Wie in Rhüden Platz für Flutmassen in der Nette geschaffen wird
Aufweitung abgeschlossen: Die Nette schlängelt sich jetzt durch Rhüden und hat im Hochwasserfall mehr Platz. Eingesetzte Steine dienen der Strömungslenkung, Wasserbausteine als Sicherung und Sitzwarten für Wasservögel. Foto: Gereke
Es ist schon eine Besonderheit: Ein Millionenprojekt wird im vorgesehenen Zeitplan fertiggestellt – und es wird auch noch günstiger. In Rhüden ist genau das passiert. Wie es im von Nette-Fluten geplagten Ort für mehr Hochwasserschutz sorgt.
Rhüden. Mehr Hochwasserschutz für Rhüden: Die Bauarbeiten zur Aufweitung der Nette, um im Flut-Fall mehr Wasser durch das Flussbett abfließen lassen zu können, sind abgeschlossen. Ein Millionenprojekt, das nicht nur pünktlich fertig, sondern auch günstiger geworden ist.
Die Eckdaten zum Hochwasserschutzprojekt an der Nette in Rhüden lieferte Karsten Dolatka, Geschäftsführer des Hochwasserschutzverbands Innerste. Demnach erfolgte die Aufweitung des Flussbettes auf rund 1,4 Kilometern. Dadurch können jetzt bei einer Flut 23 statt wie bislang 16 Kubikmeter pro Sekunde durch Rhüden im Nette-Bett strömen – die Kapazität des Flussbetts stieg also an. Unterliegern nahm er in diesem Zusammenhang Sorgen: „Es wird in der Innerste nicht mehr Wasser ankommen. Hinter Rhüden endet der Ausbau – und die Fließgeschwindigkeit wird sich wieder reduzieren.“
Vertreter von Kommunen, Land, Planungsbüro und Hochwasserschutzverband Innerste machen sich ein Bild von der aufgeweiteten Nette. Foto: Gereke
„Um die Aufweitung zu erreichen, wollten wir aber nicht einfach nur ausbaggern, sondern den Fluss hochwertig aufwerten“, erklärte Dolatka. Und so mäandriert sich die Nette durch die Gewässersohle und schlängelt sich Richtung Norden. „Dadurch entstand Lebensraum für Natur und Umwelt“, so Dolatka. Auf 13.000 Quadratmetern Böschung habe der Hochwasserschutzverband Innerste regionales Saatgut einbringen lassen. An den Ufern erfolgte die Pflanzung von 90 Schwarzerlen und 210 Weiden. „Im nördlichen Bereich hinter Rhüden werden noch weitere Gehölzpflanzungen angelegt“, kündigte Dolatka an. Zudem erfolgte als Renaturierung die Entsiegelung eines alten Absetzbeckens in der Kläranlage Rhüden.
Neuer Radweg parallel zur Nette
Parallel zur Nette entstand auch ein neuer Radweg. „Früher hatte er insgesamt eine Fläche von 2200 Quadratmetern, jetzt sind es 3600 Quadratmeter. Er ist nämlich einen Meter breiter geworden, weil wir ihn auch für Kontrollfahrten entlang des Flusses nutzen“, führte Dolatka aus. Deshalb verfügt der Radweg auch über die entsprechende Belastungsklasse.
Dolatka sprach von Gesamtkosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro. 80 Prozent hiervon trägt das Niedersächsische Umweltministerium. Bauherr des Projektes ist der Hochwasserschutzverband Innerste, dieser trägt auch die restlichen 20 Prozent der Kosten, die nach einem festgelegten Schlüssel auf seine Mitglieder (Landkreis Goslar, Landkreis Hildesheim, Landkreis Wolfenbüttel sowie die Städte Hildesheim und Salzgitter) umgelegt werden. „Wir konnten die Arbeiten im vorgesehenen Zeitrahmen abschließen. Zudem

