Frauen haben es beim Goslarschen Pancket lange nicht leicht
Johannes und Annemarie Mühlenkamp begrüßen Hans-Dietrich Genscher beim Pancket 1973. Der Liberale ist seinerzeit noch nicht Außen-, sondern Innenminister. Foto: Ahrens-Archiv
Das Pancket gibt es seit 1967. Bauministerin Klara Geywitz ist 2024 der erste weibliche Ehrengast beim Traditionsschmaus. Frauen spielen trotzdem wichtige Rollen. Welche Gäste besonders prominent waren, verrät Teil zwei eines Historienrückblicks.
Goslar. Neun Jahre haben die Vertreter von Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur und Medien in der „Kaiserworth“ beim Goslarschen Pancket getafelt. 1976 war Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Schütz der letzte Ehrengast, der in direkter Marktplatznähe redete und wie berichtet in Schlagerstar Udo Jürgens quasi einen prominenten Co-Ehrengast hatte. 1977 zog das Pancket an einen noch geschichtsträchtigeren Ort um. In der Kaiserpfalz war 1977 Niedersachsens Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht (CDU) aus Hannover angereist, dessen Tochter später ebenfalls politische Karriere machen sollte. Ursula von der Leyen war in Kabinetten auf Landes- und Bundesebene eine vielfach gefragte Frau und hat als aktuelle Präsidentin der Europäischen Kommission inzwischen sogar die Landesgrenzen überwunden.
Die erste Frau als Ehrengast: Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und Herold Gunnar Becker weisen Bundesbauministerin Klara Geywitz im November 2024 in Pancket-Geheimnisse ein. Foto: Sowa (Archiv)

Bestens gelaunt in Goslar: Mit Herold und Goslars Oberbürgermeister Helmut Sander tritt Bundeskanzler Helmut Schmidt am 21. März 1978 beim Pancket auf – dem zweiten, das in der Kaiserpfalz über die Bühne geht. Foto: Stadtarchiv Goslar
Aus dem Nähkästchen
Noch eine Frau wusste stets genau über das Pancket Bescheid, weil sie ganz früh dabei war. Die im Jahr 2019 verstorbene frühere GZ-Lokalchefin Dr. Ursula Müller konnte so viele herrliche Geschichten aus dem Pancket-Nähkästchen zu erzählen, dass es schade wäre, sie dort nicht herauszuholen. Etwa, dass die ersten Pancket-Gäste durchaus auch nach regionaler Verfügbarkeit ausgewählt wurden. Der erste Gast Otto Bennemann (SPD) kam aus Braunschweig, war dort in zwei Perioden fast neun Jahre lang Oberbürgermeister und zum Pancket-Auftritt Innenminister im Kabinett von Ministerpräsident Georg Diederichs, der 1918 am Ratsgymnasium Abitur gemacht hatte. Um es kurz zu machen: Bei den nächsten drei Panckets bis 1970 war der Landtagspräsident Wilhelm Baumgarten Ehrengast. Der kam aus der Nachbarstadt Bad Harzburg und war beim dritten Mal in Vertretung für Ministerpräsident Diederichs an Bord.

Pflichtprogramm für Pancket-Ehrengäste: Auch Genscher sticht das Bierfass an. Foto: Ahrens-Archiv

Das sind noch Krüge: Da zeigt sich auch ein kühler Hanseat beeindruckt. Foto: Stadtarchiv Goslar

Dr. Freiherr Richard von Weizsäcker ist als Berliner Bürgermeister 1982 der Mittelpunkt beim Pancket. Foto: Sowa (Repro)
Herzog als Präsident
Tatsächlich steht er als einer von vier Ehrengästen in der Pancket-Chronik, die nach ihrem Goslar-Besuch noch Bundespräsident wurden. Richard von Weizsäcker (CDU) ist 1982 Berliner Bürgermeister, Carl Carstens (CDU) gerade noch Bundestagspräsident und Christian Wulff (CDU) 2004 Ministerpräsident. Gerhard Schröder (SPD) schaffte es als Gast von 1993 später noch zum Kanzler. Nur Roman Herzog (CDU) war amtierender Bundespräsident, als er 1995 sprach. Herzogs Gastgeberin und Hahnenkleer Hoteliersfrau Marta Lattemann-Meyer ließ übrigens zu ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin einmal zur Probe essen, weil der Braten nach dem Rumpolt-Kochbuch von 1587 bisweilen zu zäh auf den Teller gelangt sein soll. Die Kosten übernahm sie persönlich.

Bundespräsident Roman Herzog spricht beim Pancket im März 1995 zu 200 Zuhörern. Oberbürgermeisterin Marta Lattemann-Meyer und Oberstadtdirektor Georg Michael Primus flankieren den Ehrengast. Foto: Schenk (Archiv)
Die Frau Stadtamtmännin
Noch einmal Stichwort Frauen: Aus dem Archiv des Bad Harzburger Fotografen stammt übrigens auch ein Bild, das die Goslarer Fremdenverkehrsleiterin Ruth Jondral und „Kaiserworth“-Chefin Annemarie Mühlenkamp mit Tonpfeifen zeigt. Als erste Beamtin in der Stadtverwaltung schrieb auch sie Goslar-Geschichte. Gebürtig aus Ostpreußen wurde sie am 1. Dezember 1959 ins Beamtenverhältnis übernommen. Verwaltungschef Helmut Schneider begrüßte sie als „historisches Unikum“.
Wie bei den Schaffermahlzeiten in Bremen werden auch beim Pancket lange Zeit Tonpfeifen nach dem Schmaus gereicht. Der Herold reicht Goslars Fremdenverkehrsamtsleiterin Ruth Jondral und Hotelchefin Annemarie Mühlenkamp Feuer. Foto: Ahrens-Archiv