Kreistag Goslar: Detlef Vollheyde steigt bei der Bürgerliste aus
Biolandwirt aus Überzeugung: Der Weddinger Kreistagsabgeordnete Detlef Vollheyde sieht seine politische Zukunft bei den Goslarer Grünen. Foto: Heine (Archiv)
2026 ist Kommunalwahljahr in Niedersachsen – und startet in Goslar mit einem Knall. Detlef Vollheyde tritt bei der Bürgerliste aus und orientiert sich politisch um.
Goslar. Das Kommunalwahljahr beginnt mit einem Paukenschlag: Der Weddinger Kreistagsabgeordnete und ehemalige Landratskandidat Detlef Vollheyde ist am Silvestertag bei der Bürgerliste für Goslar und Vienenburg ausgetreten. Seine politische Zukunft sieht er offenkundig bei den Grünen, will aber die laufende Legislaturperiode bis Ende Oktober zusammen mit Heike Wodicka in einer Kreistagsgruppe zu Ende bringen, wenn auch unter einem neuen Namen.
„Ich gehe nicht im Groll oder im Unfrieden“, erklärt Vollheyde zu seinem Schritt, der aus freien Stücken erfolge. Er habe zusammen mit dem Goslarer Ratsherrn Henning Wehrmann in den vergangenen Jahren einiges erreicht und auch durchgestanden. „Ich konnte in den vielen gemeinsamen Jahren immer wieder von der großen kommunalpolitischen Erfahrung lernen und bedanke mich besonders für diesen Wissenstransfer“, schickt er an die Adresse des Goslarer Ratsveteranen. Von 2014 bis 2021 hatte er gemeinsam mit Wehrmann im Goslarer Rat gesessen. Seit 2011 ist Vollheyde durchgängig im Kreistag und war von 2011 bis 2014 auch im Vienenburger Rat vertreten.
Bürgerlisten-Spitzenduo: Im September 2021 teilen sich Henning Wehrmann (l.) und Detlef Vollheyde die Kandidaturen fürs Oberbürgermeister- und fürs Landratsamt auf – hier bei Wehrmanns Nominierung im Juli. Foto: Hartmann (Archiv)
Fürs Oberbürgermeisteramt und Landratsamt kandidiert
Vor fünf Jahren hatte sich das Duo die Kandidaturen für die Spitzenposten in Stadt und Landkreis aufgeteilt. Während Vollheyde bei der Landratswahl mit 9,61 Prozent hinter Dr. Alexander Saipa (SPD) mit 53,05 Prozent und Axel Bender (CDU) mit 22,68 Prozent auf Platz drei von fünf Kandidaten einlief, holte ein gesundheitlich angeschlagener Wehrmann bei der Oberbürgermeisterwahl 3,2 Prozent der Stimmen und landete auf Platz sechs von sieben Kandidaten hinter Urte Schwerdtner (SPD; 49,4 Prozent), Dr. Oliver Junk (CDU; 32,1 Prozent), Holger Fenker (Grüne; 5,7 Prozent), Stephan Kahl (FDP; 4,6 Prozent) und Michael Ohse (Linke; 3,4 Prozent).Über Dialysen, Leiden und Hoffnung
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Stimmenverluste zeigen Grenzen auf
Es sei aber gerade jene letzte Kommunalwahl gewesen, die mit Stimmenverlusten für die Bürgerliste die Grenzen aufgezeigt habe. 2021 hatte es eben nur noch zu je einem Mandat in Rat und Kreistag gereicht. „Ich glaube, diese Situation wird sich im September 2026 nicht verbessern – Henning und ich, wir würden uns die Stimmen gegenseitig wegnehmen und uns beiden eher schaden“, befürchtet der 66-jährige Biolandwirt.
Vollheyde kündigt an, sein direkt errungenes Kreistagsmandat zu behalten. Die Gruppe mit der Langelsheimerin Heike Wodicka von der WGL soll aufgelöst und eine neue Gruppe, wohl mit der Bezeichnung Vollheyde/WGL, gegründet werden. Zu den Plänen Vollheydes wollte sich Wehrmann am Montag noch nicht äußern, kündigte aber eine Erklärung des Vorstands an, wenn sich dieser in der Sache besprochen habe. Dort hatte die Goslarerin Klaudia Berndt den Weddinger Vollheyde an der Spitze im September abgelöst. Die Bürgerlisten-Führungsriege komplettieren Wehrmann als Kassierer und Gerd Haarnagel aus Lengde als Beisitzer. Schon damals hatte Vollheyde kein Parteiamt mehr übernehmen wollen.Goslarer Wählergemeinschaft
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Bei den Grünen auch überregional einbringen
Er scheint bereits klare Pläne verfolgt zu haben. „Mich zieht es nun zu den Grünen, die ich seit meinem Austritt aus der CDU 2011 überregional auch immer gewählt habe“, verrät Vollheyde. Bei den Christdemokraten, für die er 1981 erstmals in den Weddinger Ortsrat eingezogen war, habe er nach seiner Umstellung auf ökologischen Landbau und dem Einstehen für Umweltthemen oft als Exot gegolten. „Ich bin häufig gerade bei meinen Berufskollegen mit meiner Meinung angeeckt, damals wurde sogar darüber nachgedacht, mich nach der Betriebsumstellung aus der Partei zu werfen“, erklärt Vollheyde.
Er will durch die Mitgliedschaft bei den Grünen neben der Kommunalpolitik auch die übergeordneten Wege nutzen, seine Expertise im Bereich Umwelt- und Klimaschutz, im ökologischen Landbau und beim Erhalt der Biodiversität in die politische Arbeit einfließen zu lassen. Diese Möglichkeiten bestünden bei der Bürgerliste nicht. Bei den Grünen gebe es zumindest die Chance, mit Fragestellungen und Anmerkungen bis ins Agrarministerium auf Landesebene vorzudringen. „Besonders wichtig ist es mir ebenfalls, junge Menschen an diese so wichtigen Themen heranzuführen und sie noch ein Stück des Weges zu begleiten“, sagt Vollheyde. Gerade in der heutigen Zeit scheine ihm dies wichtiger denn je, wo die Europäische Union den so wichtigen Green Deal von 2019 aufzuweichen beginne. Und nicht zu vergessen: Zusammen mit der Goslarer Grünen-Ratsfrau Anke Berkes war Vollheyde federführend beim Bürgerentscheid gegen die finanzielle Beteiligung der Stadt an der Stadthalle im Pfalzquartier, der im April 2024 scheiterte – angesichts aktueller Entwicklungen fast schon Schnee von vorgestern.
Mathias Schlawitz Foto: Privat
Wahllisten werden im April oder Mai aufgestellt
Was sagen die Grünen zu seinen Ambitionen? Mathias Schlawitz, der sich mit Mareike Niebuhr den Vorsitz des Kreisverbandes teilt und die Fraktion im Kreistag führt, bestätigt, er sei mit Vollheyde im Gespräch – aber eben auch nicht mehr. Wer wo auf welchen Listen für die Kommunalwahl am 13. September lande, bestimme am Ende ohnehin nicht er oder der Vorstand, sondern die Mitglieder – und zwar voraussichtlich im April oder Mai. Er selbst strebt wie berichtet eine erneute Kandidatur fürs Landratsamt an. 2021 landete er übrigens mit 8,91 Prozent oder 424 Stimmen Rückstand auf Platz vier knapp hinter Vollheyde.
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