In Richtung Norden schlängelt sich die Nette aus Rhüden heraus. Foto: Gereke
Goslars Landrat Alexander Saipa betonte, wie wichtig das Projekt sei angesichts immer häufigerer Extremwetterlagen. „Jetzt herrscht im Harz noch Trockenheit. Aber es kann sehr schnell gehen und uns beschäftigt wieder Hochwasser“, sagte er. „Für uns hier ist das ein ganz wichtiger Ausbauerfolg“, betonte er und lobte die gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure. „Die Bewährungsprobe steht noch aus – und wir hoffen, dass sie noch ganz lange auf sich warten lässt.“

Auch kleine Inseln gibt es jetzt im Flusslauf. Sie dienen unter anderem der Strömungslenkung. Foto: Gereke
Seesens Bürgermeister Erik Homann ließ noch einmal kurz die Historie des Projekts Revue passieren und erinnerte daran, dass das Vorhaben einen Vorlauf hatte, der etwa ein Jahrzehnt dauerte. Erste Schritte ging bereits der Ausbauverband Nette. „So traurig das Ereignis war, aber das Hochwasser 2017 spielte uns in die Karten, denn im Anschluss kamen wieder alle denkbaren Maßnahmen auf den Tisch.“ Sein Dank galt dem Landkreis, der um das Projekt in Rhüden gekämpft habe. „Alle haben an einem Strang gezogen – die Fertigstellung ist noch einmal zum Ende meiner Amtszeit ein Meilenstein.“
„Schon den Glauben ans Projekt verloren“
Rhüdens Ortsbürgermeister Frank Hencken erinnerte daran,
dass es zu Weihnachten 2023 schon eine kleine Bewährungsprobe gab. Ein Teil der Nette war damals bereits aufgeweitet. Eine Tatsache, die mit dafür sorgte, dass Schlimmeres verhindert werden konnte. „Manch einer im Ort hatte schon den Glauben an das Projekt Nette-Aufweitung verloren“, erklärte er mit Blick auf die zurückliegenden Jahre. Vieles sei aber im Hintergrund gelaufen. „Aber als die ersten Bagger loslegten, sind die Bürger aufmerksam geworden – ich habe auf das Projekt unheimlich viel positive Resonanz erhalten. Die Art des Ausbaus ist optisch ein Mehrwert für Rhüden – genauso wie der moderne Radweg.“

Mehrwert für Rhüden: Der neue Weg parallel zu Nette ist breiter geworden und bietet genug Platz für Begegnungsverkehr. Foto: Gereke
Für die Beteiligten am Ufer der Nette war es auch die Gelegenheit, den Blick nach vorne zu richten. Denn das nächste Millionenprojekt wirft bereits seine Schatten voraus: der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Bornhausen. Dafür war die Nette-Aufweitung die Voraussetzung, um einen entsprechenden Wasserabfluss gewährleisten zu können. „Der Zeitplan sieht vor, Ende 2026 mit ersten Arbeiten zu beginnen. Mit den Hauptarbeiten geht es dann 2027 los. Kalkuliert sind zwei Jahre Bauzeit, es gilt auch wieder wie an der Nette die Brut- und Setzzeiten zu berücksichtigen. Die Fertigstellung ist für 2029 geplant“, teilt der Geschäftsführer des Hochwasserschutzverbands auf GZ-Nachfrage mit.
Und auch der Dammbau bei Bornhausen wird nicht der Schlusspunkt in dem Flussgebiet sein. „Vorgesehen ist auch die Vergrößerung des bestehenden Rückhaltebeckens an der Nette in Höhe Mechtshausen“, teilte Dolakta mit. Dazu soll das bestehende Einstaubauwerk um etwa zwei bis zweieinhalb Meter erhöht werden, wodurch sich das Einstauvolumen verdoppelt. „Die Arbeiten dafür erfolgen aber erst, wenn das Projekt in Bornhausen abgeschlossen ist.“
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