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Rundgang durch ein Jagdrevier

GZ Plus IconPflege, Jagd und Jägerlatein: Rundgang durch das Heißumer Jagdrevier

Hans Hesse berichtet über die Aufgaben von Hege und Pflege in seinem Jagdrevier.

Hans Hesse berichtet über die Aufgaben von Hege und Pflege in seinem Jagdrevier. Foto: Leifeld

Der Heißumer Hans Hesse machte vor 40 Jahren die Jägerprüfung – Die Faszination von Natur, Feld und Flur bestimmen seither sein Leben.

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Von Andrea Leifeld
Montag, 11.08.2025, 12:00 Uhr

Heißum. Wie steht es um das heimische Wild? Welche Aufgaben übernimmt der Pächter eines Jagdreviers? Und wie stehen Hege, Pflege und Jagd im Einklang?

Hans Hesse ist Jagdpächter aus Leidenschaft. Nicht als Beruf, sondern aus Berufung. Viele Jahre war er der Vorsitzende der Jägerschaft Goslar und ist es noch heute in der Bezirksjägerschaft Braunschweig. Damit ist der Heißumer ein beliebter Ansprechpartner bei Fragen zu Wild, Wald und Jagd. Bei Nachfrage und Bedarf bietet er gerne Führungen durch sein Revier – ein durchweg naturverbundenes Angebot, das Bürger und begeisterte Wanderer immer wieder gerne nutzten.

250 Hektar im Harzvorland

Wer mit Hans Hesse durchs Revier streifen möchte, für den geht es zunächst hoch hinaus auf den Hirschberg, denn dort bietet der Blick in das weite Umland die beste Übersicht: 250 Hektar umfasst das Heißumer Jagdrevier. Es liegt zwischen den Ortschaften Heißum und Dörnten, und reicht vom Waldrand am Hirschberg bis zum Rübenschnellweg in der genannten Feldmark. Nur ein kleines Stück Wald am Fortunateich gehört ebenfalls dazu. Früher war das Jagdrevier noch größer und umfasste große Waldflächen.

Hesses´ Erinnerungen reichen weit zurück. 1964 kauften die Niedersächsischen Landesforsten jenes, zum südlichsten Ausläufer des Salzgitterschen Höhenzugs gehörendes Waldstück. Bis 1995 konnte die Hesses den Wald noch weiterhin pachten, aber mit der Umgestaltung zum „Mittelwald-Projekt“, einer besonderen Holzwirtschaftsform, endete dies Arrangement mit der Forst.

Das Revier des Heißumer Jagdpächters erstreckt sich vom Hirschberg, über die Kreisstraße 2 hinweg bis zum Rübenschnellweg.

Das Revier des Heißumer Jagdpächters erstreckt sich vom Hirschberg, über die Kreisstraße 2 hinweg bis zum Rübenschnellweg. Foto: Leifeld

Seit 40 Jahren geht der heute 58-jährige Heißumer zur Jagd. 1985 machte er seinen Jagdschein. Die Leidenschaft für den Wald und das Wild wurde ihm durch seinen Vater in die Wiege gelegt. Schon Hesse Senior betreute das Revier.

Wie wird man Pächter? „Wer drei Jahre im Besitz eines Jagdscheins ist, kann sich auf ein Jagdrevier bewerben. Wohnen vor Ort muss er dafür nicht“, erklärt Hesse. Verpächter in seinem Fall ist die Jagdgenossenschaft Heißum, ein Zusammenschuss verschiedener Landeigentümer des betreffenden Flurstücks.

Keine Hirsche am Hirschberg

Doch der Name Hirschberg soll Wanderer nicht irreführen. „Hirsche kommen hier gar nicht vor“, verrät Hesse, aber Rehwild: Böcke sind die männlichen Tiere und Ricken werden die Weibchen genannt. Darüber hinaus gibt es viele Wildschweine, Schwarzwild genannt. Klassisches Niederwild wie Hasen, Kaninchen und Fasane seien hingegen nur selten zu beobachten. Das liegt am veränderten Biotop, betont er. Der Luchs sei beständig vor Ort und auch der Wolf hat bereits Spuren in Heißum hinterlassen. Vereinzelte Tiere sah er auf dem Durchzug. Das Rebhuhn, ein Bewohner der Feldflur, wurde in den vergangenen Jahren häufiger gesichtet und hat sich wieder angesiedelt, was ihn zufrieden stimmt.

