Das war „der beste Deckhengst“ des Gestüts in Bündheim
Adlerflug zeigt sich im Februar 2019 bei der Schlenderhaner Hengstpräsentation. Foto: GZ-Archiv/Ruehl
Zwölf Granitsteine im Bad Harzburger Schlosspark erinnern an außergewöhnliche Hengste des Gestüts. Adlerflug und Platini waren die letzten von ihnen.
Bad Harzburg. Im Bündheimer Schlosspark erinnern zwölf Granitsteine an jene Hengste, die die Vollblutzucht im Harzburger Gestüt nachhaltig geprägt haben. Der Gestütsexperte Egon Knof erklärt in der GZ-Serie „Galopp-Legenden“, welche Geschichten sich hinter den Namen verbergen.
Teil 4 widmet sich Platini und Adlerflug, zwei der letzten Deckhengste, die in Bündheim zur Zucht eingesetzt wurden und große Maßstäbe setzten. Die Strahlkraft ihrer Erfolge auf der Rennbahn und in der Zucht reichte teils weit über Deutschland hinaus.
Platini: Begehrtes Blut in Japan
Platini, der Sohn des großen Stempelhengsts Surumu, sorgte vor allem mit seinen Töchtern in der Zucht für großes Aufsehen. Laut Knof war er ein stattlicher Fuchshengst und verkörperte den Stolz eines Englischen Vollbluts. Mit dem Sieg im Deutschland-Preis 1992 sowie im Gran Premio di Milano 1993 gewann er zwei der renommiertesten Rennen Europas: gewissermaßen die „Champions League“ des Galopprennsports. 1992 wurde er für seine Leistung in einer Publikumswahl zum Galopper des Jahres gekürt.
2002 wechselte Platini dann als Deckhengst nach Harzburg. Bei Präsentationen beeindruckte er Gestütsbesucher nicht nur mit seinem Erscheinungsbild, sondern auch durch sein selbstbewusstes Auftreten, etwa wenn er zu Songs wie „Simply the Best“ von Tina Turner tänzelnd in Szene gesetzt wurde, erinnert sich Knof.

Fuchshengst Platini überzeugt das Publikum mit seiner stolzen Gestalt. Gestütsmeister Cord von Alten begleitet ihn. Foto: Privat
Als Deckhengst stieg Platini schnell in der deutschen Statistik auf. Insbesondere seine Töchter waren international begehrt. Große Bedeutung erlangte etwa seine Tochter Moonlady: Sie gewann das Deutsche St. Leger und brachte später den Hengst Eishin Flash zur Welt, Sieger im japanischen Derby 2010. Dieser Erfolg löste in Japan eine große Nachfrage nach Platini-Blut aus. Zahlreiche seiner Töchter fanden daraufhin den Weg nach Asien.
Ein Beleg für seine nachhaltige züchterische Wirkung, die das Gestüt nach seinem Tod 2009 mit einem Gedenkstein im Schlosspark ehrte.GZ-Serie „Galopp-Legenden“ Teil 1
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Adlerflug: Der Ausnahmehengst
Der jüngste Stein, der dort aufgestellt wurde, ist der von Adlerflug, dem Derbysieger von 2007. Ohne die Verdienste der anderen Deckhengste schmälern zu wollen, bezeichnet Knof den vom Gestüt Schlenderhan gezogenen Fuchshengst als den wohl besten Beschäler, der jemals am Bündheimer Schlosspark wirkte.
Bereits seine Ankunft im November 2009 sorgte laut Knof für großen Bahnhof. Adlerflug war zu diesem Zeitpunkt längst ein Star der Rennbahn und Liebling der Massen. Auch wenn seine Rennkarriere mitten im Höhenflug abrupt endete: In der Morgenarbeit hatte er sich das Röhrbein gebrochen und war nur knapp dem Tod entgangen.

Torquator Tasso siegt 2021 mit René Pichulek beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris. Foto: Deutscher Galopp/Ruehl
GZ-Serie „Galopp-Legenden“ Teil 2
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Als Deckhengst überzeugte Adlerflug von Beginn an. Seine Decktaxe stieg mit der Zeit von 5500 Euro auf zuletzt 16.000 Euro an. Zwischen 2009 und 2016 produzierte er „Top-Pferde am Fließband“, schwärmt Knof. Dazu zählen unter anderem der Derbysieger In Swoop (2020), die Preis-der-Diana-Siegerin Lacazar (2017) sowie Torquator Tasso, der am Tag der Deutschen Einheit 2021 den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris gewann, das prestigeträchtigste Galopprennen der Welt. National sowie international überschlug sich damals die Presse mit Superlativen.
Tod eines Hoffnungsträgers

Der jüngste Gedenkstein im Schlosspark ist dem Hengst Adlerflug gewidmet. Foto: Raksch
Mit seinem Tod habe die GmbH nun auch noch ihr zweites Standbein verloren. Denn noch immer hätten ihr bis dahin stets 60 Prozent seiner Decktaxe zugestanden, obwohl er bereits zurück in Schlenderhan war. GmbH-Sprecher Lars-Wilhelm Baumgarten hatte damals prognostiziert, mit Adlerflug sei nun auch die letzte Hoffnung gestorben.
Doch seine Blutlinie überdauert: Bis Mitte 2022 stellte Adlerflug rund 20 Sieger in den höchsten Leistungsgruppen 1, 2 und 3. Seine Nachkommen tragen seine Gene inzwischen bis nach Amerika. Und sogar posthum könnte ihm noch eine besondere Ehre zuteilwerden. Er war nicht nur selbst Derbysieger, sondern stellte mit Sohn In Swoop und Tochter Lacazar auch Sieger im Deutschen Derby sowie im Preis der Diana, dem deutschen Stuten-Derby. Sollte er künftig auch als Großvater einen Sieger oder eine Siegerin in einem dieser Klassiker stellen, würde ihm etwas gelingen, das nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenigen Hengsten, darunter Platinis Vater Surumu, vorbehalten blieb.GZ-Serie „Galopp-Legenden“: Teil 3
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Weitere große Namen
Im nächsten und letzten Teil der Serie richtet sich der Blick auf weitere Pferde, die nach Einschätzung des Experten Egon Knof ebenfalls einen Platz unter all den vorgestellten Galopp-Legenden verdient hätten, auch wenn ihnen bislang kein eigener Gedenkstein gewidmet ist. Welche Geschichten verstecken sich hinter den Namen Bündheimer, Calveley und Angviola?
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