Jens Höfel: „Schöner leben, wilder träumen, mutiger lieben“
Zuletzt betreten am Sonntag Jens Höfel (l.) und neben ihm Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer den Chorraum der voll besetzten Marktkirche. Foto: Zietz
Er gilt als ruhig und erfahren, ein Mann der klaren Kante, der deutlichen Worte: Jens Höfel wird am 1. März in einem Festgottesdienst als Propst in Goslar eingeführt.
Goslar. Er hat keine zwei Propst-Kreuze und ist mehr als ein „halber Propst“: Jens Höfel (60) wurde am Sonntag in einem festlichen Gottesdienst als Oberhaupt der Propstei Goslar offiziell in sein Amt eingeführt, das er schon seit Anfang Februar ausübt. Die ersten Gespräche sind geführt, die ersten Weichen auf dem Weg zur Propstei Harz sind gestellt.
Er habe ja in Bad Harzburg auch nur eine halbe Stelle als Propst gehabt, sagte Höfel, der auf den „halben Propst“ angesprochen worden war; dann wären seine Vorgänger in Goslar mit ihren halben Stellen ja auch nur „halbe Pröpste“ gewesen. Dass er mit zwei halben Stellen als Propst so oder so ganze Arbeit leisten wird, machte er in seiner Ansprache von der Kanzel in der Marktkirche aus deutlich. Die war komplett gefüllt – die Region nahm regen Anteil am Geschehen. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein neuer Propst eingeführt wird – und in Zukunft wird das ohnehin seltener. Ob Goslar auch in einer gemeinsamen Propstei mit Bad Harzburg und Bad Gandersheim/Seesen Propstsitz sein wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Summa summarum ein nahezu außergewöhnlicher Anlass, der feierlich begangen wurde: Zu den Posaunenklängen der Bläserensembles beider Propsteien, geleitet von Propsteikantor Gerald de Vries, schritten Pfarrerschaft, Propsteivorstände und ganz am Schluss Jens Höfel an der Seite von Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer begleitet von den Klängen des Stücks „Seid fröhlich in Hoffnung“ durch den Mittelgang nach vorne, während sich die Teilnehmenden von ihren Plätzen erhoben.
Das Kleingedruckte
Die Begrüßung übernahm der seit der Verabschiedung von Thomas Gunkel kommissarische Propst Dirk Glufke, der die gemeinsame musikalische Gestaltung der Posaunenchöre der Altstadt Goslar und der Luthergemeinde Bad Harzburg ale einen der ersten Schritt der Veränderung bezeichnete – viele werden noch folgen. „Gut, dass wir sie jetzt zusammen mit Jens Höfel gehen können“, sagte Glufke. So feierlich Anlass und Ausgestaltung auch waren, ließ der Ablauf auch hin und wieder Raum für durchblitzenden Humor, was wohl gut zum neuen Propst passen mag, der alles andere als staubtrocken wirkt. Da wäre zum Beispiel das schöne Lied „Du siehst mich“, was, auf den Text bezogen, gerade der Knackpunkt war: „Ganz schön klein gedruckt“, murmelte ein Singwilliger.
Snoopy und Charly Brown
Auch Oberlandeskirchenrat Hofer ließ es augenzwinkernd angehen, indem er die Worte des Apostel Paulus vom „Seufzen und Stöhnen“ der Gläubigen und der Schöpfung auf die Peanuts bezog, die Comicfiguren Snoopy und Charly Brown („der typische, liebenswerte Verlierer“) als „Seufzergemeinschaft“ beschrieb, was viel mit hier und heute zu tun hat, mit Christen, die füreinander da sind. „Es ist zum Stöhnen, zum Zweifeln, zum Verzweifeln“, sagte Hofer und sprach von „Autokraten, die gottgleich Herren der Welt sein wollen.“ Wir sind eine Seufzergemeinschaft, meinte Hofer, „wir wollen nicht schweigende Kirche sein die nicht hört, was an der Zeit ist“. Und, an anderer Stelle: „Menschenverachtende Parolen sind mit dem Christentum nicht vereinbar.“ Ein Weckruf, denn die Kirche werde gebraucht. Im „Übergang zwischen den Zeiten“, in einer Zeit der „Ab- und Aufbrüche“ sei Höfel der Richtige mit seiner Ruhe, seiner Erfahrung und seiner Klarheit. „Spaltung ist nicht Dein Thema. Dein Thema ist Eintracht“, sagte Hofer.
Gegenseitiges Bekenntnis
Die Zeremonie selbst war feierlich, Höfel kniete dafür nieder.
Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer (links) führt Propst Jens Höfel (kniend) in sein neues Amt als Propst von Goslar ein. Um ihn herum stehen (v.l.) Superintendent Dr. Stephan Vasel, Pfarrerin Dagmar Hinzpeter und Propst i.R. Thomas Gunkel. Foto: Zietz

Propst Jens Höfel (5.v.l.) im Kreise der kirchlichen Amts- und Würdenträger, mit denen er den kirchlichen Strukturwandel herbeiführen will. Foto: Zietz
Höfel ermutigte in seiner kurzen, knackigen Kanzelpredigt zu Neuanfängen, eine Einladung zum Leben im Hier und Jetzt, ein Bekenntnis: „Alles neu. Wäre das nicht wunderbar?“ Menschengemachter Klimawandel, Kriege, Hass und Gewalt, ein irrlichternder amerikanischer Präsident, Rechtsextremismus – „alles weg, alles neu, was für eine wunderbare Utopie“. Sein Credo: „Schöner leben, wilder träumen, mutiger lieben, einander vertrauen.“ Schöne Worte. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen: „Das letzte Wort, das spricht Gott.“
Dank für „klare Kante“
„Bad Harzburg ist bestimmt schön – aber ich bin sicher, Goslar werden Sie lieben“, gab ihm Oberbürgermeister Urte Schwerdtner im Grußwort mit auf den Weg. SPD-Landtagsabgeordneter Christoph Willeke fühlt sich an eine Wahlkreisreform erinnert, in der Goslar und Bad Harzburg zusammen kamen und dankte Höfel dafür, dass er „klare Kante“ zeigt. Glufke grüßte von Thomas Mogge (Katholische Kirche Nordharz); Karsten Jacob, Vorsitzender der Propsteisynode, dankte Glufke („Lieber Dirk, Du hast die Vakanz nicht nur verwaltet, sondern gestaltet“) und Propst Jens Höfel musste nicht lange um einen Applaus für die Posaunenchöre bitten, die sich mit dem Lob der Schöpfung „What a wonderful world“ verabschiedet hatten: „Dass die Posaunenchöre zusammen so gut klingen, kann nur ein großartiges Zeichen für unsere künftige Zusammenarbeit sein.“ Dann wurde gefeiert.
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