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Emotionen kochen hoch

GZ Plus IconSt. Andreasberg: Heftiger Streit um die geplante Dachmarke

Kein Sitzplatz ist bei der Infoveranstaltung der Stadt im Café-Bistro „Spritzenhaus" mehr frei, als es um die gemeinsame Dachmarke geht.

Kein Sitzplatz ist bei der Infoveranstaltung der Stadt im Café-Bistro „Spritzenhaus" mehr frei, als es um die gemeinsame Dachmarke geht. Foto: Eggers

Der Streit um die geplante Dachmarke für die drei Urlaubsorte Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß geht in die nächste Runde. Im Café-Bistro „Spritzenhaus“ sind die Emotionen hochgekocht, und das, obwohl das Ergebnis noch gar nicht feststeht.

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Von Michael Eggers
Mittwoch, 22.01.2025, 10:00 Uhr

Braunlage. Die geplante Dachmarke, mit der Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß gemeinsam überregional touristisch vermarktet werden sollen, lässt weiter die Emotionen hochkochen. Mit der Info-Veranstaltung im vollbesetzten Café-Bistro „Spritzenhaus“ in St. Andreasberg versuchte Bürgermeister Wolfgang Langer (Bürgerliste) am Montagabend, das Thema zu versachlichen, doch zeitweise war das Gegenteil der Fall. Es wurde immer wieder laut, es gab Buhrufe aber auch kräftigen Beifall.

Keinen leichten Stand hatte dabei der Ortssprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) für die Stadt Braunlage, Oliver Nehmert. Er versuchte zunächst zu erklären, wie wichtig für die Hotellerie und die Gastronomie in allen drei Ortsteilen die gemeinsame Dachmarke ist. Der Geschäftsführer des Hotel „Altes Forsthaus“ in Braunlage, ging dann aber auf die Geschichte der Fusion der neuen Stadt ein und meinte, Braunlage habe 2011 dem hoch verschuldeten St. Andreasberg geholfen. Er konnte dann allerdings nicht mehr weiterreden, denn Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner (CDU) warf dem Dehoga-Ortssprecher laut „Dummheit hoch vier“ vor und entzog ihm das Wort. Zudem gab es laute Unmutsbekundungen aus dem Publikum gegen Oliver Nehmert.

Schnell erfassen

Laut wurde es weiter, als der ehemalige Bürgermeister Hans Bahn (FDP) das Wort ergriff. Er erklärte, die in den Marketingbeirat als Vertreter der Bergstadt gewählten Mitglieder Jan Werkmeister und Andreas Epting seien „Zugezogene“ und würden deshalb nicht die Meinung der St. Andreasberger wiedergeben. Wenig später erklärt Bahn, auch „Zugezogener“ zu sein, nur lebe er bereits seit mehr als 50 Jahren in St. Andreasberg.

In den Diskussionsbeiträgen wurde immer wieder die Angst der St. Andreasberger deutlich, von den Braunlagern dominiert zu werden. Eine Frau erklärte, die St. Andreasberger fühlen sich eher zu Bad Lauterberg, als zu Braunlage hingezogen.

Bürgermeister Wolfgang Langer und zuvor Cathleen Hensel, die Geschäftsführerin der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellsschaft, gehen noch einmal darauf ein, wie es zu der gemeinsamen Dachmarke kam.

Bürgermeister Wolfgang Langer und zuvor Cathleen Hensel, die Geschäftsführerin der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellsschaft, gehen noch einmal darauf ein, wie es zu der gemeinsamen Dachmarke kam. Foto: Eggers

Neben Wolfgang Langer und Cathleen Hensel, der Geschäftsführerin der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellschaft (BTMG), hatte auch Jan Werkmeister von Marketingbeirat den Part übernommen, zu erklären, warum die gemeinsame Dachmarke überhaupt notwendig sei. Unter anderem im Tourismuskonzept der Stadt Braunlage werde dieses Marketinginstrument gefordert. Ein kurzer Slogan sei wichtig, damit die Leute, um die geworben werden soll, ihn schnell erfassen.

Mithilfe eines Fotos erklärte Jan Werkmeister die Werbung auf Hamburger Linienbussen. Die Braunlager Ortsteile mit ihren Slogans „Braunlage, das Herz im Harz“, „Bergdorf Hohegeiß“ und „Bergstadt St. Andreasberg“ könnten im Vorbeifahren von den Passanten gar nicht erkannt werden. Allerdings war auf dem Bus auch zu lesen, dass der Gast in nur dreieinhalb Stunden mit der Bahn von Hamburg nach Braunlage kommt. Die Ortsteile St. Andreasberg und Hohegeiß tauchten auf dem Foto nur klein am unteren Rand auf.

