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Letzter Akt im Trauerspiel

GZ Plus IconVilla Helene: Abriss der Brandruine an der B 498

Brandruine vor Romkerhall: Von der Teerpappe bis zur Fritteuse müssen die Trümmer vor der Entsorgung getrennt werden.

Brandruine vor Romkerhall: Von der Teerpappe bis zur Fritteuse müssen die Trümmer vor der Entsorgung getrennt werden. Foto: Jörg Kleine

Die Brandruine der „Villa Helene“ an der Bundesstraße 498 ist ein Schandfleck und nervt seit Oktober 2023 die Autofahrer, weil eine Fahrbahn kurz vor Romkerhall gesperrt ist. Doch auch der geplante Abriss ist mittlerweile zum Trauerspiel geworden.

Von Jörg Kleine Samstag, 26.07.2025, 12:00 Uhr

Goslar. Nach knapp zwei Jahren soll die Brandruine der „Villa Helene“ an der Bundesstraße 498 zwischen Oker und Altenau endlich abgerissen werden. Anfang August rücken die Bagger an, das war der jüngste der vielen Pläne. Doch offenbar ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten, signalisiert die Stadt Goslar.

„Die Firma erstellt zurzeit das individuelle Sicherheits- und Entsorgungskonzept, inklusive Laboranalysen. Die teilweise unbekannten Gefahrenstoffe müssen ordnungsgemäß entsorgt werden. Während des Abbruchs ist die Arbeitssicherheit zu gewährleisten“, heißt es auf GZ-Anfrage im Rathaus.

Start für den Abriss weiterhin offen

Die Trümmer der Villa Helene reichen bis auf die Bundesstraße. Deshalb ist die Fahrbahn entlang der Ruine unterhalb von Romkerhall gesperrt, und eine Ampel regelt den Verkehr. Für Abriss und Entsorgung des Brandschutts muss die Bundesstraße dann wohl vorübergehend voll gesperrt werden. Wann genau und wie lange, darüber „kann aktuell keine Aussage getroffen werden“, erklärt Elke Dreßler, Büroleiterin der Oberbürgermeisterin. Mit der beauftragten Abriss- und Entsorgungsfirma gebe es darüber keine festen Absprachen.

Ebenfalls unklar ist weiterhin, wann die Firma überhaupt loslegt. Schon im August 2024 erklärte die Stadt auf GZ-Anfrage, dass Abriss und Entsorgung „im laufenden Verfahren“ seien. Im Oktober 2024 hieß es, die Ausschreibung sei durch Zeitverzögerung abgelaufen, Abriss und Entsorgung müssten deshalb neu ausgeschrieben werden. Anfang Juni 2025 erklärte die Stadt, Ende Juni/Anfang Juli lege die Firma los, Mitte Juli sei der Abriss dann erledigt.

Brandschutt von der Teerpappe bis zur Fritteuse

Inzwischen ist auch dies längst Makulatur. Beim Abrissunternehmen hatte offenbar der zuständige Mitarbeiter gekündigt, hieß bei der Stadt. So lautet die aktuelle Einschätzung im Goslarer Rathaus: „Die Firma hat Anfang August zugesagt, das wird aber vermutlich nicht mehr einzuhalten sein.“ Denn die ganze Prozedur sei abhängig „von Laboruntersuchungen, Genehmigungen etc.“.

Aufwendig sind Abriss und Entsorgung der Ruine, weil Teile durch den Brand kontaminiert sind. Aber auch andere Teile des Gebäudes können nicht einfach auf einen Schlag als Bauschutt entsorgt werden. In den Trümmern liegen Teerpappe, Teppiche, Fliesen, Dachrinnen, Stahlträger, Styropor, Gardinen, Waschbecken, Fensterglas, verbranntes Holz, Mauersteine, Möbel, Nägel, Kunststoff bis hin zur Fritteuse und zur Satellitenschüssel.

120.000 Euro für Abriss und Entsorgung

Alles muss auseinanderdividiert werden, erklärt die Stadt: „Der Brandschutt wird nach unbelasteten und belasteten Abfällen sortiert. Besonders der belastete Abfall wird nach Art der Gefährdung klassifiziert. In Absprache mit dem Entsorger und der Abfallbehörde, dem Landkreis, wird der Entsorgungsweg für jede separierte Abfallart festgelegt.“

Keine Änderung gibt es bislang bei den zuletzt geschätzten Kosten: „Wir gehen derzeit von rund 120.000 Euro aus.“ Davon sind rund 85.000 Euro für den Abriss vorgesehen, rund 35.000 Euro für die Entsorgung. Wie teuer die Entsorgung tatsächlich wird, bleibt indes abzuwarten.

Somit deutet sich zwar das Finale im Trauerspiel um die Villa Helene an, wie es ausgeht, ist aber noch ungewiss. Dabei geht es nicht nur um die Kosten, sondern auch um den Zeitpunkt. Denn ein Abriss mit Vollsperrung ausgerechnet in der touristischen Hochsaison ist kein Vergnügen. Zumal oberhalb am Okerstausee weiterhin die Bramkebrücke gesperrt ist.

Allerdings nerven seit fast zwei Jahren auch die Baustellenampel und der hässliche Anblick der Trümmer direkt an der Bundesstraße 498. Das ist schon gar kein Aushängeschild für Urlaubsreisende.

Bitter für die Stadt und damit all ihre Steuerzahler ist, dass sie den Schaden in vollen Zügen selbst bezahlen müssen: Der oder die Brandstifter machten sich unerkannt davon. Der oder die Eigentümer des Gebäudes sind zwar namentlich bekannt, aber ihre Spur führt ins Ausland. Nach GZ-Informationen sitzen sie in Tschechien – und sind schwer zu belangen. Überdies war das Gebäude offenbar nicht brandversichert, denn das ist in Deutschland (leider) keine Pflicht.

Seit fast zwei Jahren ist die Bundesstraße an der zerstörten Villa Helene halbseitig gesperrt. Nach wiederholten Verschiebungen sollte der Abriss nunmehr Anfang August beginnen. Aber auch dieser Termin ist inzwischen wohl Makulatur.

Seit fast zwei Jahren ist die Bundesstraße an der zerstörten Villa Helene halbseitig gesperrt. Nach wiederholten Verschiebungen sollte der Abriss nunmehr Anfang August beginnen. Aber auch dieser Termin ist inzwischen wohl Makulatur. Foto: Jörg Kleine

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