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Der Star aus „Blaulichtreport“

GZ Plus IconChris Savaj pendelt zwischen TV-Ruhm und dem Alltag im Oberharz

Chris Savaj ist im Fernsehen als TV-Polizist Stephan Sindera bekannt. Ursprünglich kommt er aus dem Oberharz.

Chris Savaj ist im Fernsehen als TV-Polizist Stephan Sindera bekannt. Ursprünglich kommt er aus dem Oberharz. Foto: Privat

Wenn Chris Savaj nicht als Polizist beim „Blaulichtreport“ dreht, ist er im Harz. Bei Fans ist er beliebt, doch manchmal überschreiten sie mit ihren Geschenken Grenzen.

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Von Corinna Knoke
Dienstag, 27.01.2026, 19:45 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Wenn Chris Savaj durch den Oberharz spaziert, ist er nicht der TV-Polizist aus dem „Blaulichtreport“. Hier ist seine Heimat, und hier vergisst er oft, dass er für viele Menschen eine Berühmtheit ist. Und doch weiß er, dass er selbst in dieser Vertrautheit nicht ganz unbeobachtet ist. Denn er wird oft erkannt, und manchmal kann diese Fanliebe auch zu weit gehen.

Wenn Chris Savaj im Oberharz zu Besuch ist, geht er auch gern in Braunlage Ski fahren. 

Wenn Chris Savaj im Oberharz zu Besuch ist, geht er auch gern in Braunlage Skifahren. Foto: Privat

Bis Oktober 2022 stand Savaj für Sat.1 bei „Auf Streife“ vor der Kamera, inzwischen dreht er bereits die dritte Staffel von „Blaulichtreport – Die neuen Einsätze“ auf RTL. Wenn die Kameras laufen, schlüpft er wieder in die Rolle des Polizisten Stephan Sindera. In Drehpausen pendelt er zwischen seinem Wohnort Köln und dem Harz. Bis zu seinem 15. Lebensjahr wohnte er in Clausthal-Zellerfeld, bevor er ins Ruhrgebiet zog. So oft es geht, kehrt er heute in die Heimat zurück, wohnt dann bei seiner Mutter in Buntenbock, geht an den Teichen spazieren, fährt Ski in Braunlage oder trainiert Fußball in Osterode. Vielleicht, sagt er, ziehe es ihn wegen der Landschaft irgendwann ganz zurück.

Chris Savaj blickt auf ein wildes Leben zurück

Geboren als Christoph Jahns, gab er sich den Künstlernamen Chris Savaj. Das ist angelehnt an das französische „savage“, was „wild“ bedeutet. Das Wort passt erstaunlich gut zu seinem Lebenslauf. Nach seinem „verrissenen Abitur“ nahm er sich eine Auszeit in Spanien, war als Zeitsoldat tätig und verbrachte unter anderem mehrere Monate in Bosnien. Wieder zurück in Deutschland ging Savaj nach Kiel, um dort eine Ausbildung zum Wirtschaftsassistenten im Bereich Fremdsprachen und Touristik zu absolvieren. Und bevor er Fernsehpolizist wurde, war er es tatsächlich im echten Leben – so wie seine anderen „Blaulicht“-Kollegen.

Stephan Sindera und Paul Richter standen schon bei Sat.1 als Duo vor der Kamera und drehen jetzt zusammen für RTL. Mittlerweile sind sie gute Freunde geworden, da gehören Albereien in der Maske dazu. 

Stephan Sindera und Paul Richter standen schon bei Sat.1 als Duo vor der Kamera und drehen jetzt zusammen für RTL. Mittlerweile sind sie gute Freunde geworden, da gehören Albereien in der Maske dazu. Foto: Privat

Savaj, der vor allem für seine gut gezupften Augenbrauen bekannt ist, schloss sein Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst ab und arbeitete im Streifendienst. Doch schnell merkte er, dass ihn dieser Beruf nicht erfüllte. „Alles im Leben hat seine Zeit“, sagt er heute. Er habe sich vorgenommen, nicht jahrelang in einem Job zu bleiben, der sich nicht richtig anfühlt. Außerdem hatte er den starken Drang, unabhängig und selbstständig zu arbeiten. Eine Schauspielausbildung hat er nie gemacht, vor der Kamera spielt er im Grunde sich selbst. Die ermittelnden Polizisten bekommen kein Drehbuch und müssen an den Drehorten so wie in ihrem Berufsalltag handeln. Darin sieht Savaj das Erfolgsrezept der Serie.

