Zähl Pixel
"Weitere Verrummelung"

GZ Plus IconBaumhäuser im Kalten Tal? Umweltverbände schlagen Alarm

Baumwipfelpfad und Kletterpark aus der Vogelperspektive: Das Foto zeigt den Bereich des Kalten Tals, der touristisch noch weiter ausgebaut werden soll.

Baumwipfelpfad und Kletterpark aus der Vogelperspektive: Das Foto zeigt den Bereich des Kalten Tals, der touristisch noch weiter ausgebaut werden soll. Foto: Best Mountain Artists

Das touristische Angebot im Kalten Tal bei Bad Harzburg soll weiter ausgebaut werden. Dafür hat die Stadt schon im vergangenen Jahr eine entsprechende Flächenumwidmung beantragt. Mit großer Sorge betrachten das jedoch BUND und Nabu.

author
Von Christoph Exner
Freitag, 07.06.2024, 19:45 Uhr

Bad Harzburg. Die Stadt Bad Harzburg möchte ihr touristisches Angebot noch weiter ausbauen. Im Kalten Tal, im Bereich des Kletterparks und Baumwipfelpfads, sollen weitere Attraktionen geschaffen werden. Die betroffene Fläche ist für solche Zwecke allerdings bislang nicht vorgesehen und müsste entsprechend umgewidmet werden. Entsprechende Vorbereitungen hat die Stadt bereits getroffen. Protest dagegen melden jetzt die Umweltverbände BUND und Nabu an.

Das Kalte Tal liegt inmitten eines Landschaftsschutzgebietes. Laut Verordnung ist es in mehrere Zonen unterteilt. Zum einen ist da das sogenannte Hauptgebiet (H-Zone) – dort liegt auch der rund 6 Hektar große Bereich, um den es jetzt geht. Und dann sind da noch die Zone für Tourismus (T-Zone) und Natura 2000 (N-Zone).

Brücke und Baumhäuser

Bereits am 28. August 2023 hat die Stadt Bad Harzburg beim Landkreis die Umwidmung des Bereichs am Kletterpark von einer H- in eine T-Zone beantragt. Es solle die Möglichkeit zur Erneuerung des Kletterparks und dem Bau einer Brücke zwischen Baumwipfelpfad und Kletterpark geschaffen werden, heißt es in der Begründung. Geplant sei, den Kletterpark zum einen an die heutigen Anforderungen

anzupassen, was Sicherheit und Attraktivität angehe, zum anderen solle eine Verbindung zwischen den beiden touristischen Attraktionen ermöglicht werden.

Darüber hinaus beinhalten die Planungen im Kletterpark drei hängende Unterkünfte – an Masten fixierte Holzhäuser – mit je etwa 30 Quadratmetern Grundfläche für insgesamt bis zu 18 Personen. Weiterhin sollen sanitäre Anlagen, eine Lagerfläche sowie ein Aufenthaltsbereich entstehen. Und schließlich ist die Durchführung von 15 Veranstaltungen pro Jahr im Zusammenhang mit dem Baumwipfelpfad vorgesehen.

Die maximale Höhe der neuen Anlage soll 25 Meter betragen und damit unterhalb der Krone des Baumwipfelpfades liegen, die 30 Meter Höhe misst.

Kein Umweltbericht

In ihrem Antrag hat die Stadt eine Beschreibung und Bewertung des Istzustands von Natur und Landschaft sowie das Verhältnis der Planung zum Landschaftsschutzgebiet mitgeliefert. Diese Angaben seien für die naturschutzfachliche Beurteilung ausreichend, sodass auf die

Vorlage eines Umweltberichts verzichtet worden sei, schreibt der Landkreis in der Begründung.

Die Bewertung durch die Stadt Bad Harzburg komme zum Ergebnis, dass die geplante Umwidmung keine erheblichen negativen Auswirkungen auf den Gebietscharakter und den Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes haben werde. Die hängenden Unterkünfte sowie die weiteren geplanten Baumaßnahmen würden sich optisch in die vorhandene Bebauung einfügen und überstiegen auch höhentechnisch die vorhandene Bebauung nicht. Die vorgesehenen Veranstaltungstage ließen sich zudem mit dem besonderen Schutzzweck

der T-Zone vereinbaren. Und schließlich seien auch keine negativen Auswirkungen auf den umliegenden Wald zu erwarten.

"Weitere Verrummelung"

Ganz anders sehen das die Uweltverbände BUND und Nabu. Sie lehnen die Umwidmung und die dadurch folgende "weitere Verrumelung des Kalten Tals" ab, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung schreiben. Dr. Friedhart Knolle, Vorsitzender des BUND Westharz, habe sich seinerzeit mit dem damaligen NABU-Vorsitzenden auf Bitte der kommunalen Akteure Bad Harzburgs sehr dafür eingesetzt, einen Kompromiss für das Landschaftsschutzgebiet zu finden und damit den Baumwipfelpfad an dieser Stelle zu ermöglichen, heißt es. "Die uns damals gegebene Zusage, es werde keine weitere touristische Intensivierung geben und man sei dankbar für diesen Kompromiss, wurde nunmehr alle paar Jahre stufenweise gebrochen."

Die Planungen hätten mit nachhaltigem Tourismus nichts mehr zu tun, so BUND und Nabu. Sie würden den Talcharakter weiterhin zum Negativen verändern, zum einen zu einer erneut steigenden verkehrlichen Belastung führen. Zum anderen die örtliche Flora und Fauna gefährden, die an die durch das Landschaftsschutzgebiet zu erhaltenden Lebensräume gebunden ist, beispielsweise die "wertvolle" Feuersalamander-Population.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region