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Streit um Bundeswehrtermin im Harz

GZ Plus IconNationalpark wendet sich gegen Nachwuchscamp auf dem Brocken

Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet auf dem Brockengipfel.

Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet auf dem Brockengipfel. Foto: GZ-Archiv

Die Bundeswehr will im Mai zwei Wochen lang auf dem Brocken um Nachwuchs werben. Jetzt meldet die Nationalparkverwaltung Bedenken an, sie sieht seltene Arten bedroht.

Von Oliver Stade Dienstag, 27.01.2026, 10:00 Uhr

Harz. Die Nationalparkverwaltung in Wernigerode wendet sich gegen ein Karrierecamp, mit dem die Bundeswehr Mitte Mai etwa zwei Wochen lang auf dem Brocken um Nachwuchs werben will. Aus Naturschutzgründen müsse sie „dieses PR-Vorhaben ablehnen“, heißt es in einer Mitteilung.

Der Brocken liege mitten im Nationalpark, dieser trage als Großschutzgebiet eine besondere Verantwortung für den Schutz seltener Arten, die auf Störungen sehr empfindlich reagieren würden, erklärt die Nationalparkverwaltung.

Zwar habe sie „keine Handhabe, die Veranstaltung zu verhindern“, den vorgesehenen Landungen, Anflügen oder Überflügen mit Hubschraubern oder Flugzeugen könne die Verwaltung aber nicht zustimmen. Diese halte sie für „außerordentlich bedenklich“ und das Vorhaben insgesamt für „äußerst unsensibel“.

Seltene Ringdrossel

Die Nationalparkverwaltung erklärt, sie habe der Bundeswehr, die während des Karrierecamps außerdem Rad- und Kettenfahrzeuge präsentieren wolle, daher ihre „großen naturschutzfachlichen Bedenken“ vorgetragen und einen Veranstaltungsort außerhalb des Nationalparks vorgeschlagen, der ebenfalls an das Schiennetz der Harzer Schmalspurbahnen angeschlossen sei, um Besucher dorthin zu bringen.

Ein Vogel ist zu sehen.

Die Ringdrossel ist eine seltene Vogelart, nur sechs Brutpaare sind auf dem Brocken bekannt. Ein von der Bundeswehr geplantes Karrierecamp könnte die Vogelart in der Brutzeit stören. Foto: Kim Stey

Vor allem die seltene Ringdrossel, die auf dem Brocken brüte und mit sechs Brutpaaren vertreten sei, sowie die streng geschützten Nord- und Zweifarbfledermäuse würden durch das Karrierecamp gestört. Für die Ringdrossel sei der Brocken das einzige Brutgebiet im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern. Ihre Population habe in den vergangenen Jahren abgenommen. Vor allem während der Brutzeit könne sich der Vogel durch Hubschrauberflüge gestört fühlen. Angesichts der wenigen Brutpaare wäre bereits „der Abbruch eines Geleges ein gravierender Verlust“. Der Brocken, auf dem der Naturschutz „gesetzliche Priorität“ habe, sei zudem ein Hotspot für seltene Zugvögel, die auf der Durchreise einen Halt einlegen würden.

„Vor vollendete Tatsachen“

Die Nationalparkverwaltung verweist zudem darauf, dass die Brockenkuppe insgesamt „ein sehr empfindlicher Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten“ sei und nennt als weiteres Beispiel die bedrohte Brockenanemone. Um die Natur zu schützen, sollten „menschliche Aktivitäten hier möglichst zurückhaltend stattfinden“. Die Tage, in denen das Karrierecamp geplant sei, gehörten mit Christi Himmelfahrt und Pfingsten aber ohnehin schon zu den besucherstärksten Wochenenden des Jahres.

In die Pläne der Bundeswehr sei die Nationalparkverwaltung nicht eingebunden worden, sie wurde als zuständige Naturschutzbehörde vielmehr vor „vollendete Tatsachen gestellt“.

Der Landkreis Harz hatte das Karrierecamp Ende voriger Woche begrüßt. Der Brocken sei wegen seiner vielen Besucher optimal dafür. Die Bundeswehr hatte die Brockenkuppe am Donnerstag mit einem Flugzeug und einem Hubschrauber erkundet.

Bedenken sind bekannt

Landrat Thomas Balcerowski widerspricht der Darstellung, der Nationalpark sei vor „vollendete Tatsachen gestellt“ worden. Mitarbeiter der Verwaltung seien an Besprechungen und einer Begehung beteiligt gewesen und hätten ihre Bedenken geäußert. Er gehe davon aus, dass die Bundeswehr diese berücksichtige und die Veranstaltung unter Beachtung des Naturschutzes auf dem Gelände des Landkreises stattfinde. Die Bundeswehr gehöre in die Mitte der Gesellschaft, sagt der Landrat.

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