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Hochzeit am 8. April 1961

GZ Plus Icon65 Jahre Ehe: „Ich wollte nie einen Kirchenmusiker heiraten“

Älteres Paar sitzt auf einem Sofa, der Mann hat seinen Arm um die Frau gelegt.

Ulrike und Klaus Dieter Kern feiern am 8. April ihre Eiserne Hochzeit. Foto: Schlimme

Ein Leben voller Liebe und Musik: Klaus Dieter und Ulrike Kern gaben sich am 8. April 1961 das Ja-Wort und feiern heute ihre Eiserne Hochzeit.

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Von Hanna Schlimme
Mittwoch, 08.04.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Klaus Dieter und Ulrike Kern verbindet die Liebe zur Musik und ein gemeinsames Leben voller Höhen und Tiefen. Als sie auf ihre Ehe zurückblicken und ihre Geschichte erzählen, fließt die ein oder andere Träne. Das Ehepaar, das ihr Leben der Kirchenmusik widmete, feiert am heutigen 8. April Eiserne Hochzeit.

Klaus Dieter Kern wurde am 14. Januar 1938 in Berlin geboren. Mit nur zehn Jahren hat er seine Eltern verloren und kam als Pflegekind zu seinem Religionslehrer. „Die musikalische Begabung war schon immer da, aber es hat an Geld für die Ausbildung gefehlt“, blickt er zurück. Lediglich eine Mundharmonika besaß der junge Musiker. 1956 meisterte er das Abitur an einem Berliner Gymnasium. Mit elf Jahren verbrachte er während einer „Waisenkinderverschickung“ eine Zeit bei einer schwedischen Gastfamilie, zu der er auch danach engen Kontakt pflegte. „Sie haben ermöglicht, dass ich an der Hochschule für Musik in Berlin studieren konnte“, erzählt er gerührt. Denn, ein Stipendium war erst ab dem zweiten Semester möglich. Ein Scheck der Familie in Höhe von 1000 D-Mark ermöglichte ihm den Start.

Ulrike Pfaffendorf wurde am 25. Oktober 1936 in Goslar geboren. Ihr Vater war lange Jahre Oberbürgermeister der Stadt und sie wuchs behütet mit drei Geschwistern auf. Das Abitur absolvierte sie 1957 am Christian-von-Dohm-Gymnasium. Nebenbei legten acht Jahre Klavier- und Orgelunterricht den Grundstein für ihre musikalische Karriere. Nach dem Abitur begann auch sie das Studium an der Hochschule für Musik.

„Er ist mir sofort aufgefallen“

Die 89-Jährige erinnert sich noch genau an den Moment, als sie ihren späteren Ehemann das erste Mal sah: „Zum Semesterbeginn gab es eine Begrüßungsveranstaltung. Ungefähr 20 Kirchenmusikstudenten liefen ein und sahen in ihrer Kleidung total doof aus, nur einer, der hatte so eine schicke Jacke und ist mir sofort aufgefallen.“ Zuerst dachte die junge Studentin, der Mann käme aus einer reichen Familie. „Dabei hatte er es immer so schwer und musste sich durchboxen“, erzählt sie. Sie schaut ihrem Mann in die Augen, eine Träne läuft über ihr Gesicht. Die besagte Jacke war ein Geschenk der schwedischen Gastfamilie. Das war aber noch nicht alles, was Ulrike Pfaffendorf an Klaus Dieter Kern faszinierte. „Er hat einfach wunderschön gesungen, so eine Stimme gab es auf der Welt nicht noch einmal.“ Um den reizenden Studenten kennenzulernen, hat sie ihre Unterrichtsstunden so gelegt, dass die beiden sich regelmäßig über den Weg gelaufen sind. „Er war außerdem der mitreißendste an der Orgel, obwohl er viel weniger Übung hatte als alle anderen Studenten“, erzählt sie sichtlich gerührt.

„Sie können ruhig Sie sagen“

Braut und Bräutigam in Hochzeitskleidung halten sich an den Händen, die Braut trägt einen Schleier und hält einen großen Blumenstrauß.

