morgen in der Wandelhalle.

Unbekannte Orte erleben

Das Burgy lädt im Gestüt die Kinder ein, kreativ zu werden.

Das Burgy lädt im Gestüt die Kinder ein, kreativ zu werden. Foto: Schlegel

Die Wandelhalle war den restlichen Tag über Heimstatt des Geschichtsvereins, der dort Vorträge hielt, Bilder und Bücher zeigte. Genau das ist das Besondere an der Kunst- und Museumsmeile: Es werden Orte für die Kunst geöffnet, die man womöglich noch gar nicht kannte. Das neue Bahnhofsrestaurant zum Beispiel: Die Pächter Damian Lelewski und Barbara Kawal-Teasdale hatten es zur Galerie gemacht: Maia Perron und Helga Müller zeigten Malerei, Barbara Acksteiner und Martin Horstmann Fotografie.

Oder das Gestüt: Die Eigentümer, die Familie Junicke, stellten die große Reithalle zur Verfügung, die allerdings – einziger Wermutstropfen in einem ansonsten rundherum gelungenen Konzept – doch recht groß und hallenartig wirkt. Dafür passt aber auch ordentlich was hinein. Am Samstag beispielsweise Fotografien von Dylan Menke, Martin Wurzbacher und Paul Kese, Malereien von Schülern verschiedener Harzburger Schulen und sogar Stationen für Kinder, an denen sie sich kreativ austoben konnten. Auch die Freimaurerloge in der Herzog-Wilhelm-Straße öffnete ihre ansonsten für die Öffentlichkeit verschlossenen Türen. Dort zeigte Kathrin Weiher moderne Malerei.

Eine Reise in die Gründerzeit unternimmt Michael Bartsch (l.) in der Villa Charlotte.

Eine Reise in die Gründerzeit unternimmt Michael Bartsch (l.) in der Villa Charlotte. Foto: Schlegel

Bad Harzburgs Museen öffneten ihre Tore, von der Remise des Harzklubs bis zur Villa Charlotte des Ehepaars Bartsch. Das ist zwar „nur“ ein einfaches Wohnhaus, aber hergerichtet wie zur Gründerzeit. Dazu kamen die ohnehin in der Stadt etablierten Kunstateliers, beispielsweise das von Andrea Tilinski im ehemaligen Woolworth-Gebäude.

80 Ehrenamtliche

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was am Samstag geboten wurde. Insgesamt beteiligten sich 20 Kunstschaffende jeden Alters und 80 Ehrenamtliche sorgten dafür, dass alles rund lief.

Kathrin Weyer (r.) zeigt im Haus der Freimaurerloge ihre Kunstwerke.

Kathrin Weyer (r.) zeigt im Haus der Freimaurerloge ihre Kunstwerke. Foto: Schlegel

Am Sonntagmorgen jedenfalls waren Richard Maschke und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter glücklich und zufrieden. Erschöpft zwar von den Wochen der Vorbereitung, aber beseelt, dass die Arbeit nicht vergebens war. Ganz im Gegenteil: Die Kunst- und Museumsmeile ist angekommen, hat sich etabliert.
Andrea Tilinski zeigt in ihrem Atelier in der Herzog-Wilhelm-Straße, wie ihre spezielle „Pouring-Technik“ funktioniert.

Andrea Tilinski zeigt in ihrem Atelier in der Herzog-Wilhelm-Straße, wie ihre spezielle „Pouring-Technik“ funktioniert. Foto: Schlegel

Richard Maschke spricht von einem regelrechten Sog, „die Menschen sind neugierig geworden“. Sein Resümee: „Bad Harzburg hat tolle Leute, die mitziehen.“ Die 4. Kunst- und Museumsmeile ist für 2026 schon beschlossene Sache.

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