„Ein Jagdrevier zu haben bedeutet aber viel mehr Hege und Pflege als Jagd“, hält Hesse fest. Es bedeutet, die Natur zu erleben, zu genießen und zu beobachten. Es ist wunderbar, sternenklare Nachtstunden und eine sanfte Morgendämmerung von einem Ansitz aus zu erleben.

Das Interesse an Führung durch das Jagdrevier ist groß.

Das Interesse an Führung durch das Jagdrevier ist groß. Foto: Privat

In einem Jagdrevier gibt es sicherlich auch die Aufgabe der Wildregulierung: Die Abschusszahlen werden von der Jagdbehörde für drei Jahre festgelegt. Im Heißumer Fall dürfen acht Rehe pro Jahr entnommen werden, darunter vier Böcke und vier Ricken. Schwarzwild hingegen unterliegt keiner Begrenzung. „Die machen wirklich viel Schaden in den Rüben, im Mais und im Getreide. Reifer Weizen ist für sie ein Leckerbissen“, verdeutlicht Hesse. Für die entstandenen Schäden muss der Jagdpächter die Landwirte oder Landeigentümer entschädigen.

Auch die Verhinderung möglicher Unfälle im Straßenverkehr an der Kreisstraße 2 zwischen Heißum und Dörnten gehört zu Hesses Aufgabenbereich. Im vergangenen Jahr konnte er dort mit einer Kombination aus Wildwarnreflektoren und Duftstoffen einen großen Erfolg erzielen. „Es gab dort seitdem keine Wildunfälle mehr. In den Jahren zuvor waren es immer so sieben bis acht.“ Leid für Mensch und Tier, das er durch seinen Einsatz und neue Ideen verhindern konnte.

Seit die Kombination aus Wildwarnreflektoren und Duftstoffen angebracht wurden, gibt es auf der Kreisstraße keine Wildunfälle mehr.

Seit die Kombination aus Wildwarnreflektoren und Duftstoffen angebracht wurden, gibt es auf der Kreisstraße keine Wildunfälle mehr. Foto: Leifeld (Archiv)

Er trägt die Kosten für die gesamte erforderliche Ausrüstung selbst.

Es ist für ihn ein kleiner Beitrag zum großen Thema Naturschutz. Vehement setzte sich Hans Hesse für seine Tierwelt ein, auch als ein neuer Wanderweg als Tourismuspfad durch eine wichtige Wildruhezone führen sollte. Der damals heftige Streit wurde inzwischen zur Zufriedenheit aller Beteiligten geregelt, erinnert er sich.

Natur- und Tierschutz als Aufgabe

Auch im Bereich der Rehkitzrettung ist Hesse aktiv und unterstützt, wo immer es ihm neben seinem Berufsleben möglich ist. Natur- und Tierschutz liegen vielen Menschen am Herzen und sind ein Trend. Das weiß er auch durch seinen Vorsitz im Bezirk, denn immer mehr junge Leute, darunter viele Frauen, legen die Jägerprüfung ab. In Kennerkreisen wird die Prüfung aufgrund ihrer Schwere auch als „Grünes Abitur“ bezeichnet.

Die Gründe für das wachsende Interesse sind ganz unterschiedlich: Viele Mitbürger interessieren sich vermehrt für die Natur, Feld und Wald. Oder es handelt sich um Hundehalter, die ihre Tiere beschäftigen wollen. „Da ist alles möglich. Und nicht jeder Jagdscheinbesitzer geht zur Jagd.“

Ein Rehbock beobachtet argwöhnisch die Fotografin.

Ein Rehbock beobachtet argwöhnisch die Fotografin. Foto: Anke Nimser/ Privat

Jagd, Jäger … Jägerlatein! Auch das kennt Hesse: „Das erste Wildschwein, das 1952 in Heißum von Hermann Lindenberg während eines Rehbockansitzes eher zufällig erlegt wurde, wurde in der damaligen Heißumer Gaststätte ‚Kassel‘ zubereitet und von den Kameraden der Ortsfeuerwehr komplett aufgegessen. Der Wirt konnte im Anschluss gar kein Bier und Schnaps mehr verkaufen, weil sich alle richtig satt gegessen hatten.“

Für Insider ist diese Geschichte über die ehemalige Heißumer Feuerwehr jedoch fast undenkbar. Ist es vielleicht doch nur eine Mär aus Hesses´ Jägerhut ... ?

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