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Geschäftsstelle in Goslar

GZ Plus IconSozialverband erstreitet 1,2 Millionen Euro für Mitglieder

In einem Spiegel ist zu sehen, wie eine Pflegerin sich um eine Seniorin kümmert.

Eine Pflegekraft und eine ältere Dame schauen sich ein Fotoalbum an: Der SoVD hilft in vielen Fragen der Pflege, der Rente und der Betreuung. Foto: picture alliance / dpa

Die Goslarer Geschäftsstelle des Sozialverbands Deutschland (SoVD) rät zu Widersprüchen, falls Sozialkassen Anträge ablehnen. Oftmals seien diese erfolgreich.

Samstag, 14.03.2026, 12:00 Uhr

Goslar/Harz. Der Sozialverband Deutschland (SoVD), der in Goslar mit einer Geschäftsstelle vertreten ist, hat im zurückliegenden Jahr wieder eine Vielzahl von Leistungen für seine Mitglieder erkämpft. Rund 1,2 Millionen Euro wurden erstritten, im Vorjahr waren es rund 1,1 Millionen Euro.

Bei den Leistungen, die der Verband für seine Mitglieder durch Widersprüche und Klagen erstreitet, handelt es sich beispielsweise um Geld für medizinische Hilfsmittel, Nachteilsausgleichs-Zahlungen für beeinträchtigte Menschen und Reha-Leistungen.

Mit Klagen oft erfolgreich

„Die etwa 1,2 Millionen Euro wurden vor allem durch Anträge und Widersprüche erstritten – gegen zuvor von den Sozialkassen abgelehnte Anträge in den Bereichen Rente, Pflege, Krankenversicherung und Existenzsicherung“, heißt es in einer Mitteilung des SoVD-Kreisverbandes. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass sie auch bei bereits bestehenden Konflikten Mitglied werden und Hilfe erwarten können, berichtet Dr. Christoph Ponto, SoVD-Geschäftsstellenleiter in Goslar.

Ponto rät bei der Absage von Anträgen durch die Sozialkassen dazu, fachlichen Rat einzuholen und bei einem abgelehnten Widerspruch nicht vor einer Klage zurückzuschrecken. „Fast jede zweite Klage gewinnt der SoVD vor den Sozialgerichten“, sagt Ponto.

Zwei Fälle aus Goslar sind im SoVD-Schwarzbuch 2025 dokumentiert. In einem ist eine Seniorin betroffen, die vor 40 Jahren bei einem Unfall einen Unterschenkel verlor. Die Krankenkasse verweigerte der Frau, die für ihre Beinprothese einen speziellen Stumpfstrumpf benötigt, der nach einiger Zeit verschleißt und daher ausgetauscht werden muss, die Kosten für dieses Hilfsmittel. Zuvor waren die Kosten mehrere Jahre übernommen worden. „Erst ein Widerspruch des SoVD sowie Telefonate mit der Krankenversicherung können dauerhaft sicherstellen“, dass die Frau die Kosten dafür weiter erstattet bekommt, heißt es im Schwarzbuch. Zwei Strümpfe kosten rund 170 Euro.

In einem anderem Fall sollte eine Frau ihrer Krankenkasse rund 2100 Euro für Pflegekosten zurückzahlen. Die Frau, die an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt ist, muss betreut werden. Als ihre Bekannte ausfällt, die in Vertretung für ihren Lebensgefährten aushilft, übernimmt der Sohn die Betreuung. Der Antrag auf sogenannte „Verhinderungspflege“ wird genehmigt. Irgendwann kommt allerdings eine Rückforderung, weil die Krankenkasse meint, es könne bei nahen Verwandten nur ein reduzierter Betrag erstattet werden. Offenbar war der Krankenkasse bei der Bewilligung ein Fehler unterlaufen. Christoph Ponto sagt, ein Versicherter müsse sich auf eine Entscheidung der Kasse verlassen können, wenn ein Antrag genehmigt wurde. „Es kann nicht sein, dass Pflegebedürftige später für Fehler der Verwaltung geradestehen müssen.“

Wiederholt Ärger

Der SoVD bietet regelmäßig Beratungen an, häufige Themen seien Schwerbehindertenrecht und Rente, vor allem die Erwerbsminderungsrente. Weitere Probleme, die häufig angesprochen werden, betreffen Sozialhilfe, Bürgergeld, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung und soziales Entschädigungsrecht.

Dem Kreisverband Goslar gehören laut der Mitteilung 4854 Mitglieder an, dies seien 3,4 Prozent mehr als im März 2025. Allerdings hängt im Kreisverband seit einigen Jahren immer wieder der Haussegen schief. 2022 und 2025 trat jeweils geschlossen der Vorstand zurück. Zu den Gründen gehörten offenbar beide Male Auseinandersetzungen zwischen ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und hauptamtlichen Mitarbeitern. Von März bis Mai wählen die 16 Ortsverbände ihre Vorstände und ihre Delegierten für die Kreisverbandstagung im Oktober, berichtet Ponto. Dann soll ein neuer Kreisvorstand gewählt werden. Ponto sagt: „Angesichts der positiven Mitgliederentwicklung und der erfolgreichen Beratungsarbeit sind wir überzeugt, dass sich engagierte und verantwortungsbewusste Kandidatinnen und Kandidaten finden werden.“

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