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Ökumenische Kantorei Clausthal

GZ Plus Icon„h-Moll-Messe“ erklingt erstmals in Clausthal-Zellerfeld

Die Ökumenische Kantorei in Clausthal-Zellerfeld begeistert mit „h-Moll-Messe“ von Johann Sebastian Bach.

Die Ökumenische Kantorei in Clausthal-Zellerfeld begeistert mit „h-Moll-Messe“ von Johann Sebastian Bach. Foto: Neuendorf

Erstmals in Clausthal-Zellerfeld hat die Ökumenische Kantorei Clausthal die „h-Moll-Messe“ von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Die Chorgemeinde erhielt für ihren Auftritt in der Clausthaler Marktkirche stehende Ovationen.

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Von Robin Raksch
Dienstag, 19.11.2024, 08:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Ein musikalisches Meisterwerk hat am Wochenende erstmals Einzug in die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld gefunden. Die Ökumenische Kantorei Clausthal und das Göttinger Barockorchester lieferten am vergangenen Samstag in der Clausthaler Marktkirche eine durchweg hochprofessionelle Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

Arno Janssen, seit nunmehr 25 Jahren Kantor der Gemeinde, hatte bereits vor der Veranstaltung gegenüber der GZ erläutert, bei der erstmaligen Aufführung handle es sich um ein „bedeutendes kulturelles Ereignis“ für die Stadt. Die Messe gilt aufgrund ihrer Komplexität als musikalische Herausforderung für jeden Chor. Zur Unterstützung hat Janssen daher Ute Schulze (Sopran), Nicole Pieper (Alt), Jörn Lindemann (Tenor) und Gotthold Schwarz (Bass) als Gastsolisten eingeladen – sowie Gastsänger aus Göttingen, Seesen und Hildesheim.

Als dann das erste „Kyrie eleison“ erklang, war es im Publikum schlagartig still und der harmonische fünfstimmige Chor nahm den Raum ein. Der erste Satz begann mit einem großen Aufschrei, der übersetzt bedeutet: „Herr, erbarme dich unser.“ Nach einem Orchesterzwischenspiel folgte dann wieder der Chorgesang des Kyrie. Auch die Ökumenische Kantorei fügte sich – obwohl es sich nicht um Profi-Musiker handelt –von Beginn an nahtlos in den Gesamtklang ein. Janssen hatte bereits in Vorbereitung auf die Aufführung erklärt, wie seine Sängerinnen und Sänger an dieser Herausforderung gewachsen waren und welche Strahlkraft der Auftritt hätte. So wurde das Gesamtensemble Bachs Komposition auch absolut gerecht.

Ein Auf und Ab

Entstanden ist die „h-Moll-Messe“ zwischen 1733 und 1739. Bach selbst hat das Werk jedoch zu seinen Lebzeiten nie aufführen lassen. Sie gilt als eines seiner bedeutendsten Werke und fordert Interpreten mit ihren achtzehn Chören sowie neun Arien heraus. Die fünf Hauptteile, genannt „Kyrie“, „Gloria“, „Credo“, „Sanctus“, und „Agnus Dei“ sind von sehr unterschiedlicher Länge und setzen sich mit Themen wie Glückseligkeit und Freude, aber auch etwa Einsamkeit und Verzweiflung auseinander. Das Vokalensemble brachte diese wechselnden Stimmungen deutlich zum Ausdruck: So war etwa das „Criste eleison“ im Duett mit Sopran eins und zwei im Gegensatz zum zuvor gespielten „Kyrie eleison“ fröhlicher und voller Zuversicht. Und die Stimmung schwankte auch im weiteren Verlauf des Stücks, von tiefer Verzweiflung im „Et incarnatus est“ hin zum himmlischen „Sanctus“ und weiter, bis schließlich das letzte „Dona nobis pacem“ – „Schenk uns Frieden“ – die h-Moll-Messe beendete.

Nach der letzten Note spendete das Publikum tosenden Applaus mit Jubelrufen und stehenden Ovationen. Kantor Janssen stimmte daraufhin direkt noch zu einem weiteren kurzen „Dona nobis pacem“ an.

Einführungen für Neulinge und Kinder

Ein Auftritt, der im Übrigen nicht nur Gehör bei erfahrenen Konzertgängern gefunden hat. Um auch Neulingen einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und den Aufbau der Messe in h-Moll zu ermöglichen, gab die Marktkirchengemeinde zuvor eine Einführungsveranstaltung mit Pastor Dr. Heiner Wajemann.

Und selbst Kinder hatten Kantor Janssens Vorstellung der h-Moll-Messe mitverfolgt: Eine ganze Gruppe von ihnen nahm direkt in der ersten Reihe Platz. Brigitta Braun aus der katholischen Gemeinde hatte sie im Pfarrheim mit Hintergrundwissen und Begleitzetteln zur Veranstaltung versorgt, um sie an die Messe heranzuführen. „Bachs Musik ist völlig frei von Ego. Und ich bin überzeugt davon, dass auch Kinder und Jugendliche das spüren können und seine Musik ihnen helfen kann, in eine Welt einzutauchen, von der wir Erwachsene heute meinen, sie sei nicht mehr zumutbar, die aber Sinn und Kraft spenden kann, wenn man sich darauf einlässt“, sagte sie gegenüber der GZ (Bericht folgt).

Kantor seit 25 Jahren

Die ökumenische Kantorei erlebt laut Janssen gerade einen ordentlichen Wachstumsschub, was nicht zuletzt auch an Bachs h-Moll-Messe liegt. Die Chorgemeinschaft besteht aktuell aus rund 50 aktiven Sängerinnen und Sängern und ist bereits seit 1999 unter dessen Leitung. Sie proben immer dienstags von 19.30 Uhr bis 21.45 Uhr im Gemeindehaus in der Schulstraße. Interessenten zum Mitsingen und -spielen sind dort sowie auch in den anderen Chören der Marktkirchengemeinde eingeladen. Neben der Kantorei gibt es unter anderem auch einen Spatzenchor für Kinder von drei bis fünf Jahren, einen Kinderchor für Kinder von fünf bis elf Jahren, einen Jugendchor ab elf Jahren sowie einen Posaunenchor und eine Blechbläser-AG am Robert-Koch-Gymnasium Clausthal.

Arno Janssen ist seit 25 Jahren Kantor der Marktkirche.

Arno Janssen ist seit 25 Jahren Kantor der Marktkirche. Foto: Archiv/Knoke

Unter anderem unterstützen Jörn Lindemann, Nicole Pieper und Ute Engelke die Kantorei bei ihrem Auftritt.

Unter anderem unterstützen Jörn Lindemann, Nicole Pieper und Ute Engelke die Kantorei bei ihrem Auftritt. Foto: Neuendorf

In der ersten Reihe verfolgt eine Gruppe von Kindern die Aufführung.

In der ersten Reihe verfolgt eine Gruppe von Kindern die Aufführung. Foto: Neuendorf

Teils fünf-, sechs- oder sogar achtstimmig singt der Chor während der zweistündigen Messe.

Teils fünf-, sechs- oder sogar achtstimmig singt der Chor während der zweistündigen Messe. Foto: Neuendorf

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