Glasfaserausbau: Zwei Langelsheimer Dörfer bekommen schnelles Netz
Wie geht es mit dem schnellen Netz weiter? Trotz Giga-Netz-Rückzieher geht es für zwei Dörfer im nördlichen Harzvorland beim Glasfaserausbau weiter. Foto: Gereke (Archiv)
Der Giga-Netz-Rückzieher bedeutete scheinbar das vorläufige Aus für Glasfaserpläne im Langelsheimer Stadtgebiet. Doch für zwei Orte gibt es jetzt trotzdem schnelles Netz.
Lutter/Nauen. Der Rückzug von Giga-Netz traf auch Langelsheim. Denn im Stadtgebiet sollten in insgesamt fünf Ortschaften das Glasfasernetz ausgebaut werden – neben der Kernstadt auch Astfeld, Wolfshagen, Lutter und Hahausen. Für zwei Dörfer gibt es jetzt aber in Sachen schnelles Netz plötzlich doch gute Nachrichten: Darunter ist eine Siedlung, die bei Giga-Netz nicht davon profitiert hätte.
Für so vieles gibt es die passenden Sprichwörter: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich plötzlich eine andere – oder unverhofft kommt oft. Das Unternehmen GlasfaserPlus kündigt den Ausbau der modernen Technik für Lutter und Nauen an. Den Vertrag über einen Hausanschluss schließen Kunden dort aber mit der Telekom ab. Beide Unternehmen bestätigten auf GZ-Nachfrage die Planungen. „Ja, wir bauen in Lutter und Nauen 1046 Haushalte mit Glasfaser aus. GlasfaserPlus ist bei diesem Projekt das ausbauende Unternehmen, die Telekom vermarktet ihre Anschlüsse und Produkte“, teilt Telekom-Pressesprecherin Stefanie Halle mit.
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Und es soll schon bald losgehen: „Die Vermarktung startet bereits Ende März“, so Stefanie Halle. Eine Quote, die erreicht werden muss, damit es zum Ausbau kommt, gibt es nicht. „Wer einen Glasfaseranschluss bucht, wird auch ausgebaut. Der Ausbauarbeiten beginnen voraussichtlich im 3. Quartal. Wir überprüfen stetig unsere Ausbaupläne, Kriterien wie Potenzial und Wirtschaftlichkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle“, erläutert Halle auf GZ-Nachfrage.
Das sind die Kriterien für den Ausbau
Lutter wäre auch bei Giga-Netz am Zug gewesen, Nauen profitiert jetzt neu. Aber wie kommt GlasfaserPlus genau auf diese beiden Orte – nicht aber auch auf Ostlutter, das ja im Flecken nur einen Steinwurf entfernt liegt.
„Wir planen unseren Ausbau nach einem einheitlichen Kriterienkatalog. Dazu gehören Faktoren wie die erwartete Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen, die vorhandene Telekommunikations-Infrastruktur und aktuelle Versorgungssituation, bauliche und geografische Rahmenbedingungen wie dem Tiefbauaufwand, die Möglichkeit, Ausbaumaßnahmen effizient zu bündeln und Synergien zu nutzen, sowie wirtschaftliche Aspekte wie Kosten pro Haushalt und die Refinanzierbarkeit“, erklärt GlasfaserPlus-Sprecher Frank Griesel auf GZ-Anfrage. Denn: Sein Unternehmen realisiert das Projekt als eigenwirtschaftlichen Ausbau – heißt: keine Fördergelder. „Auf Basis dieser Daten bewerten wir Gemeinden und Ortsteile in einem mehrstufigen Verfahren und legen dann ein Ausbauprogramm fest. Wo diese Kriterien erfüllt sind, können wir eigenwirtschaftlich ausbauen.“
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Das sei aber nicht überall der Fall. „Ein eigenwirtschaftlicher Ausbau setzt voraus, dass die erheblichen Investitionskosten langfristig gedeckt werden können. In manchen Gebieten ist das aufgrund der Siedlungsstruktur, der Topografie, der geringen Anschlussdichte oder besonders aufwendiger Bauverhältnisse nicht der Fall. Dort ist ein privatwirtschaftlich finanzierter Ausbau entweder gar nicht oder nur sehr schwer darstellbar“, so Griesel. Das bedeute aber nicht, dass diese Gebiete dauerhaft ohne Glasfaser bleiben müssten. „In vielen Regionen ist ein geförderter Ausbau – etwa über Bundes- oder Landesprogramme – der realistische Weg, um Glasfaser in die Fläche zu bringen.“
Ostlutter sei aktuell nicht im Ausbauplan von GlasfaserPlus vorgesehen. „Aber auch dort, wo wir derzeit keinen eigenwirtschaftlichen Ausbau vorsehen, beobachten wir die Entwicklung kontinuierlich. Steigt etwa die Nachfrage deutlich oder verändern sich Rahmenbedingungen durch kommunale Initiativen oder Förderprogramme, kann eine Neubewertung erfolgen“, erklärt der GlasfaserPlus-Sprecher.
Was die Kosten des Ausbaus in Lutter und Nauen angeht, hält er sich bedeckt. „Konkrete Baukosten hängen von vielen Faktoren ab wie etwa der Topografie, der Bebauungsdichte, der Bodenbeschaffenheit, die notwendigen Umleitungen anderer Leitungen, der Verlegungstiefe oder der Anzahl der Sonderquerungen bei Gewässern oder Bahntrassen.“ Er verweist aber auf eine alte Aussage der Telekom, wonach das Verlegen eines Kilometers Glasfaser bis zu 70.000 Euro kostet. Die Investitionssumme für Lutter und Nauen dürfte also irgendwo im sechsstelligen Bereich liegen.
Energieeffizienter als das Kupfernetz
Unterdessen rührt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle schon mal die Werbetrommel für Glasfaser und zählt die Vorteile auf: Höhere Geschwindigkeiten als Kupfer – ideal für große Datenmengen, der Fernsehempfang sei in höchster Qualität möglich, Glasfaser ermögliche maximale Stabilität für paralleles Arbeiten, Lernen, Streaming und Gaming und sei weniger störanfällig beispielsweise gegenüber Feuchtigkeit, was wiederum wichtig für Hausnotrufsysteme sei. Zudem sei Glasfaser klimafreundlicher, da energieeffizienter als das Kupfernetz, und es würde eine Wertsteigerung für Immobilien bedeuten, so Stefanie Halle, die Glasfaser als zukunftssicherste Technologie für die kommenden Jahrzehnte bewirbt.
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Aber: Ein Glasfaseranschluss kommt nicht von allein ins Haus oder in die Wohnung. „Den Hausanschluss bekommen Kunden kostenfrei, wenn sie einen Tarif buchen. Wer zögert, muss später mit neuen Baustellen und Anschlussgebühren rechnen“, sagt Merlin Becker, Regionalmanager der Telekom.
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