„Kurze Hochzeitskleider waren im Trend": Ulrike und Klaus Dieter Kern gaben sich am 8. April 1961 das Ja-Wort. Foto: Privat

Klaus Dieter Kern erinnert sich noch genau an die ersten Worte, die die beiden miteinander wechselten. „Mehrere Studenten gingen abends oft in eine Kneipe, da wurde sich dann auch geduzt. Eines Abends war ich auch da, habe sie aber nicht angesprochen. In der nächsten Vorlesung saß sie vor mir. Ich tippte ihr auf die Schulter und sagte: „Na Rike.“ Sie drehte sich um und erwiderte: „Sie können ruhig Sie zu mir sagen.“ Die beiden sehen sich an und lachen. Nach dem Examen im Jahr 1960 haben sie sich verlobt und ein Jahr später, am 8. April 1961, in der Frankenberger Kirche geheiratet. Nach dem Studium traten beide Kirchenmusikerstellen in Berlin an. Im Jahr 1964 ergab sich dann die Chance, dass gleichzeitig zwei Kantorenstellen in Goslar frei wurden. „Muss das sein?“, dachte sich Ulrike Kern zuerst, als ihr Vater anrief und die Stellen vorschlug. Fühlte sie sich doch in Berlin wohl und wollte nicht zurück in ihre Heimat. „Hier konnte man etwas bewegen“, erinnert sich ihr Ehemann, weshalb sie sich schließlich für den Umzug entschieden. „Dass ich einmal nach Goslar ziehen würde, hätte ich nicht gedacht“, sagt auch ihr Mann.

Klaus Dieter Kern wurde Propsteikantor an der Marktkirche, Ulrike Kern Kantorin an der Frankenberger Kirche. Zwei Kinder hatte das Paar mittlerweile. Sohn Thomas wurde 1962 geboren, Tochter Christiane 1964. Zwei weitere Kinder, Wolfgang (1967) und Stephan (1971), vervollständigten die Familie.

„Es hat irgendwie immer gereicht“

„Der Dienstanfang war abenteuerlich“, erzählt Klaus Dieter Kern mit einem Grinsen. Nur zwölf Sänger seien im Chor gewesen. „Wochenlang bin ich von Tür zu Tür gegangen, um Mitglieder zu gewinnen.“ Und der Aufwand hat sich gelohnt: Zum ersten Konzert bestand der Chor aus 60 Mitgliedern.

399 D-Mark verdiente Klaus Dieter Kern in seiner hauptamtlichen Stelle. „Ich wollte nie Kirchenmusik studieren, weil man da so wenig verdient, und ich wollte auch nie einen Kirchenmusiker heiraten, weil der dann auch so wenig verdient“, erinnert sich Ulrike Kern lachend. Doch es kam genauso. „Es hat immer irgendwie gereicht“, resümiert sie heute.

„Verdammt nochmal, jetzt mache ich Kinderchor“

Auch für Ulrike Kern war der Anfang im neuen Beruf nicht leicht. „Der Chor der Frankenberger Kirche war herzensgut, aber alt“, erzählt sie. Als sie darauf mehrfach angesprochen wurde, dachte sie sich:„Verdammt nochmal, jetzt mache ich einen Kinderchor.“ 1972 gegründet, umfasste dieser zu Spitzenzeiten über 70 Kinder. Später entwickelte sich daraus dann der Jugendchor. Gern blickt sie auf die vielen schönen Chorfahrten zurück. „Meist sind wir mit der Kirche gereist, aber auch privat mit den Kindern nach Dänemark, Österreich oder zu der schwedischen Gastfamilie“, erzählt Klaus Dieter Kern.

Seitdem sie 2001 und 2003 in den Ruhestand gegangen sind, musizieren beide noch weiter in der Neuwerkkirche.

Tränen in Athen

Ihren besonderen Tag feiern die Eheleute im Hotel Alte Münze – mit rund 30 Freunden und Verwandten. Zur Familie gehören mittlerweile noch neun Enkelkinder und ein Urenkel.

Eine besondere Erinnerung für Klaus Dieter Kern ist die Reise zur Goldenen Hochzeit nach Athen. „Seit der Schulzeit wollte ich immer dorthin, und als ich dann vor den berühmten Bauwerken stand, sind mir wirklich die Tränen gekommen“, erzählt er.

„Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt, aber auch kritisiert, um voneinander zu lernen“, erzählen die beiden stolz. „Wir sind dankbar, dass wir ein erfülltes Leben voller Musik hatten.“ Denn gerade diese habe dem Ehepaar in schweren Zeiten immer wieder Kraft gegeben, und tut es noch heute. Während Klaus Dieter Kern hofft, noch so lange wie möglich Musik machen zu können, wünscht sich seine Frau Ulrike, noch möglichst lange in der gemeinsamen Wohnung leben zu können, um den „wunderschönen Blick auf den Rammelsberg“ zu genießen.

Und was ist die größere Liebe im Leben der beiden, die Musik oder der Partner? „Die Musik und meine Frau haben mich durchs Leben getragen, aber meine Frau wird immer als erstes mit Dank versehen.“

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