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Goslarer Ratswahl am 13. September

GZ Plus IconWundertüte AfD: Wie sich Dirk Straten und seine Partei rüsten

Person in blauem Hemd sitzt an einem Schreibtisch mit Computer, Drucker und mehreren Papieren, im Hintergrund bunte Gemälde an der Wand und ein Kalender.

Gesicht und Stimme der Partei in Goslar: Dirk Straten (AfD) führt die AfD-Fraktion im Rat schon seit deren Einzug im Jahr 2016. Foto: Heine

Seit dem AfD-Einzug in den Rat führt Dirk Straten die Fraktion. Viele Fragezeichen stehen hinter dem Personal für 2026 – auch weil zuletzt intern fleißig gezankt wurde.

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Von Frank Heine
Mittwoch, 14.01.2026, 12:00 Uhr

Goslar. Wo landet die AfD bei den Ratswahlen am 13. September? Ganz sicher im Rat. Aber mit welchem Ergebnis? Mit wie vielen Mandaten? Und wer steht auf der Liste der Alternative für Deutschland, wenn es um konkrete Köpfe für Goslar geht? Diese Fragen treiben nicht nur die anderen Goslarer Parteien um. Auch Dirk Straten weiß bis jetzt nicht, wohin genau die Reise geht.

Das mag seltsam klingen, ist der 65 Jahre alte Goslarer doch seit zehn Jahren Gesicht und Stimme der AfD in der Welterbestadt. Seit jeher ist der gelernte Industriekaufmann Fraktionschef im Rat, sitzt im Kreistag, hat beruflich 36 Jahre lang für die Axa gearbeitet und ist seit Juli als freier Versicherungsmakler unterwegs. Was den alleinigen Hintergrund hat, dass Verträge mit der Axa grundsätzlich bis zum Abschluss des 65. Lebensjahres laufen und nicht verlängert werden, versichert der Versicherungsmann. Und erklärt das vielleicht auch aus jenem Grund, weil hier politisch nichts hineinzugeheimnissen ist. Nach wie vor schreckten manche potenzielle Kandidaten davor zurück, sich öffentlich als AfD-Sympathisant oder gar Mitglied zu outen, weil sie berufliche Nachteile fürchten.

Zwischen Job und Politik

Für Straten kein Thema. Er ist bekannt, er holt die meisten Stimmen für die AfD. Fünf oder sechs Jahre möchte Straten im Job noch dranhängen – auch deshalb, weil seine Frau jünger ist und ein bisschen länger bis zur Rente hat. Politisch ist 2031 für ihn aber definitiv Schluss. „Dann bin ich 71, das reicht“, sagt er kategorisch. Aber das ist Zukunftsmusik. Noch einmal: Was passiert im September 2026? „Ich gehe von einem Ergebnis von elf bis zwölf Prozent aus“, sagt Straten. Er nennt diese Margen „eher tief gegriffen“.

Sicher nicht zu Unrecht, wenn man auf die Goslarer AfD-Ergebnisse zuletzt bei Europa- und Bundestagswahlen schaut. Im Juni 2024 holte die Alternative 16,3 Prozent im Landkreis und 15 Prozent in der Stadt Goslar. Bei den Bundestagswahlen im Februar 2025 waren es schon 21,3 Prozent im Landkreis und 19,9 Prozent in der Stadt. Straten, ein Tiefstapler? Nein. Der Goslarer weiß sehr wohl, dass es bei Kommunalwahlen eben auch auf die Köpfe ankommt. Im September vor fünf Jahren kam die AfD bei der Ratwahl auf schlappe 4,7 Prozent, und halbierte sich im Vergleich zu den 9,3 Prozent von 2016. „Wir haben alle Federn gelassen“, sagt Straten und meint den Effekt, dass die Oberbürgermeisterwahl mit dem harten Duell zwischen Urte Schwerdtner und Dr. Oliver Junk vieles überlagert und auf die Ergebnisse für den Rat abgefärbt hat. „Wir waren damals aber auch im Bund nicht so high in den Umfragen wie jetzt“, weiß er noch genau.

Offizielle Null-Kontakte

Im Rat hat sich dennoch nicht viel geändert. Zusammen mit der wortkargen Ramona Hohmann macht er Ratspolitik, zum Ende der Wahlperiode auch wieder ein wenig offensiver. Mit dem Duo arbeitet niemand zusammen und spricht auch nicht mit ihm – jedenfalls offiziell. Was deshalb spannend ist, sagt Straten, weil er viele gut kennt, noch aus gemeinsamen Schulzeiten in der Realschule Hoher Weg. Schwerdtner etwa sei in der Parallelklasse gewesen, sagt er. Zudem gibt es vereinzelt geschäftliche Verbindungen. Nun gut.

Was ist die besondere Situation der Goslarer AfD? Wenn der selbsteinschätzende Spruch vom „gärigen Haufen“, den der Vorsitzende Alexander Gauland 2017 nach dem Einzug seiner Partei in den Bundestag prägte, nicht schon viel zu oft bemüht worden wäre, er passte immer noch und wäre für Goslar fast noch untertrieben. Seit Herbst 2024 tobte ein Machtkampf mit Seesener und Goslarer Polen. Der Dachdecker Main Müller mit exzellenten Kontakten zum Landesvorsitzenden Ansgar Schledde vertrieb Straten aus dem Amt als Kreisvorsitzender. Es wurde gestritten, bis vors Parteigericht gezogen. Im September des Vorjahres eskalierte eine AfD-Veranstaltung in Seesen. Das Video ging bundesweit viral und fand noch im Ausland Beachtung. Die Geschichte ist bekannt. Seit Mitte Dezember herrscht ein Burgfrieden. „Wir haben uns die Hand gereicht“, versichert Straten. „Die Sache ist, wie sie ist, ich habe kein Interesse mehr, sie zu ändern“, schiebt er nach. Für diesen Freitag ist ein Gespräch mit Müller anberaumt, in dem es konkret um Wahlvorbereitungen gehen soll. „Er hat wohl zwei, drei Leute für Goslar, deren Namen ich noch nicht kenne“, verrät Straten.

Heiße Eisen und Luft nach oben

Er selbst hat demnach auch noch zwei heiße Eisen im Feuer, die er aktuell nicht nennen will. Als sicher bezeichnet er die Kandidatur von Neuling Peter Seibel aus Oker. Hohmann tritt wieder an. Oliver Hachmeister, der ein Kreistagsmandat hat, auch. Es muss aber zweifelsohne noch viel mehr kommen – allein quantitativ ist eine Menge Luft nach oben. 2021 umfasste die Mini-Liste nur sechs Namen. Zwei Männer sind inzwischen gestorben, eine Frau verzichtet. Was ist mit Handwerkern, denen die Bürokratie zusetzt? „Auf mich ist noch niemand zugegangen und hat gesagt: ‚Ich will‘“, beteuert Straten.

Wie ist der Kontakt zu Axel Bender? Der frühere Goslarer CDU-Chef hat in Rat und Kreistag die Fraktionen verlassen und muss sich vor dem Parteigericht verantworten – unter anderem deshalb, weil er AfD-Posts auf Facebook geteilt hat. „Ich glaube, er tendiert inhaltlich schon in unsere Richtung“, ist Straten überzeugt. Im Rat sitzt Bender jetzt direkt gegenüber, weshalb es auch mal eine Unterhaltung gebe. „Aber kein Gespräch darüber, ob er vielleicht für die AfD antreten will.“ Punkt.

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