St. Andreasberg: Heftiger Streit um die geplante Dachmarke
Kein Sitzplatz ist bei der Infoveranstaltung der Stadt im Café-Bistro „Spritzenhaus" mehr frei, als es um die gemeinsame Dachmarke geht. Foto: Eggers
Der Streit um die geplante Dachmarke für die drei Urlaubsorte Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß geht in die nächste Runde. Im Café-Bistro „Spritzenhaus“ sind die Emotionen hochgekocht, und das, obwohl das Ergebnis noch gar nicht feststeht.
Braunlage. Die geplante Dachmarke, mit der Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß gemeinsam überregional touristisch vermarktet werden sollen, lässt weiter die Emotionen hochkochen. Mit der Info-Veranstaltung im vollbesetzten Café-Bistro „Spritzenhaus“ in St. Andreasberg versuchte Bürgermeister Wolfgang Langer (Bürgerliste) am Montagabend, das Thema zu versachlichen, doch zeitweise war das Gegenteil der Fall. Es wurde immer wieder laut, es gab Buhrufe aber auch kräftigen Beifall.
Keinen leichten Stand hatte dabei der Ortssprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) für die Stadt Braunlage, Oliver Nehmert. Er versuchte zunächst zu erklären, wie wichtig für die Hotellerie und die Gastronomie in allen drei Ortsteilen die gemeinsame Dachmarke ist. Der Geschäftsführer des Hotel „Altes Forsthaus“ in Braunlage, ging dann aber auf die Geschichte der Fusion der neuen Stadt ein und meinte, Braunlage habe 2011 dem hoch verschuldeten St. Andreasberg geholfen. Er konnte dann allerdings nicht mehr weiterreden, denn Ortsvorsteher Karl-Heinz Plosteiner (CDU) warf dem Dehoga-Ortssprecher laut „Dummheit hoch vier“ vor und entzog ihm das Wort. Zudem gab es laute Unmutsbekundungen aus dem Publikum gegen Oliver Nehmert.
Schnell erfassen
Laut wurde es weiter, als der ehemalige Bürgermeister Hans Bahn (FDP) das Wort ergriff. Er erklärte, die in den Marketingbeirat als Vertreter der Bergstadt gewählten Mitglieder Jan Werkmeister und Andreas Epting seien „Zugezogene“ und würden deshalb nicht die Meinung der St. Andreasberger wiedergeben. Wenig später erklärt Bahn, auch „Zugezogener“ zu sein, nur lebe er bereits seit mehr als 50 Jahren in St. Andreasberg.
In den Diskussionsbeiträgen wurde immer wieder die Angst der St. Andreasberger deutlich, von den Braunlagern dominiert zu werden. Eine Frau erklärte, die St. Andreasberger fühlen sich eher zu Bad Lauterberg, als zu Braunlage hingezogen.

Bürgermeister Wolfgang Langer und zuvor Cathleen Hensel, die Geschäftsführerin der Braunlage-Tourismus-Marketing-Gesellsschaft, gehen noch einmal darauf ein, wie es zu der gemeinsamen Dachmarke kam. Foto: Eggers
Mithilfe eines Fotos erklärte Jan Werkmeister die Werbung auf Hamburger Linienbussen. Die Braunlager Ortsteile mit ihren Slogans „Braunlage, das Herz im Harz“, „Bergdorf Hohegeiß“ und „Bergstadt St. Andreasberg“ könnten im Vorbeifahren von den Passanten gar nicht erkannt werden. Allerdings war auf dem Bus auch zu lesen, dass der Gast in nur dreieinhalb Stunden mit der Bahn von Hamburg nach Braunlage kommt. Die Ortsteile St. Andreasberg und Hohegeiß tauchten auf dem Foto nur klein am unteren Rand auf.

Jan Werkmeister vom Marketingbeirat erklärt den Besuchern der Info-Veranstaltung, wie wichtig eine gemeinsame Dachmarke für das Marketing ist. Foto: Eggers
76,5 Prozent aus Braunlage
Und um die Marke zu etablieren, hat der Rat im Marketingplan auf Empfehlung des Marketingbeirats 20.000 Euro bereitgestellt. 25.000 Euro sollen dafür verwendet werden, um die Dachmarke zu entwickeln. Noch sei übrigens kein Auftrag erteilt worden, betonte der Bürgermeister. „Wir sind noch am Anfang.“ Um diese Dachmarke entwickeln zu können, wird in diesem Jahr kein Sommernachtstraum veranstaltet. Für das Event im Braunlage Kurpark standen sonst 25.000 Euro bereit.

Ohne Dachmarke zu viele Informationen: Anhand dieses Busses erklärt Jan Werkmeister, wie wichtig eine kurze prägnante Werbung ist. Foto: Stadt Braunlage
Karen Ruppelt von der Glücksburg Consulting Group (GLC) war lange für das touristische Marketing St. Andreasbergs zuständig. Sie überraschte mit der Aussage, dass bereits vor Jahren für einen Urlaub in der Bergstadt unter einer anderen Dachmarke geworben worden sei. „Wir haben auf den Urlaub in St. Andreasberg sowie in Clausthal-Zellerfeld, Altenau, Wildemann, Schulenberg und Buntenbock unter der Dachmarke ,Oberharz‘ aufmerksam gemacht“, berichtete sie. Überregional tauchte der Begriff „St. Andreasberg“ schon damals nicht mehr auf. Danach habe die Stadt Braunlage mit der Eingliederung St. Andreasbergs in die BTMG wieder mit dem Begriff „Bergstadt St. Andreasberg“ als einzelne Dachmarke geworben.
Gegen Ende der Veranstaltung gaben sich die St. Andreasberger dann versöhnlich. Unter anderem versprachen sie sich, auf Initiative vom Armin Asselmeyer, nicht mehr zwischen zugezogenen und gebürtigen St. Andreasbergern unterscheiden zu wollen. Es sei verletzend, als Zugezogener bezeichnet zu werden und sich nicht für die Bergstadt einzusetzen, hieß es. Und Ortsvorsteher Plosteiner betonte, dass es mit ihm keine Dachmarke gebe, in der nur der Name „Braunlage“ ohne St. Andreasberg genannt werde.