Serie im Fernsehen behandelt echte Polizeifälle

Dass „Blaulichtreport“ als sogenannte Scripted Reality polarisiert, weiß er. Dabei handelt es sich um ein Genre, in dem die Dokumentation realer Ereignisse vorgetäuscht wird. Kritiker werfen den Formaten vor, Fälle zuzuspitzen und Situationen unrealistisch darzustellen. Savaj widerspricht: Als früherer Polizist wisse er, dass die Realität oft noch krasser sei. Die Serie wolle zudem keine Abgründe zeigen, sondern bewusst niedrigschwellig bleiben. Jede Folge ende mit einem Happy End und dem Gefühl, dass es Gerechtigkeit geben kann.

Daumen hoch für die GZ: Chris Savaj liest auch gern in Köln seine alte Heimatzeitung.

Daumen hoch für die GZ: Chris Savaj liest auch gern in Köln seine alte Heimatzeitung. Foto: Privat

Über die Jahre hat sich eine treue Fangemeinschaft entwickelt. Menschen schreiben ihm Briefe, malen Porträts, geben Geld aus, um ihm eine Freude zu machen. Savaj wirkt davon ehrlich überwältigt und dankbar. Gleichzeitig erlebt er die Schattenseite dieser Aufmerksamkeit. Fans reisen ihm nach, stehen plötzlich im selben Restaurant – ob in Berlin, Köln oder in Clausthal-Zellerfeld. Orte werden zu Treffpunkten, fast zu „Wallfahrtsstätten“, wie er selbst sagt.

Manchmal wird diese Nähe beängstigend: Zweimal, berichtet Savaj, seien ihm Geschenke mit eingebauten GPS-Trackern unterschoben worden – eine Tasche und ein Adventskalender. Den Kalender mit Süßigkeiten hatte er an ein Kind weitergegeben, weil er selbst so viel geschenkt bekommt. Als die Mutter den Tracker fand, war der Schreck groß. Und das sind nur die Fälle, die er bemerkt hat. Fremde Menschen klingelten zudem an seiner Haustür und schrieben ihm zeitgleich Nachrichten aufs Handy. Diese Momente bereiten dem TV-Polizisten Gänsehaut. Sie zeigen, wie schmal der Grat zwischen Bewunderung und Grenzüberschreitung sein kann.

Viele Fans stehen stundenlang vor dem Studio

Und doch bleibt für Savaj ein Widerspruch: Er fühlt sich nicht berühmt. Oft vergisst er im Alltag, dass ihn Millionen Menschen aus dem Fernsehen kennen. Er sieht sich nicht als Star, bis er plötzlich in der Kölner Innenstadt steht und sich eine Menschentraube um ihn bildet. Kürzlich hätten ihn etwa 60 Menschen gleichzeitig um Autogramme gebeten, erzählt er. Er ist offen und nimmt sich gern die Zeit. Er beobachtet, dass oft ein Fan den Anfang macht und viele folgen. Manche warten stundenlang vor dem Studio, um ein kleines Geschenk zu überreichen oder ein Foto zu bekommen. Häufig sind es Eltern mit Kindern oder alleinstehende Frauen, jung wie alt. Einige widmen ihm sogar eigene Fanseiten in den sozialen Medien.

Extreme Fanliebe: Chris Savaj erhält viel Post mit Zeichnungen und Geschenken von Fans.

Extreme Fanliebe: Chris Savaj erhält viel Post mit Zeichnungen und Geschenken von Fans. Foto: Privat

Zwischen den Drehs verschwimmen für Außenstehende nicht selten Rolle und Realität. Für die Dreharbeiten steht den Teams sogar ein abgeklebter Streifenwagen zur Verfügung, der für den oberflächlichen Blick der Passanten nicht gleich als Requisite zu erkennen ist. Gerade bei Außendrehs kommt es vor, dass Savaj und seine Kollegen für echte Polizisten gehalten werden und Menschen sie auffordern, in Notfällen einzugreifen. Um Missverständnisse zu vermeiden, tragen die Darsteller zwar abseits der Kamera Crew-Westen. Dennoch bleibt es für Savaj ein Balanceakt zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und seinem privaten Leben.

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