Zähl Pixel
Eine Harzerin sitzt in Dubai fest

GZ Plus IconSina John aus Bad Sachsa erlebt bange Tage in der Krisenregion

Zwei Frauen stehen in einem Hotelzimmer in Dubai, im Hintergrund sind Hochhäuser zu sehen.

Blick aus dem Hotelzimmer: Die Harzerin Sina John aus Bad Sachsa (r.) und Darienne Pohl aus Celle sitzen wegen des Kriegs im Nahen Osten in Dubai fest und warten darauf, dass Flüge zur Ausreise organisiert werden. Foto: Privat

Seit Kriegsbeginn sitzen Tausende Deutsche Urlauber im Nahen Osten fest. Darunter ist Sina John aus Bad Sachsa, die mit einer Freundin in Dubai bange Tage erlebt.

Von Oliver Stade Mittwoch, 04.03.2026, 19:45 Uhr

Harz. Rund 30.000 Urlauber, die ihre Reise bei deutschen Veranstaltern gebucht haben, sitzen derzeit im Nahen Osten fest, weil seit dem Krieg Flugverbote gelten. Zu den Menschen, die in der Golfregion auf ihre Ausreise warten und unter der angespannten Situation in der Krisenregion leiden, gehören Sina John (32) aus Bad Sachsa und Darienne Pohl (26) aus Celle. Die Harzerin flog mit ihrer Freundin am Mittwoch voriger Woche nach Dubai.

Eines ist Sina John besonders wichtig zu erwähnen: Die Situation ist für sie und ihre Freundin sehr belastend. Es geht nicht nur um die Frage, wer für die weiteren Hotelkosten und den unfreiwilligen Aufenthalt aufkommt, denn für Montag dieser Woche war die Rückreise geplant. Aber seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran und den Gegenschlägen des Irans sind in vielen Ländern der Golfregion die Lufträume geschlossen.

„Existenzielle Ängste“

Einschneidender als die Kostenfrage und die Ungewissheit, wann es zurück in die Heimat geht, sind für Sina John und Darienne Pohl „existenzielle Ängste“. Die 32-jährige John, die als Juristin derzeit ein Referendariat beim Oberlandesgericht Braunschweig absolviert, berichtet von einem Bombenalarm am vergangenen Samstag in ihrem Hotel. Sie habe schnell den Pass, ihr Portemonnaie und eine Jacke an sich genommen, dann seien „alle runtergelaufen“. John sagt: „Da habe ich mich gefragt, ob ich je meine Familie wiedersehe.“

Zwar habe es im Hotel bisher nur einen Bombenalarm gegeben, sagt sie am Dienstag am Telefon, aber die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, seien immer wieder Ziele von Drohnen und Raketen. Ein Schlüsselerlebnis sei für sie überdies ein Interview von Außenminister Johann Wadephul (CDU) in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ gewesen. Den gestrandeten Deutschen riet er, auf dem Landweg ein Nachbarland zu erreichen, von dem aus Flugzeuge starten. Außerdem sei es darum gegangen, wann das Auswärtige Amt Reisewarnungen ausgesprochen hat. John sagt dazu: „Das klang für mich so, als seien wir selber schuld. So hat sich das für mich angehört.“ Als sie den Minister so reden gehört habe, seien ihr Tränen übers Gesicht gelaufen, berichtet John.

Irritationen um Reisewarnungen

Wegen der Reisewarnungen steht Außenminister Wadephul mittlerweile in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, dass es etwa für die Golfstaaten und Dubai, das Emirat in den Vereinigten Arabischen Emiraten, erst am Samstag eine Reisewarnung gegeben habe, während er zunächst erklärt habe, solche Warnungen seien bereits im Januar erfolgt.

Apropos Krisenmanagement: Immerhin gibt es mittlerweile Sonderflüge nach Deutschland. Am Dienstagabend landeten in Frankfurt und München Maschinen der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai. Weitere sind in diesen Tagen geplant. Auch für diesen Mittwoch waren weitere Flüge vorgesehen. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete indes, ein Flug aus Dubai mit geplanter Ankunft am Mittwochmorgen sei kurzfristig annulliert worden. Weil die Lage schwierig sei, könne es immer wieder zu Annullierungen kommen, meldete die Nachrichtenagentur dpa und kündigte für Donnerstag den ersten Evakuierungsflug der Bundesregierung an.

Derweil berichten Sina John und Darienne Pohl nicht nur von ihren Ängsten, sondern auch von Wut. „Wir fühlen uns alleingelassen und nicht wichtig genommen“, berichtet John. Beide lassen nichts unversucht, um von Dubai aus ihre Rückkehr nach Deutschland und die Kostenfrage für den zusätzlichen Aufenthalt zu klären, von Deutschland aus hilft außerdem Johns Vater.

Nachts sind Detonationen zu hören

Selbst an den Tui-Vorstandschef Sebastian Ebel wandte sich John. Aber der Reiseveranstalter, bei dem John und Pohl Flug und Übernachtungen gebucht haben, verweise sie bei der Frage, wer die Kosten für den Extra-Aufenthalt übernimmt, an die Fluggesellschaften. „Sollten diese die Kosten nicht übernehmen, können Sie sich direkt an unseren Kundenservice oder an Tui After Travel wenden“, heißt es in einer Antwortmail an Sina John.

Das Auswärtige Amt rät Deutschen, die im Nahen Osten festsitzen, auf seiner Internetseite, sich an ihre Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften zu wenden, um nach „Ausreisealternativen“ zu schauen. Derweil hoffen Sina John und Darienne Pohl, in den kommenden Tagen einen Platz in einen der raren Flüge zu bekommen. Nach wie vor hören sie nachts in ihrem Hotelzimmer Detonationen.

Eine Gruppe steht vor Hochhäusern in Dubai.

Sina John (2.v.r.) aus Bad Sachsa und Darienne Pohl (3.v.r.) aus Celle stehen mit weiteren Deutschen vor dem Hotel in Dubai, in dem sie seit dem Kriegsbeginn in der Golfregion festsitzen. Alle zusammen haben eine Whatsapp-Gruppe gebildet, in der sie Neuigkeiten über ihre Situation austauschen. Foto: Privat

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region