Vom verpatzten Vorstellungsgespräch zur lebenslagen Liebe
Reinhild und Dieter Schädlich haben am 31. März 1961 geheiratet. Foto: Schlimme
Reinhild und Dieter Schädlich haben sich am 30. März 1961 das Ja-Wort gegeben und feiern 65 Jahre später ihre Eiserne Hochzeit. Wie das Paar sich kennengelernt hat.
Goslar. Dieter Schädlich (87) kommt aus dem Vogtland, seine Frau Reinhild (83) aus Cuxhaven. Am 31. März 1961 gaben sie sich in Cuxhaven das Ja-Wort. Heute feiert das Ehepaar Schädlich die Eiserne Hochzeit nach 65 Jahren.
Dieter Schädlich wurde am 13. Dezember 1938 im Vogtland, in der früheren DDR, geboren. Nach der Schule hat er dort mit 15 Jahren eine Ausbildung bei der Sparkasse angefangen. Vier Jahre später, mit 19 Jahren, beschloss er mit dem Fahrrad in den Westen abzuhauen. „Ich fahre jedes Jahr 12.000 Kilometer Fahrrad, mittlerweile mit dem E-Bike“, erzählt er stolz. „Die größte Leidenschaft neben meiner Frau ist das Fahrradfahren“, sagt der 87-Jährige, seine Frau lacht.
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Er landet in der Stadt Hof. „Da bin ich direkt nach der Ankunft, in kurzer Hose und T-Shirt zum Vorstellungsgespräch in die Sparkasse gegangen“, erinnert sich Dieter Schädlich grinsend. Aufgrund seiner Kleidung habe er den Job nicht bekommen. Durch eine zufällige Begegnung am Abend in einer Kneipe bekam er aber für den nächsten Tag einen Job auf einer Baustelle. Er machte sich gut, wurde angestellt und reiste nun als Handwerker auf Montage durch Deutschland. „Ich erinnere mich noch genau, wie ich bei einem Job in Frankfurt am Main 1000 D-Mark verdient habe, das war für einen DDR-Jungen wie mich wirklich viel Geld“, erzählt Dieter Schädlich. Sein Job hat ihn schließlich bis an die Nordseeküste nach Cuxhaven getrieben – wo er seine spätere Frau Reinhild kennenlernte.
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Reinhild Schädlich wurde am 21. Januar 1943 in Cuxhaven geboren. Hier begann sie nach der Schule eine Ausbildung als Schuhverkäuferin. Während seiner Montage-Jobs hat Dieter Schädlich in Hotels, Wohnwagen oder zur Verfügung gestellten Zimmern gewohnt – so kam es, dass er während des Jobs in Cuxhaven im Jahr 1960 bei den Eltern von Reinhild wohnte. „So haben wir uns kennengelernt, wir haben oft nach der Arbeit Federball gespielt oder uns unterhalten“, erinnert sich Dieter Schädlich und blickt seiner Frau dabei tief in die Augen.
Hochzeit in Cuxhaven

Das Hochzeitsfoto von Dieter und Reinhild Schädlich hängt in Großformat über ihrer Couch. Foto: Schlimme
Anfangs hat Dieter Schädlich weiter in seinem Job auf Baustellen gearbeitet. „Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, ich muss zurück in meinen vernünftigen Job“, erzählt der 87-Jährige. 1962 bekam Dieter Schädlich einen Job bei der Sparkasse in Goslar. Anfangs wohnte er in einer kleinen Wohnung, während seine Frau mit dem Sohn bei ihren Eltern in Cuxhaven blieb. 1964 zog das Ehepaar in ihre erste gemeinsame Wohnung in Vienenburg. Als Dieter Schädlich davon erzählt, schlägt seine Frau die Hände vor den Kopf. „Ich habe mich da nicht wohlgefühlt“, erinnert sie sich. „Mein Mann war den ganzen Tag arbeiten und ich war mit den Kindern zu Hause und habe das Meer vermisst“, sagt Reinhild. Inzwischen hatte das Paar zwei gemeinsame Kinder, Sohn Andreas wurde 1963 geboren. „Da ich nachmittags zu Hause sein musste, habe ich hier auch keinen Job bekommen“, berichtet die 83-Jährige.
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1968 folgte dann der Umzug in das neu gebaute Haus in der Zelterstraße, erzählt Schädlich, der seit 57 Jahren treuer GZ-Leser ist.
Ein Jahr zuvor wurde der dritte Sohn der Familie, Stephan, geboren. Elf Jahre später kam dann noch Tochter Anke dazu.
40 Pflegekinder in 30 Jahren
Durch eine gemeinsame Freundin kam die Familie zu ihrem ersten Pflegekind. „Wir saßen beim Kaffee und sie bekam einen Anruf, ob sie einen kleinen Franzosen aufnehmen könnte. Sie schlug mich vor und so bekamen wir den Jungen“, erzählt Reinhild Schädlich. Wenig später wurden sie als offizielle Pflegeeltern beim Landkreis angemeldet und hatten in 30 Jahren über 40 Kinder in der Pflege. Eines davon war Björn, der 1989 im Alter von zehn Wochen zu der Familie kam. Zu ihm hat das Ehepaar Schädlich auch heute noch engen Kontakt. So schaut er beispielsweise regelmäßig mit Dieter Schädlich bei einem kühlen Bier Fußball auf der Couch.
„Wir haben die Kinder immer wie unsere eigenen behandelt, haben sie mit in den Urlaub genommen“, erzählt die 83-Jährige. Ein jährlicher Urlaub in Cuxhaven ist für das Ehepaar Pflicht: „Einmal im Jahr muss ich über den Deich gucken“, scherzt die vierfache Mutter. Mit den Kindern ist das Paar immer ins Südsee-Camp in der Lüneburger Heide gefahren. Auch an Reisen nach Brasilien oder Skandinavien erinnern sie sich gerne zurück.
Große Feier im Hotel
Um ihre Eiserne Hochzeit zu feiern, hat sich das Paar etwas Besonderes überlegt. Dieter Schädlich, der seit seinem 14. Lebensjahr Zither spielt, tritt regelmäßig in einem Hotel in Bad Lauterberg auf. „Dort haben wir zehn Zimmer gemietet und werden mit 30 Gästen feiern“, erzählt er und betont: „Das Wichtigste ist, dass die ganze Familie zusammen ist.“ Mittlerweile hat das Ehepaar sieben Enkel und vier Urenkel.

Zither-Spieler Dieter Schädlich hat seiner Frau zur Eisernen Hochzeit ein Lied geschrieben, das er bei der geplanen Feier spielen wird. Foto: Schlimme
Und weil Dieter Schädlich seine Gefühle am besten über die Musik ausdrücken kann, hat er für seine Frau ein Lied geschrieben, was er mit seiner Zither vortragen wird. „65 Jahre kann man nicht in vier Strophen fassen, aber ich habe es versucht“, sagt er.
Erlebnisse mit Pflegekindern, Begegnungen mit Freunden und Nachbarn, kuriose Momente wegen ihres Nachnamens oder verlorene Eheringe: Dieter und Reinhild Schädlich haben viel zu erzählen. „Ich müsste ein Buch schreiben“, sagt Dieter Schädlich grinsend.
Und was wünscht sich das Ehepaar für die Zukunft? „Noch einige glückliche Jahre – wir sind froh, dass wir uns noch haben“, sind sich beide einig.
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