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Das sagt die Machbarkeitsstudie

GZ Plus IconWest-Erweiterung der Schmalspurbahnen: Großes Potenzial in Braunlage

Eine Dampflok.

Die Befürworter der West-Erweiterung der Harzer Schmalspurbahnen wollen Dampf machen: Am Mittwoch informieren sie in Braunlage über das Projekt, dem eine Studie großes Potenzial bescheinigt. Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Erlöse von jährlich etwa vier Millionen Euro jährlich und bis zu 260.000 Fahrgäste berechnet eine Studie zum Anschluss von Braunlage ans Netz der Harzer Schmalspurbahnen.

Von Oliver Stade Montag, 26.01.2026, 18:00 Uhr

Braunlage/Wernigerode. Das Interesse an der Informationsveranstaltung am morgigen Mittwoch in Braunlage, wenn es um die Erweiterung des Schienennetzes der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) von Elend nach Braunlage geht, ist groß. Rund 60 Gäste aus dem niedersächsischen, thüringischen und sachsen-anhaltischen Harz haben sich bereits zu dem Termin angemeldet, auch ein Fernsehteam wird dabei sein.

Kein Wunder, denn die Erweiterung der Brockenbahn ist ein Thema, das seit vielen Jahren immer wieder diskutiert wird. Frank Uhlenhaut von der länderübergreifenden Ein-Harz-Initiative, der zu dem Termin eingeladen hat, verspricht sich davon, „ein starkes Zeichen der Unterstützung für dieses zukunftsweisende Projekt“.

Großes Potenzial

Möglicherweise werden am Mittwoch in der Gaststätte „Tenne“ auch Zahlen aus der bisher öffentlich nicht präsentierten Machbarkeitsstudie vorgestellt. Immerhin haben die Gutachter der Firma DB Reailistics großes Potenzial errechnet. Bis zu 261.000 Ticketverkäufe halten sie im 20. Betriebsjahr für die neue Strecke möglich. Die Erlöse aus den Ticketeinnahmen werden auf rund 3,7 bis 4,4 Millionen Euro beziffert.

Die Strecke zwischen Elend und Braunlage, die Braunlage nicht nur mit dem Brocken, sondern über Elend und Drei Annen Hohne vor allem auch mit Wernigerode, aber auch mit Nordhausen verbindet, hätte laut den Berechnungen durchaus Potenzial und könnte auch dazu beitragen, die Harzer Schmalspurbahnen durch zusätzliche Einnahmen zu stablisieren.

Die Schmalspurbahnen verbuchen jährlich 500.000 bis 600.000 Fahrgäste auf der beliebten Brockenstrecke. Auf der Selketalbahn nach Quedlinburg sind pro Jahr rund 100.000 Fahrgäste unterwegs, auf der Harzquerbahn nach Nordhausen, die nicht nur Touristen, sondern auch Schüler und Pendler befördert, sind es pro Jahr 360.000. Über die Westanbindung würde das Streckennetz mit Braunlage und Wernigerode die beiden Städte mit den meisten Übernachtungen über den Öffentlichen Personennahverkehr verbinden.

Abgebildet ist das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen als grafische Übersicht.

Mit dem Anschluss von Braunlage an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen gäbe es auch eine Verbindung zwischen Braunlage und Wernigerode. Foto: Privat

Bekannt ist, dass nahe der Talstation der Wurmbergseilbahn und dem öffentlichen Parkplatz der Bahnhof Braunlage entstehen soll, wenn die Verbindung gebaut würde. Von drei Gleisen ist in der Machbarkeitsstudie die Rede. Erforderlich ist zudem eine Wasserversorgung für die Dampfloks, heißt es.

42 Millionen Euro

Die Investitionen für die „Westanbindung“ werden auf rund 42 Millionen Euro beziffert. Der größte Anteil entfällt mit rund 15 Millionen Euro auf die Erdbauarbeiten, für Planung und Nebenkosten werden 6,4 Millionen Euro veranschlagt, für den Oberbau, unter anderem die Gleise, 4,7 Millionen Euro. Die Ausgaben für Ingenieurbauwerke werden mit 6,5 Millionen Euro angegeben. Hinzu kommen „sonstige Kosten“ von 9,3 Millionen Euro. Unter anderem Straßenüberführungen an der B 27 und der „Großen Wurmbergstraße“ und eine Eisenbahnüberführung erforderlich. Die Bahnstrecke würde zwischen Elend und Braunlage entlang der B 27 verlaufen.

Zur Finanzierung: Die Planer hoffen darauf, dass das Projekt über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) finanziert wird. So könnten 90 Prozent der Kosten über den Bund finanziert werden, heißt es.

Alle Beteiligte haben bisher stets betont, dass das Projekt eher als Marathon zu verstehen ist, dass es sich also nicht von heute auf morgen verwirklichen lässt. Sobald Einigkeit hergestellt und die Finanzierung geklärt ist, sieht die Machbarkeitsstudie eine Dauer von acht Jahren vor, um Braunlage an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen anzuschließen. 30 Monate werden beispielsweise für die Bauzeit angesetzt, 20 Monate für die Planfeststellung, also für das Verwaltungsverfahren das die Zulässigkeit der Bauvorhaben prüft. Für Vorplanung und Entwurfsplanung werden zwölf beziehungsweise vierzehn Monate veranschlagt.

Immerhin sind mehrere Naturschutzgebiete von den Bauarbeiten betroffen. Die Eingriffe müssten geprüft und abgewogen werden, Ausgleichsmaßnahmen wären erforderlich. Der Haupteingriff entstünde vermutlich durch die fünf Kilometer Lange Gleisstrecke zwischen der Siedlung Wietfeld bei Elend und Braunlage. Von dort sollen die Züge im Zweistundentakt fahren.

Landrat Saipa kommt nicht

Zu den größten Unterstützern des Vorhabens gehören Halberstadts Landrat Thomas Balcerowski, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Harzer Schmalspurbahnen ist, und Braunlages Bürgermeister Wolfgang Langer, aber ebenso Frank Uhlenhaut von der Ein-Harz-Initiative. Für den Mittwoch werden auch Besucher aus der Kreisverwaltung Nordhausen erwartet, die Stadt liegt am südlichsten Zipfel des Streckennetzes.

Der Landkreis Goslar hat sich bisher öffentlich eher zurückgehalten und lediglich mitgeteilt, er unterstütze das Vorhaben grundsätzlich. Landrat Dr. Alexander Saipa nimmt an dem Informationstermin am Mittwoch in Braunlage nicht teil, „aufgrund von Terminüberschneidungen“, wie der Landkreis auf Anfrage mitteilt. Ein für Oktober geplanter Termin in Braunlage, an dem auch Vertreter des Landes Niedersachsen hätten teilnehmen sollen, um unter anderem Finanzierungsfragen zu klären, wurde seinerzeit abgesagt und bis heute nicht nachgeholt. Landrat Saipa wolle nun erst den Termin am Mittwoch abwarten, an dem er und übrigens auch kein anderer Vertreter des Landkreises Goslar teilnehmen.

Obwohl die Anmeldefrist abgelaufen ist, gibt es noch Platz für Gäste, die sich kurzfristig dazu entscheiden, die Veranstaltung in der „Tenne“ zu besuchen.

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