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Hilfstransport in die Ukraine

GZ Plus IconGoslarer schicken Güter gegen Kälte und Hunger auf die Reise

Vier Männer beladen einen weißen Transporter, der schon gut gefüllt ist.

Packen, bis keine Ritze mehr frei bleibt (von links): Jan Kopatzki, Andreas Baberske, Tomas Geldmacher und Wolodya aus der Ukraine. Foto: Kempfer

Bettdecken für die Kinder im Waisenhaus, Medizinprodukte für alle, Futter für die Tiere – vieles fehlt heute in der Ukraine. Hilfstransporte aus Goslar lindern die Not.

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Von Sabine Kempfer
Freitag, 20.02.2026, 18:00 Uhr

Goslar. Wie überlebt man einen Winter ohne Strom und Heizung bei eisigen Temperaturen? Eine Frage, die sich in der Ukraine aktuell bei minus 20 Grad Celsius viele Menschen stellen. Wem schon mal für einige Tage die Heizung ausgefallen ist, der mag ermessen, was es bedeuten könnte, wenn sie gar nicht mehr anspringt – und es auch sonst kaum Chancen auf eine Wärmequelle gibt. Vor Verlust der eigenen Körperwärme schützen im Kriegsgebiet Kleidung und Decken – beides bringt der Verein „Goslar hilft Menschen in und aus Krisengebieten“ unter Einsatz des Lebens ihrer Mitglieder in die Ukraine. In der Nacht ging wieder ein Transport Richtung Osten.

Der Hilfstransport fährt durch Dresden nach Polen und von dort über die Grenze in die Ukraine nach Malyn und Kiew.

Am Steuer: zum 16. Mal Andreas Baberske (69), der hofft, dass sie die Wagen in Polen nicht noch einmal ausladen müssen. Den zweiten Dreieinhalbtonner fährt Josef Preinesberger, auch schon ein Wiederholungstäter. Abfahrt heute war um 2 Uhr morgens.

Gestern Nachmittag wurden die Wagen voll beladen; in die Ritzen stopfte Baberske (der irische Wurzeln hat), Pampas und warme Decken – bis wirklich gar nichts mehr passte. Tomas Geldmacher drückte mit ganzem Körpereinsatz noch einmal nach – dann fiel die Tür des „Jumpers“ ins Schloss, der zunächst ein Kinderheim ansteuert.

Welle der Hilfsbereitschaft

Laut Dr. Christine Rose, Vorsitzende des Vereins, hat der Bericht der Goslarschen Zeitung über die Transporte von Baberske im Januar „eine Welle der Hilfsbereitschaft“ ausgelöst. Dank zahlreicher Geld- und Sachspenden konnte nun alles sortiert, verpackt und eingekauft werden – und es ist noch Material für die nächste Rutsche da. „Ursprünglich waren zwei Generatoren für den nächsten Transport in die Ukraine vorgesehen – durch die große Unterstützung können nun vier Generatoren auf den Weg gebracht werden“, informiert Rose. Dafür wurde der zweite Transporter benötigt. Baberskes Wagen soll in Kiew bleiben; zurück fahren die Männer gemeinsam. Neben den Generatoren werden diesmal vor allem Schlafsäcke und Decken, Winterjacken und haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Orthesen und Verbandsmaterial transportiert.
Andreas Baberske nimmt im Transporter die Hilfsgüter der Männer entgegen; er wird noch in der Nacht Richtung Osten aufbrechen.

Andreas Baberske nimmt im Transporter die Hilfsgüter der Männer entgegen; er wird noch in der Nacht Richtung Osten aufbrechen. Foto: Kempfer

Besuch aus Kiew

Am Donnerstag erhielt der Verein laut Christine Rose Besuch von Tatjana Krytiuk und Mila Orydjevwa, Mitglieder eines befreundeten Vereins aus Kiew, der sich dort um Menschen kümmert, die durch Angriffe obdachlos geworden sind. Die Helferinnen und Helfer des Vereins bauen Notunterkünfte auf, verteilen Kleidung, Lebensmittel und bieten Schutz sowie Wärme für die oft schwer traumatisierten Menschen. Auch sie stopften für ihren Rückweg in ihren Wagen, was noch passte:

Decken, Schlafsäcke, Medikamente, Infusionen und Verbandsmaterial waren gestern bereits auf dem Weg.

Motivation nutzt sich nicht ab

Am 24. Februar jährt sich der Einmarsch der Russen in die Ukraine zum 4. Mal. Bislang blieben alle Versuche, dem Wahnsinn des Krieges ein Ende zu bereiten, erfolglos. Dem Verein „Goslar hilft Menschen in und aus Krisengebieten“ geht die Arbeit nicht aus – aber auch nicht die Motivation, wie die „Packer“ in der Okerstraße versichern. Ein Team von rund zehn Ehrenamtlichen ist dort regelmäßig zur Stelle – und sie alle bleiben bei der Stange, solange es eben dauert. Wer die Bilder und Videos aus der Ukraine sieht – und die Schilderungen derjenigen hört, die dort waren, kann gar nicht anders. Für den 1. März werden die Männer zurück erwartet.

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