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EU-Projekt in Döhren

GZ Plus Icon20 Geburtshelferkröten auf Fortuna ausgewildert

Nicht nur ihr Pfeifton ist besonders. Bei den Geburtshelferkröten betreiben die Männchen die Brutpflege.

Nicht nur ihr Pfeifton ist besonders. Bei den Geburtshelferkröten betreiben die Männchen die Brutpflege. Foto: Scheel / Life Bovar

Der Erhalt der stark gefährdeten Krötenart genießt im Landkreis Goslar eine besondere Bedeutung. Vor vielen Jahrzehnten war sie auf dem Fortuna-Gelände heimisch. Nun kehrt sie zurück.

Von Andrea Leifeld Sonntag, 30.06.2024, 12:00 Uhr

Döhren. Naturschutzgedanken führten am Montagnachmittag an einen noch unbekannten Ort, denn die neuangelegten Kleingewässer auf der „Fortuna Alm“ sind von den Wegen aus für Wanderer nicht einsehbar. Dort, wo das Gelände der ehemaligen Eisenerzgrube Fortuna durch eine umfassende Renaturierung und unermüdliches Schaffen ungezählter Naturfreunde zu einem wunderbaren Kleinod für Flora und Fauna gedieh, wurden 20 Jungtiere der bundesweit stark gefährdeten Geburtshelferkröten ausgewildert.

Erhalt der Tiere hat besondere Bedeutung im Landkreis

Der Erhalt der stark gefährdeten Tiere genießt im Landkreis Goslar eine besondere Bedeutung, weil dort die südwesteuropäische Krötenart ihre nördlichste Verbreitungsgrenze erreicht. „Vor vielen Jahren waren die Geburtshelferkröten hier auf dem Grubengelände und auch am Salzgitterschen Höhenzug heimisch“, erinnerte Life-Bovar-Projektmanagerin Dr. Mirjam Nadjafzadeh. Mit dem Ende des Bergbaus verschwanden dann viele der künstlich angelegten Gewässer und mit ihnen der Lebensraum dieser besonderen Krötenart.

Rainer Schlicht, Untere Naturschutzbehörde Landkreis Goslar, und Life Bovar-Projektmanagerin Dr. Mirjam Nadjafzadeh setzen die Tiere in den Teich.

Rainer Schlicht, Untere Naturschutzbehörde Landkreis Goslar, und Life Bovar-Projektmanagerin Dr. Mirjam Nadjafzadeh setzen die Tiere in den Teich. Foto: Leifeld

Das Projekt Life Bovar setzte sich gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar das Ziel, günstige Lebensraumbedingungen zu schaffen, um diese besonderen Tiere am südlichsten Ausläufer des Salzgittersche Höhenzugs wieder heimisch werden zu lassen.

Das Life-Projekt „Management der Gelbbauchunken und andere Amphibienarten dynamischer Lebensräume“ – kurz „Life Bovar“ ist ein 4,6 Millionen schweres Förderprojekt der Europäischen Union (EU), das durch das EU-Umweltprogramm „Schwerpunkt Natur und Biodiversität“, sowie durch die Niedersächsischen Landesforsten, dem Landkreis Goslar und weiteren Projektpartnern ermöglicht wird.

Vorkommen auch in der Barley und am Hirschbergteich

Das Projektgebiet am Salzgitterschen Höhenzug umfasst auch die Barley – eine ehemalige Erztagebaufläche bei Döhren – und den Hirschbergteich bei Heißum, die letzten vorkommenden Krötenpopulationen.

Bereits im Sommer 2023 wurden zusammen mit den Niedersächsischen Landesforsten und dem Liebenburger Revierförster Lucas Prescher einige Kröten in der Barley ausgesetzt, um die dort noch vorkommende Population zu stützen. Dort wurden damals bereits Geburtshelferkröten aus einer Life Bovar-Erhaltungszucht eingesetzt, ebenso wie auch am Montagnachmittag auf dem Fortuna-Gelände.