Jan Werkmeister vom Marketingbeirat erklärt den Besuchern der Info-Veranstaltung, wie wichtig eine gemeinsame Dachmarke für das Marketing ist.

Jan Werkmeister vom Marketingbeirat erklärt den Besuchern der Info-Veranstaltung, wie wichtig eine gemeinsame Dachmarke für das Marketing ist. Foto: Eggers

Eine weitere Schautafel zeigte, dass unter anderem die Mittelgebirgsorte Oberhof, Willingen oder Winterberg mit den Hauptorten für einen Aufenthalt in ihrer Stadt und den Ortsteilen werben. In Sylt und im Erzgebirge sind hingegen regionale Begriffe verwendet worden. „Das mit den regionalen Begriffen ist bei uns allerdings nicht so leicht“, erklärte Jan Werkmeister. Ortsbezeichnungen als Dachmarke wie Hochharz oder Harz hoch drei müssten erst einmal für viel Geld etabliert werden, damit der potenzielle Gast wisse, wo das Reiseziel liegt. Bei Ortsnamen wie Braunlage, St. Andrasberg oder Hohegeiß sei das natürlich einfacher.

76,5 Prozent aus Braunlage

Und um die Marke zu etablieren, hat der Rat im Marketingplan auf Empfehlung des Marketingbeirats 20.000 Euro bereitgestellt. 25.000 Euro sollen dafür verwendet werden, um die Dachmarke zu entwickeln. Noch sei übrigens kein Auftrag erteilt worden, betonte der Bürgermeister. „Wir sind noch am Anfang.“ Um diese Dachmarke entwickeln zu können, wird in diesem Jahr kein Sommernachtstraum veranstaltet. Für das Event im Braunlage Kurpark standen sonst 25.000 Euro bereit.

Ohne Dachmarke zu viele Informationen: Anhand dieses Busses erklärt Jan Werkmeister, wie wichtig eine kurze prägnante Werbung ist.

Ohne Dachmarke zu viele Informationen: Anhand dieses Busses erklärt Jan Werkmeister, wie wichtig eine kurze prägnante Werbung ist. Foto: Stadt Braunlage

Wolfgang Langer erklärte weiter, dass 76,5 Prozent der Einnahmen des Tourismus-Beitrags in Braunlage erzielt werden, 16,5 Prozent kommen aus Betrieben in St. Andreasberg und 7 Prozent aus Hohegeiß. Wie der Bürgermeister bereits in der Ratssitzung im Dezember betonte, sollen die unterschiedlichen Eigenheiten der drei Orte bei der gemeinsamen Dachmarke durchaus berücksichtigt werden. Und auch regional werde noch mit allen drei Orten einzeln geworben.

Karen Ruppelt von der Glücksburg Consulting Group (GLC) war lange für das touristische Marketing St. Andreasbergs zuständig. Sie überraschte mit der Aussage, dass bereits vor Jahren für einen Urlaub in der Bergstadt unter einer anderen Dachmarke geworben worden sei. „Wir haben auf den Urlaub in St. Andreasberg sowie in Clausthal-Zellerfeld, Altenau, Wildemann, Schulenberg und Buntenbock unter der Dachmarke ,Oberharz‘ aufmerksam gemacht“, berichtete sie. Überregional tauchte der Begriff „St. Andreasberg“ schon damals nicht mehr auf. Danach habe die Stadt Braunlage mit der Eingliederung St. Andreasbergs in die BTMG wieder mit dem Begriff „Bergstadt St. Andreasberg“ als einzelne Dachmarke geworben.

Gegen Ende der Veranstaltung gaben sich die St. Andreasberger dann versöhnlich. Unter anderem versprachen sie sich, auf Initiative vom Armin Asselmeyer, nicht mehr zwischen zugezogenen und gebürtigen St. Andreasbergern unterscheiden zu wollen. Es sei verletzend, als Zugezogener bezeichnet zu werden und sich nicht für die Bergstadt einzusetzen, hieß es. Und Ortsvorsteher Plosteiner betonte, dass es mit ihm keine Dachmarke gebe, in der nur der Name „Braunlage“ ohne St. Andreasberg genannt werde.

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