Kein Geld, keine Wohnung: Wohin, wenn der Hund krank wird?
Robert (40 Jahre), Klient des Goslarer Tagestreffs „Zille“, mit seinen Hunden. Foto: Privat
Die Goslarer Zille betreut Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht. Oft sind ein Hund oder eine Katze ihre letzte Stütze. Aber Tierarzt und Futter sind teuer.
Goslar. Keine Wohnung, kaum Geld, und die zweibeinigen Freunde kennen einen auch nicht mehr. Oft ist es dann nur noch der Hund, der seinem Menschen die Treue hält. Doch was tun, wenn die Kosten für Futter steigen oder die Tierarztrechnung einfach unerschwinglich ist? In der Goslarer „Zille“ finden Menschen und ihre Tiere Hilfe. Aber auch die Kassen des Tagestreffs sind begrenzt. Die Einrichtung bittet dringend um Spenden für die Vierbeiner.
Rund 20 Haustierhalter suchen in der Goslarer Zille Hilfe. „Es sind fünf bis sechs Leute, die einen Hund halten. Etliche von ihnen sind wohnungslos. Hinzu kommen Katzenbesitzer und Halter anderer Haustiere“, zählt Dorina Kasten, eine der Sozialarbeiterinnen des Tagestreffs, auf. Das Hauptproblem seien die Tierarztkosten, die Herrchen oder Frauchen eben nicht aufbringen könnten. Aber auch über Futterspenden würden sich das Team der Zille und ihre Kunden sehr freuen.
Einer der Menschen, die in der Zille Hilfe suchen, ist der 40-jährige Robert. Er lebt seit 2022 in Goslar. „Dank des Neun-Euro-Tickets bin ich viel rumgekommen und schließlich in Goslar gelandet. Hier gefällt es mir, auch die Menschen hier mag ich“, sagt er. Im Tagestreff „Zille“ und bei der Ambulanten Hilfe bekommt er Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Gespräche, die entlasten, ein warmes Essen, Tagesstruktur – und, wenn nötig, eben auch Futter oder Lebensmittel für sich und seine Tiere. „Ich bin sehr froh, dass ich hier Unterstützung für meine Tiere erhalten kann. Dass es ihnen gut geht, ist für mich das Wichtigste.“
Unterwegs mit Rocky und Manouschka
Tiere begleiten Robert seit langem. 2012 lebte er auf einem Campingplatz und wünschte sich einen Hund. Kurz darauf geschah es, dass die Hündin von Bekannten trächtig wurde: „Ich war sogar bei der Geburt dabei und bekam meinen Hund Rocky.“ Seine zweite Hündin, Manouschka, ein lieber Schäferhundmischling, kam aus einer Notsituation zu ihm und blieb bis heute. Tiere sind für Robert mehr als Gefährten. Was sie für ihn bedeuten? „Liebe“, sagt er schlicht, „Zusammengehörigkeit, Freundschaft, Halt, auch durch die Verantwortung, die ich für die beiden habe. Mich um die Tiere zu kümmern, gibt mir Struktur.“
Seine Hündin Manouschka, heute zwölf Jahre alt, ist immer noch bei ihm. Rüde Rocky musste im Februar 2024 nach schwerer Krankheit gehen – ein Abschied, der Robert durch die Unterstützung von Spenden für die Tierarztkosten erleichtert wurde: „Ich bin dankbar, dass es hier die Hilfe des Tagestreffs für Tierarztkosten gibt, weil ich so wusste, dass ich Rocky helfen kann. Auch emotional wurde ich dabei von einer Sozialarbeiterin begleitet. Es ist das Schwerste, seinen Hund gehen zu lassen, aber es war das Beste für ihn.“
Tiere geben Halt und Zuversicht
Wie wichtig es ist, auch in schwierigen, ungesicherten Verhältnissen einen Hund an seiner Seite zu haben, unterstreicht Kathrin Klimm, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Dachstiftung Diakonie: „Für diese Menschen sind ihre Vierbeiner oft die treueste Stütze, sie geben Zuversicht, Halt und einen Grund, weiterzumachen.“ Aber ob Tierarztkosten, Futter oder Medikamente – allein schaffen viele Menschen in Wohnungslosigkeit und Armut die Versorgung ihrer Tiere nicht mehr.
Für Sozialarbeiterin Dorina Kasten ist die Hilfe für Menschen aber auch für Tiere eine Herzensangelegenheit: „Ich bin selbst Hundehalterin. Wenn ich mir vorstelle, ich könnte meinem Hund aus finanziellen Gründen nicht helfen, wenn es ihm schlecht geht, bricht es mir das Herz. Ich bin sehr froh, dass wir den Menschen, die unsere Einrichtungen besuchen, auch in diesem Bereich helfen können. Ihre Tiere sind oft der einzige oder wichtigste Halt für sie.“
Unkomplizierte Hilfe
Damit dies auch weiterhin geschehen kann, sind der Tagestreff und auch die Ambulante Hilfe in Goslar dringend auf finanzielle Unterstützung, aber auch auf Sachspenden angewiesen. Geldspenden werden benötigt, um Tier und Mensch schnell und unkompliziert bei Tierarztrechnungen helfen zu können.
Bereits mit kleinen Summen von 30 Euro ist geholfen. Aber auch Futterspenden sind willkommen. Das Spendenkonto der Dachstiftung der Diakonie ist unter www.dachstiftung-diakonie.de/spendenkonto zu finden. Bitte als Verwendungszweck „Tagestreff Zille hilft Tieren“ eintragen. Wer Futterspenden abgeben möchte, wird gebeten, sich mit der Zille unter (05321) 31989811 zu verabreden, da die Lagerkapazitäten sehr begrenzt sind. Der Tagestreff liegt an der Mauerstraße 34 in Goslar.
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