Zwei neue Kleingewässer wurden Anfang des Jahres extra für die Wiederansiedlung der Kröten angelegt. Dort finden sie einen optimalen Lebensraum.

Zwei neue Kleingewässer wurden Anfang des Jahres extra für die Wiederansiedlung der Kröten angelegt. Dort finden sie einen optimalen Lebensraum. Foto: Leifeld

Nun wurde seit Jahresbeginn auf Fortuna die Wiederansiedlung der Geburtshelferkröten durch die Neuanlage von zwei Kleingewässern mit Steinschüttungen und Legesteinmauern vorbereitet. Dort zeigte sich auch die Schäferei Kroll als Halter der wichtigen Weidetiere mit im Boot – und der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland als Eigentümer der Fortuna-Fläche.

Gute Überlebenschancen für Tiere aus menschlicher Obhut

„Der langfristige Erhalt der Geburtshelferkröten-Populationen im Salzgitterschen Höhenzug ist vom Überleben der Art an den einzelnen Standorten abhängig“, verdeutlichte Dr. Mirjam Nadjafzadeh weiter. Während am Hirschberg nur noch wenige Einzeltiere vorkommen, konnte der Bestand am Barley durch die aufwendigen Habitatsmaßnahmen gesichert werden. „Aber von einer eigenständigen Besiedlung der neuen Kleingewässer durch wandernde Tiere können wir aufgrund der geringen Bestandsgröße am Barley und Hirschbergteich nicht ausgehen“, so die Fachfrau. Doch sie ist guter Dinge:

Die Auswilderung von in menschlicher Obhut aufgezogenen Tieren erwies sich im Rahmen verschiedener Wiederansiedlungsprojekte und Bestandsstützungen bereits als erfolgreich. „Die einjährigen Kröten haben eine gute Überlebenschance und vermehren sich oft schon im Folgejahr“, berichtete die Biologin.

Und den Erfolg der Wiederansiedlung werden Wanderer hören können. Während die knapp fünf Zentimeter kleine Krötenart rein optisch kaum wahrgenommen wird, ist der Ruf dieser Tiere prima zu hören: Er erinnert an den Klang einer Glocke – und auch ein bisschen an ein U-Boot-Sonar.

20 dieser gut einjährigen Kröten wurden am Montagnachmittag ausgewildert. Sie stammen aus einer Life-Bovar Erhaltungszucht.

20 dieser gut einjährigen Kröten wurden am Montagnachmittag ausgewildert. Sie stammen aus einer Life-Bovar Erhaltungszucht. Foto: Leifeld

DIE GEBURTSHELFERKRÖTE

Geburtshelferkröten sind kleine, zierliche bis gedrungene Froschlurche. Erwachsene Männchen können 40 bis 50 Millimeter lang werden, Weibchen etwas größer. Die Farbe ist meist grau oder braun. Ihre Pupillen sind senkrecht gestellt und sehen bei hellem Licht schlitzförmig aus. Das Trommelfell ist meist gut erkennbar. Auf der Unterseite der Vorderfüße befinden sich je nach Art zwei oder drei Handballen. Ihre Rufe erinnern an helle Flöten-, Pfeif- oder Glockentöne. Das Verbreitungsgebiet umfasst das westliche und südwestliche Europa sowie einen sehr kleinen Teil Nordwestafrikas. Die Bezeichnung „Geburtshelferkröte“ könnte auf das Brutpflegeverhalten („Laichaustragen“) des Männchens zurückzuführen sein oder aber darauf, dass man früher fälschlicherweise glaubte, das Männchen würde beim Befruchten des Laichs die Laichschnüre mit seinen Hinterbeinen aktiv aus dem Leib des Weibchens herausziehen. Nach dem Klang der Rufe lautet ein weiterer Trivialname „Glockenfrosch“.

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