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Bestattet in fremder Erde

GZ Plus IconUpener Ortsrat spricht sich für Gedenktafel aus

Ortsbürgermeister Christian Meyer erzählt die Geschichte zur Gedenktafel.

Ortsbürgermeister Christian Meyer erzählt die Geschichte zur Gedenktafel. Foto: Leifeld

Die klassischen Sammlung zu Gunsten der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ist im kleinen Upen kaum noch durchführbar. Statt dessen wollen die Bürger die zwei Kriegsgefangenengräber vor Ort schön und erinnerungsreich gestalteten

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Von Andrea Leifeld
Dienstag, 17.09.2024, 19:45 Uhr

Upen. Iwan Wlasow und Mukter Kisow liegen in fremder Erde begraben – und mit ihnen sollen die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) und die, durch ihn verursachten, menschlichen Schicksale unvergessen bleiben. Nun erinnert eine neu aufgestellte Gedenktafel auf dem Upener Friedhof an ihre Geschichte.

40 Kriegsgefangene in Upen

In der Ortschaft Upen waren einst etwa 40 Kriegsgefangene untergebracht, die hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Sie waren in einer Scheune Im Beeke untergebracht und durften – laut privater Aufzeichnungen – eine Fläche am heutigen Sportplatz als Garten nutzen.

Viele Jahre war über die zwei, in Upen, vermutlich durch Auszehrung und Krankheit verstorbenen Kriegsgefangenen nichts bekannt, denn die Unterlagen befinden sich größtenteils in russischen Archiven.

Und doch stehen sie seit einigen Tagen auf einer neuen Informationstafel auf dem Upener Friedhof im Mittelpunkt der Zeitgeschichte: Beim Stöbern in den alten, aber mittlerweile öffentlich zugänglichen Archiven wurde Ortsheimatpfleger Werner Ehlers fündig, Licht in die Lebensgeschichte der Toten zu bringen.

Die Geschichte der Kriegsgefangenen ist anhand der „Personalkarte“ dokumentiert.

Die Geschichte der Kriegsgefangenen ist anhand der „Personalkarte“ dokumentiert. Foto: Leifeld

Die ihm zugänglichen Informationen stammten von jenen „Personalkarten“, die im Zuge der Kriegsgefangenlager für jeden Gefangenen angelegt wurde. Sie enthalten Angaben zur Person und dokumentieren mögliche Verlegungen in andere Lager und Arbeitskommandos. Bei der Recherche stand ihm die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten hilfreich zur Seite.

„Personalkarte“ für Kriegsgefangene

„Es waren nicht mehr allen Upener die Grabstelle bekannt. Vor allen den Jüngeren“, erklärte Ortsbürgermeister Christian Meyer zu den Hintergründen. Linkshändig des Friedhofeingangs gelegen, dicht am Zaun, blieben sie vom Bodendeckern überwuchert zumeist unbeachtet und ohne Grabstein ohnehin unerkannt.

Manchen Friedhofnutzer stiegen gar ahnungslos über die Gräber hinweg, auf dem Weg zum Komposthaufen.

Doch kam eins zum anderen: „Der Ortsrat hat sich entschieden, nicht mehr für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu sammeln und stattdessen etwas für die Kriegsgefangenengräber im eigenen Ort zu tun“, berichtete Meyer. Die Sammlung gestaltete sich ohnehin seit einigen Jahren immer schwieriger: Ein ursprünglich angewandtes Rotationsprinzip unter den örtlichen Vereinen war aus verschiedenen Gründen kaum noch möglich. Auch dass das gesammelte Geld ausschließlich für die Gräbergestaltung im Ausland verwendet wird, traf nicht mehr mit der Meinung der Ortsratsmitglieder überein.

Auf kurzem Wege wurde der Upener Förderverein „Hand in Hand“ mit eingebunden. „Wir wollen mit den dort eingehenden Spenden die Grabstelle pflegen und auch durch das Aufstellen eines Steins als Grab sichtbar machen.“

Pflege durch Ortsrat

Die Grabpflege soll durch die Upener Ortsratsmitglieder direkt gestemmt werden. Nach wie vor werden die Gräber aber pflegeleicht gestaltet werden.

Neu aufgestellt zeigt sich dieser Tage bereits die Gedenktafel, mit Informationen zu jenen zwei Zwangsarbeitern. Das Aufstellen finanzierte der Förderverein, die Tafel selber die Gemeinde Liebenburg, die für Kriegsgräber und Gedenkstätten zuständig ist.

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