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Spurensuche im Nordharz

GZ Plus IconHerzog Juliushütte wird 450 Jahre: Aber warum wird nicht gefeiert?

Das Ortseingangsschild verweist auf das Jubiläum.

Das Ortseingangsschild verweist auf das Jubiläum. Foto: Privat

Die Siedlung Herzog Juliushütte blickt auf ihren 450. Geburtstag. Es gäbe viel zu erzählen. Aber warum wird das Jubiläum nicht gefeiert?

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Von Andrea Leifeld
Montag, 29.12.2025, 10:00 Uhr

Herzog-Juliushütte. Oje. Die Zeit rast. 2025 neigt sich dem Ende zu und damit auch das 450. Jubiläumsjahr der kleinen Siedlung Herzog Juliushütte – ohne dass es überhaupt gefeiert wurde.

Zur Erinnerung: Herzog Juliushütte ist der Name eines Hüttenwerks, das im Jahre 1575 durch Herzog Julius zu Braunschweig-Lüneburg mit zugehörender Siedlung für die Arbeiter und Hüttenleute gegründet wurde. Heute ist die rund 300 Einwohner zählende, fast vergessene Siedlung ein Ortsteil von Astfeld und gehört somit zur Stadt Langelsheim.

Drei Menschen schauen in Bücher.

Barbara Eberhardt, Beate Lehmann und Andreas Hannemann stöbern in den alten Aufzeichnungen. Foto: Leifeld

Eine fast vergessene Siedlung? Ja, fast möchte man es meinen, denn nur wenige Menschen, meistens Wanderer, entdecken auf dem Weg zur Granetalsperre den Charme des kleinen Ortes, der die Jahre im friedlichen Dornröschenschlaf zu verbringen scheint. So ging auch das Jubiläumsjahr unbeachtet an der breiten Öffentlichkeit vorbei. Nur ein Hinweisschild am Ortseingang ließ darauf deuten.

Keine Zeit für Jubiläumsfeier?

„Nein, vergessen haben wir das Jubiläum natürlich nicht“, betont Ortsbürgermeisterin Barbara Eberhardt als Vorsitzende des 2014 gegründeten Bürgervereins Astfeld Herzog Juliushütte (Bajuh) entschieden, als sie auf der Zielgeraden des Jubeljahres mit Beate Lehmann und Andreas Hannemann zur Spurensuche und erinnerungsreichem Klönschnack in den Astfelder Heimatstuben zusammenkommt.

„Wir haben so viel in den Köpfen gehabt und im Sommer bereits das Doppeljubiläum 150+70 von der Feuerwehr und dem Schützenverein gefeiert“, erinnern sie. Da fand eine weitere Feier keinen Platz im Jahreskalender.

Dabei gäbe es über den Ort so viel zu erzählen. Vieles hatte einst Georg Kleinwächter, Gemeindedirektor der bis 1970 eigenständigen Gemeinde Herzog Juliushütte und später Astfelder Ortsheimatpfleger, in einer umfassenden Chrnonik zusammengetragen.

Festumzug

In Herzog Juliushütte gab es viele schöne Feste. Foto: Heimatstuben Astfeld

Darin bildete das Hüttenwerk und die Siedlung Herzog Juliushütte seit 1875 eine eigenständige Gemeinde. Diese gehörte zum Landkreis Gandersheim. Man höre und staune: Am 1. Juli 1909 wurde auch die Gemeinde Frau-Sophien-Hütte mit Hüttenwerk eingegliedert.

Zusammen mit der Frau-Sophien-Hütte und der Frau-Marien-Hütte in Oker konzentrierte sich dort die Metallgewinnung aus den Rammelsberger Erzen.

Die Juliushütte bestand bis 1967 und verarbeitete Blei und Zink und seltene metallhaltige Erze. All das machte Herzog Juliushütte zu einer reichen und wohlhabenden Gemeinde, die im Zuge der damals umfassenden Gebietsreform 1970 in die zunächst noch eigenständige Gemeinde Astfeld eingegliedert wurde. In einem nachfolgenden Schritt wurde Astfeld am 1. Juli 1972 ein Ortsteil der Stadt Langelsheim.

