Wie Delegierte aus Goslar das Bundestreffen erlebt haben
Delegierte beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart (v.l.): Ralph Bogisch, Elena Brunke Rudloff und Mario Hoffmeister. Foto: Privat
Zufrieden, aber in Details auch mit unterschiedlichen Einschätzungen, kehren die drei Delegierten aus dem Landkreis Goslar vom CDU-Bundesparteitag in Stuttgart zurück.
Goslar. Erleichtert und motiviert, aber auch mit unterschiedlichen Eindrücken in Details, so kehren die Delegierten aus dem Landkreis Goslar vom CDU-Bundesparteitag in Stuttgart zurück. CDU-Kreisvorsitzender Ralph Bogisch war neben dem Goslarer CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Mario Hoffmeister und der Langelsheimer Stadtverbandsvorsitzenden Elena Brunke Rudloff dabei.
Er sei überrascht gewesen, dass der Bundeskanzler und CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz „ein Stück weit selbstkritisch unterwegs war“. Außerdem habe er nach der von ihm angestoßenen „Stadtbild“-Debatte „sehr sachlich“ argumentiert. Bogisch sagt, angesichts der Diskussionen innerhalb der schwarz-roten Berliner Koalition und der vielen „inhaltlichen Debatten“ habe er bei der Wiederwahl von Merz zum Parteichef befürchtet, dieser könne abgestraft werden. Denn vielen in der Partei gehe es mit den Reformen „nicht schnell genug“.
Positiv überrascht
Mit Blick auf das Wahlergebnis von Merz mit 91,2 Prozent sagt Bogisch: „Ich hatte mit etwas anderem gerechnet.“ Als das Ergebnis bekanntgegeben wurde, sei ein „Raunen durch den Saal gegangen“, offenbar hätten auch viele andere Christdemokraten mit einem schwächeren Ergebnis gerechnet. Bogisch spricht von einem „starken“ Resultat.
Parteitag in Stuttgart
CDU stärkt Merz den Rücken vor Wahlmarathon
Positiv vermerkt der Goslarer Kreisvorsitzende überdies, dass es am Samstag viel Zeit für inhaltliche Debatten gegeben habe. Dafür nennt Elena Brunke Rudloff, die dem Bundesvorstand der Frauen-Union angehört, ein Beispiel. So habe sich der Parteitag auf Initiative der Frauen-Union für ein bundesweites Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum ausgesprochen. Ziel ist, „das Tragen von Kleidungsstücken oder Verhüllungen, die das Gesicht vollständig oder weitgehend bedecken“, zu verbieten, heißt es in dem Beschluss, den die Delegierten in Stuttgart mit großer Mehrheit annahmen. Ein weiterer Beschluss, der auf die Frauen-Union zurückgeht, betrifft eine umfangreichere medizinische Begleitung bei Krebserkrankungen.
Mehr Diskussion erwünscht
Anders als Bogisch sagt Elena Brunke Rudloff, sie habe mit einem solchen Ergebnis für Merz gerechnet. „Das sendet das richtige Signal, dass wir hinter unserer Regierung stehen.“ Daneben lobt sie, wie Bogisch, die Debatten. „Die Anträge wurden gut diskutiert, das ist es, was eine Volkspartei auch ausmacht.“ Brunke Rudloff spricht von einer „guten Stimmung“ und „Rückenwind“ auch für ihre eigenen Ambitionen. Die Langelsheimerin tritt bei den Kommunalwahlen als Bürgermeister-Kandidatin an.
Der Goslarer Mario Hoffmeister hätte sich hingegen mehr Diskussionen gewünscht. Als Kompromiss mit Blick auf anstehende Landtagswahlen bezeichnet er, dass über einen umfangreichen Reformvorschlag der Jungen Union nicht diskutiert wurde. Stattdessen sei der Antrag an die Bundestagsfraktion verwiesen worden. „Da hätte ich mir mehr Butter bei die Fische gewünscht“, sagt Hoffmeister, der von einem „typischen Parteitag“ spricht. Die CDU sei eben ein Kanzlerwahlverein, bei dem die Mitglieder im Unterschied zu anderen Parteien stolz darauf seien. Sehr gefreut habe er sich über die „klare Ansage“ von Friedrich Merz, nicht mit „radikalen Parteien“ zusammenzuarbeiten. Damit habe er eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen. „Das ist ganz wichtig“, erklärt Hoffmeister.
Digitale Enttäuschung
Kreisvorsitzender Bogisch bedauert derweil, dass es nicht möglich war, die Abstimmungen digital über die Bühne zu bringen, so wie es selbst im Kreisverband Goslar schon gehandhabt wird. Das habe aber nicht am Konrad-Adenauer-Haus gelegen, sondern am Anbieter, der dies nicht hingekriegt habe.
Zwar „motiviere Berlin“ im Moment nicht, sagt Bogisch mit Blick auf die Bundesregierung, aber der Parteitag in Stuttgart habe „für ein Stück Begeisterung gesorgt“ und „Lust auf die Kommunalwahlen“ gemacht, bei denen die CDU im Landkreis Goslar in allen Kommunen mit einem Bürgermeister-Kandidaten antreten will. Den Parteitag hat Bogisch zudem genutzt, um Kontakte zu knüpfen. Während des anstehenden Wahlkampfs wird ein Regierungsmitglied die CDU im Landkreis Goslar bei einem Termin unterstützen, kündigt er an. Den Namen will er noch nicht verraten.
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