In Schladens Zuckerfabrik endet eine denkwürdige Rübenkampagne
Im Jahr 2024 herrschen für die Rübe gute Wachstumsbedingungen. Die Gielderin Karoline Vorlop präsentiert zwei Prachtexemplare. Foto: Privat
Von dieser Kampagne werden die Beteiligten wahrscheinlich noch in vielen Jahren sprechen – so denkwürdig war sie. In der Schladener Zuckerfabrik endet die Rübenverarbeitung – und in diesem Jahr ging es nicht nur um den Zuckerertrag.
Schladen. Eine denkwürdige Kampagne in der Schladener Zuckerfabrik endet: Was bleibt, das ist nicht nur die Erinnerung an den längsten Produktionsstillstand in der Geschichte des Schladener Nordzucker-Werks während der Zeit der Rübenverarbeitung. Denn trotzdem stehen am Ende Rekorde.
Irgendwann im Laufe des Freitags soll nach dem Schneiden der ersten Rübe Ende August nun die letzte Rübe an der Reihe sein. „Insgesamt hat dann die Zuckerfabrik rund 1,35 Millionen Tonnen Rüben zu Zucker verarbeitet“, berichtet Frithjof Pape, Leiter des Schladener Agri-Centers im Nordzucker-Werk. Und die Rübenmenge wäre noch größer geworden, wenn nicht gut fünf Wochen Verarbeitungszeit fehlen würden. Denn der Schaden am Extraktionsturm, zu dem es Anfang September kam, legte bis Mitte Oktober die Produktion lahm. In dieser Zeit verarbeiteten die Nachbarwerke die Feldfrüchte. „Dennoch ist diese Menge die drittgrößte, die je in Schladen verarbeitet worden ist“, merkt Jörg Vietmeier, Leiter des Schladener Nordzucker-Werks, an.
Während eines Großteils der Rübenkampagne herrschen in Schladen beste Wetterbedingungen. Foto: Gereke
Rekorde purzelten dafür in anderen Bereichen: „Wir hatten einen durchschnittlichen Hektarertrag von 91,5 Tonnen“, berichtet Pape. So hoch wie noch nie. Durchschnittswert heißt auch: Auf manchen Standorten waren Erträge im dreistelligen Tonnenbereich an der Tagesordnung. Viel Masse bedeutet allerdings einen geringeren Zuckergehalt. Schladens Durchschnitt beträgt 18 Prozent. „In dieser Kampagne liegen wir etwa einen Prozentpunkt darunter.“ Aber der entscheidende Wert ist ja der Zuckergehalt – und da machte es wiederum die Masse. „Wir erzeugten mehr als 15 Tonnen pro Hektar. Unser bisheriger Bestwert lag bei 14,6 Tonnen“, erläutert Pape. „Schladen hat damit konzernweit wieder einmal die süßesten Rüben gehabt“, ergänzt Vietmeier nicht ohne Stolz.
„Das Wetter hat uns in die Karten gespielt“
Möglich gemacht hat das auch, „dass uns das Wetter in die Karten gespielt hat. Wir hatten extremes Glück“, erklärt Pape. Das sorgt bis zum Schluss für eine gute Rübenqualität. Das Roden erfolgte weitgehend unter trockenen Bedingungen. Wenig Feuchtigkeit in den Rübenmieten trug dazu bei, dass sie nicht so schnell durchfrieren konnten. Auch gab es nachts nicht so strenge Nachtfröste wie vor einem Jahr. Das Wiederauftauen ließ damals die Rübenqualität sinken, sodass abrupt auch die Verarbeitung gestoppt werden musste, ohne dass alle Feldfrüchte verarbeitet werden konnte. Doch diesmal: vor allem „Temperaturen auf Kühlschrank-Niveau“, so Pape. Gut für die Rübe.
Angesichts der riesigen Menge, die aufgrund der guten Wachstumsbedingungen die Rübe 2024 zur „Feld-Königin“, so das Landvolk in einem Facebook-Post, werden ließen, war das Roden aller Rüben bis Ende November noch nicht abgeschlossen. Ein kleiner Teil verblieb noch im Boden – dort rückten die Roder erste Ende Januar/Anfang Februar an. Pape: „Angesichts der Wetterverhältnisse hat das zwar gut geklappt.“ Aber ein Dauerzustand soll das nicht werden, sondern es diente in dieser Kampagne dazu, die Lagerzeit der Rüben nicht zu lang werden zu lassen angesichts der erwarteten Rübenmasse.
Ohnehin wird sehr wahrscheinlich in der kommenden Kampagne weniger zu verarbeiten sein, denn die Anbaufläche wird 2025 schrumpfen. „Um etwa zehn Prozent“, erklärt Pape. „Wir wollen damit wieder in eine Kampagnelänge kommen, die für alle Beteiligten ein geringeres Risiko bedeutet“, sagt er. Die Nordzucker-Wunschlänge liegt nämlich bei 125 Tagen. Eine kürzere Kampagne bedeutet auch mehr Zeit für Wartung.

Zum Ende kommt doch noch ein Wintereinbruch: Eine der letzten Rübenmieten am Gielder Kreisel wird im Schnee verladen. Foto: Gereke
Wartung ist das Stichwort für den Extraktionsturm: Noch immer ist nur klar, was beim Schaden passierte, aber nicht, wie es dazu kommen konnte. Das sollen jetzt Untersuchungen zu Tage fördern. „Wir wissen noch immer nicht, was den ersten Dominostein zum Kippen brachte“, verbildlicht Vietmeier. „Nach der Reparatur lief der Turm mit Ausnahme einer kleinen Störung. Er stand ständig unter strenger Beobachtung. Wir werden sofort nach der Kampagne beginnen, ihn zu untersuchen. Der Inspektions- und Kontrollplan steht“, erzählt Vietmeier. Klar ist schon jetzt: Auch 2025 wird die Zuckerfabrik die Rübenverarbeitung mit diesem Extraktionsturm bestreiten müssen. Danach könnte dann eine Entscheidung zur weiteren Zukunft des Turms fallen.
Mehr personelle Ausfälle als zu Corona
Die Havarie am Extraktionsturm war aber nicht die einzige Klippe, die es zu umschiffen galt. Über die Weihnachtstage schwappte plötzlich eine Krankheitswelle über die Belegschaft. „Wir hatten auf einen Schlag deutlich mehr personelle Ausfälle, als zu Corona“, sagt Vietmeier. Aber weil keine Quarantäneregeln zu beachten waren, war die Ausfallzeit viel geringer. Trotzdem lief die Produktion ununterbrochen weiter. „Unsere Belegschaft steht sehr zum Standort Schladen. Die, die über Weihnachten freie Tage mit der Familie gehabt hätten, ereilten die Anrufe: Du wirst hier gebraucht – und keiner hat nein gesagt. Das war großartig“, ist Vietmeier stolz.
Pape möchte das mit einem Dank an alle rund um die Fabrik verbinden: An Anbauer, Logistiker und die, die immer ein Auge aufs Werk haben, die an dieser denkwürdigen Kampagne mitgewirkt haben. „Wenn man nur auf die Kampagne seit dem Neustart im Oktober blickt, dann war sie sehr, sehr gut.“ Aber es gibt ja auch den anderen Teil.
Auch 2025 wird übrigens Nordzucker wieder im Werk investiert. Es steht der Ausbau der Netzübergabestation an. Das ist der Verknüpfungspunkt zwischen Fabrik und öffentlicher Energieversorgung. „Um irgendwann CO -neutral Zucker produzieren zu können, werden wir mehr elektrische Energie benötigen“, begründet Vietmeier.