Molche sollen sich wohlfühlen und der Schlamm verschwinden
Landwirt Simon Becker und Maude Erasmy ziehen das erste Brett, damit das Wasser langsam abfließen kann. Foto: Heinemann
Zwischen Rhüden und Bilderlahe wird der Teich „Eichholzbeek“ bis Februar trockengelegt. Erhofft wird sich dadurch, dass sich die massive Schlammschicht abbaut. Doch was bedeutet die Maßnahme für die dort lebenden Amphibien.
Seesen / Rhüden. Um Lebensräume für Amphibien zu verbessern, wird der Teich „Eichholzbeek“ an der K58 zwischen Bilderlahe und Rhüden über den gesamten Winter trockengelegt. Die Heinz Sielmann Stiftung und die Stadt Seesen erhoffen sich davon unter anderem bessere Bedingungen für den Kammmolch, der im Frühjahr in der Nähe nachgewiesen worden ist. In dieser Woche wurden die ersten Bretter aus dem Ablaufbauwerk des Teiches gezogen, damit das Wasser langsam abfließen kann.
Der Kammolch hat sich in der Nähe des Teiches schon angesiedelt. Foto: Privat
Bis zum Februar wird in dem künstlich angelegten Teich kein Wasser sein. Von der Heinz Sielmann Stiftung erklärt Dr. Maude Erasmy, worauf sich die Winterung positiv auswirkt und was sie sich dadurch für den „Eichholzbeek“ erhofft.
Verlandung droht
„Die Trockenlegung ist notwendig, um den Eichholzbeek als Lebensraum unter anderem für Amphibien zu erhalten“, erklärt Dr. Maude Erasmy. „Künstlich angelegt Stillgewässer können ohne regelmäßige Pflege nicht dauerhaft existieren. Sie verschlammen durch den Eintrag von Sand, Erde und Pflanzenteilen und würden auf Dauer verlanden.“ Normalerweise würde dieser Prozess Jahre dauern. Doch durch beispielsweise Dünger, der in den Teich gelangt, wird dieser Prozess beschleunigt.
Diese Gefahr drohe auch beim Eichholzbeek, sagt Andreas Froböse, Leiter der Bauverwaltungsabteilung der Stadt Seesen: „Am Grund des Teichs befindet sich eine dicke Schlammschicht.“ Die dünne Wasserschicht oberhalb des Schlamms wärmt sich im Sommer stark auf. Zusammen mit dem hohen Nährstoffgehalt in dem Teich kommt es zu einem explosiven Algenwachstum – gleich zwei negative Effekte für andere Wasserlebewesen. „Um dem entgegenzuwirken, hilft es, das Gewässer über mehrere Monate trockenzulegen. Das sorgt dafür, dass sich der Schlamm an der Luft abbauen kann“, erklärt Froböse.
Eine Gefahr für zum Beispiel Amphibien bestünde durch die Maßnahme nicht. Zwar gibt es Tiere, die im Schlamm überwintern, aber da in dem Schlamm quasi kein Sauerstoff vorhanden ist, sei es unwahrscheinlich, dass sich darin Amphibien aufhalten, weiß Erasmy.

Wie die Amphibien über Reusen für die Erfassung eingefangen werden, erklärt Dr. Maude Erasmy. (l.) Andreas Froböse, Stadt Seesen. Foto: Heinemann
Eine Verbesserung der Amphibienbestände wird sich durch die Winterung definitiv erhofft. Bei einer Erfassung fand Maude Erasmy zwar verschiedene Froscharten, aber keine Molche. Weil in einem nahegelegenen Gewässer der gefährdete und besonders geschützte Kammmolch gefunden wurde, blicken die Verantwortlichen hoffnungsvoll in die Zukunft. Eventuell siedelt sich dieser auch im „Eichholzbeek“ an, wenn sich der Zustand verbessert.
Karpfen abgefischt
Erst im vergangenen Jahr habe die Sielmann Stiftung schon zu einer Verbesserung des Biotops beigetragen. Durch das Abfischen der Karpfen, die auch gerne mal im Schlamm wühlen, sind die großen Fische aus dem knapp drei Hektar großen Teich verschwunden. Eine Koexistenz von Fischen und Molchen sei kaum möglich, da Fische die Molcheier fressen. „Die Fische wurden übrigens nicht mit Absicht im Teich angesiedelt“, informiert Erasmy. „Ihr Laich kommt durch Vögel oder Überschwemmungen in das Wasser.“
Das Wasser wird nun über zwei Wochen kontrolliert und langsam abgelassen. Dabei wird genau überprüft, dass der Schlamm nicht mit in die Nette gespült wird. Um die Sedimentmasse in den Griff zu bekommen, wird die Maßnahme voraussichtlich alle paar Jahre wiederholt.