11 Millionen DM in Gemeindekasse

„Die Gemeinde war durch die Hütten sehr wohlhabend. Es heißt, wir hatten zur Gebietsreform 11 Millionen DM auf dem Gemeindekonto“, erinnert Andreas Hannemann an die Erzählungen von Atze Brinkmann und die seines Vaters, Heinrich Hannemann. Beides waren waschechte Zeitzeugen. Das Geld wurde dann noch schnell in die Infrastruktur der Astfelder Heimatgemeinde investiert, in Schulen, Kindergarten und in die Feuerwehr. „Bevor es die Langelsheimer gekriegt hätten“, erklärt er. Die Liebe zu den Nachbarn war keineswegs auf Rosen gebettet..

Figur einer Hexe

1,6 Millionen Holllwedel-Hexen werden im Ort gefertigt. Foto: Leifeld

„Bei Starkregen schmissen die Einwohner in Herzog Juliushütte ihren Dreck in die Grane, damit er in Langelsheim angespült wurde“, erinnert sich Hannemann an eine weitere Erzählung von Atze Brinkmann. Dieses persönliche Vergnügen fand dann mit dem 1967 begonnenen Bau der Granetalsperre, oberhalb der Ortschaft, ein Ende. Hochwasser gab es auch vorher im Ort nicht, so Hannemann. Die Bürger akzeptierten den Bau, obwohl ein beliebtes Ausflugslokal im Granetal verloren ging und auch das geliebte Forsthaus vor dem aufgestauten Wasser weichen musste. „Es regte sich deutlich mehr Widerstand, als es vor einigen Jahren darum ging, die Staumauer zu erhöhen“, so Ortsbürgermeisterin Barbara Eberhardt.

Unvergessen sind viel Erinnerungen an die gute alte Zeit: Die Gaststätte Wesemann mit Kegelbahn, das Ausflugslokal Waldbrunnen, der Kaufladen Fricke und die vielen Forellen im Bach. 3381 war die Postleitzahl.

Weltbekannte Hollwedel-Hexen

Ein bekanntes Produkt ihrer Zeit waren auch die Astfelder Hollwedel-Hexen, die Rudolf und Lucie Hollwedel in einem Kunstgewerbe in Herzog Juliushütte produzierten. Die Figuren mit dem Holzkopf waren ein beliebtes Harz-Souvenir. 1,6 Millionen Hexen fertigte der Familienbetrieb bis 1995 und lieferte sie in die ganze Welt. Eine von Avacon bemalte Trafostation im Ort erinnert noch heute an ihre wahrhaft verhexte und weltbekannte Arbeit.

Herzog Juliushütte hatte auch seit 1925 eine eigene Ortsfeuerwehr. Sie hätte in diesem Jahr (2025) ihr 100-jähriges Bestehen feiern können, wenn die Einsatzkräfte nicht im Jahr 1973 in die Ortsfeuerwehr Astfeld übergetreten wären. Von den Kameraden, die damals übertraten, sind Klaus Beyer, Günther Aselmeyer und Frank Mittendorf noch heute Mitglieder der Altersabteilung.

Festumzug

In Herzog Juliushütte gab es viele schöne Feste. Foto: Heimatstuben Astfeld

Wie geht es in Herzog Juliushütte heute?

Die kleine Siedlung trotzte in 450 Jahren allen Herausforderungen. Die meisten alten Gebäude der ehemaligen Hütte wurden 1970 abgerissen. Der Bahnhof, gelegen an der Strecke von Goslar nach Seesen, wurde in den 1980er-Jahren aufgegeben. Die Neuaufnahme eines Haltepunktes wurde 2015 durch die Bahn AG untersucht, aber aufgrund eines zu geringen erwarteten Passagieraufkommens abgelehnt. Heute werden in einer, am ehemaligen Hütten-Standort ansässigen Firma noch immer seltene Metalle produziert.

Die Siedlung selber wurde mit ihrer naturnahen Lage längst von jungen Familien als attraktiver Wohnort entdeckt. „Leerstand gibt es hier nicht“, unterstreicht Hannemann. Freie Häuser würden schnell verkauft. Jeder ist hier willkommen.

Und: Während es ein zweites Astfeld noch in Südtirol gibt, ist Herzog Julius Hütte einmalig in der Welt. Ein weiterer Grund, einmal vorbeizuschauen, schwärmt das Trio einhellig. Alle Fakten, die ganze Geschichte und viele Fotos sind in den Astfelder Heimatstuben (Hütteweg 12) einzusehen.

Historisches Foto

Das historische Foto zeigt das beliebte Ausflugslokal Weberbrunnen im Jahr 1916. Foto: Heimarstube Astfeld

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