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50 Jahre ist es her

GZ Plus IconAls Bad Harzburgs Schützen noch richtig Feste feierten

Der Festumzug zieht 1974 hinauf zur Galopprennbahn.

Der Festumzug zieht 1974 hinauf zur Galopprennbahn. Foto: Ahrens-Archiv

Ob es jemals wieder ein echtes Schützenfest in Bad Harzburg geben wird, steht in den Sternen. Für die GZ blickt ein alter Schützenrecke auf die Glanzzeiten zurück und erzählt, wie erfolgreich 1974 das erste gemeinsame Schützen- und Volksfest war.

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Von Holger Schlegel
Dienstag, 02.07.2024, 16:00 Uhr

Bad Harzburg. Vor 50 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Bad Harzburger Schützenvereine gegründet beziehungsweise das erste gemeinsame Schützenfest gefeiert – damals noch auf dem Rennbahngelände. Einer der Schützen der ersten Stunde war Albert Ahäuser, der dann von 1996 bis 2005 auch Sprecher der Arge war. Er erinnert sich in persönlichen Aufzeichnungen (die die GZ ein wenig gekürzt hat) an den Startschuss der gemeinsamen Bad Harzburger Schützenfeste, die es mittlerweile in dieser Form nicht mehr gibt. Das Bildmaterial dazu stammt auch dem Archiv von Herbert Ahrens.

Fünf eigene Schützenfeste

Albert Ahäuser ist seit Jahrzehnten dem Bad Harzburger Schützenwesen verbunden, unter anderem auch als langjähriger Vorsitzender der SG Schlewecke.

Albert Ahäuser ist seit Jahrzehnten dem Bad Harzburger Schützenwesen verbunden, unter anderem auch als langjähriger Vorsitzender der SG Schlewecke. Foto: Knof

Albert Ahäuser schreibt: Im Jahre 1973 bestanden im Stadtgebiet von Bad Harzburg fünf Schützengesellschaften mit 800 Mitgliedern, die ihre eigenen Schützenfeste abhielten. Die Schlewecker feierten auf der Wolfswiese. Bis dato mit recht gutem Erfolg, einem riesigen Festzelt und einem kleinen Festplatz am damaligen Spritzenhaus. Doch merkte man schon einen Rückgang bei der Beteiligung. Auch bei den Harzburger Schützen war dieses die große Sorge. Sie feierten im Saal ihres Schützenhauses mit Festzelt und -platz davor. Die Schausteller wurden hier immer weniger, da der Festplatz zu schräg war, was den Aufbau erschwerte.

Die Bündheimer hatten ein großes Festzelt auf ihrem Marktplatz mit recht ordentlichem Festplatz aber beidseitig der Breiten Straße. Das brachte angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens im Laufe der letzten Jahre Probleme. Aber auch hier war die sonst riesige Teilnahme am Fest stark geschrumpft. Göttingerode feierte im Cafe Goldberg und vor der Turnhalle ein recht nettes, aber doch sehr kleines Fest. Harlingerode hatte seinen Festplatz mit extra Zelt vor dem Freizeitzentrum. Doch auch hier ließ der Besuch nach. Man merkte allgemein, dass eine neue Idee her musste um das Schützenfest attraktiver zu machen, beziehungsweise zu erhalten.

Peter von Fellner und Hubert Heiduk

Das brachte Peter von Fellner, Schützenvogt der SG Bad Harzburg, auf den Plan, der mit Stadtdirektor Hubert Heiduk und dessen Stellvertreter Horst Voigt nach der Möglichkeit eines gemeinsamen Festes nachdachte.
Schütze Peter von Fellner.

Schütze Peter von Fellner. Foto: Ahrens-Archiv

Schon 1973 fanden die ersten Besprechungen mit dem Rennverein statt, und im August wurde die Arbeitsgemeinschaft „Gemeinsames Schützen- und Volksfest der fünf Bad Harzburger Schützengesellschaften“ als lose Vereinigung im Schützenhaus Bad Harzburg gegründet, mit dem Ziel, die kleinen bisherigen Dorf-Schützenfeste aufzugeben, zugunsten einer großen gemeinsamen Feier.

Man wählte den Vorstand mit Peter von Fellner als 1. und Kurt Petermann als 2. Vorsitzenden. Albert Ahäuser, wurde zum Schatzmeister, Max Damm zum Schriftführer, Fritz Bathauer zum Schießmeister und Bruno Reimann zum Platzwart gewählt. Das erste Fest sollte 1974 auf der Pferderennbahn „Am Weißen Stein“ starten. Am 20. Juni 1974 schloss die Stadt Bad Harzburg einen Nutzungsvertrag mit dem Vollblutgestüt und dem Harzburger Rennverein ab, für die Fläche am Sattelplatz der Pferderennbahn am Weißen Stein in Bündheim um dort vom 23. bis 27. August ein gemeinsames Schützen- Volks- und Salzfest abzuhalten. Der Monat August sollte es sein, weil da die Renntage vorbei waren, und das traditionelle Salzfestdatum eingehalten werden sollte.

26 Schausteller und große Fahrgeschäfte

Bei der Beschickung des Festplatzes mit Schaustellern half der Wolfenbüttler Günter Seehafer, der 26 Schaustellerbetriebe mit sieben Groß-Fahrgeschäften verpflichten konnte. Ein Riesen-Fetzelt für 1000 Personen mit Einzelbestuhlung wurde aufgestellt. Zeltstandort war die Wiese hintern dem Sattelplatz, und als Festwirt agierte Jörg Brüdern, der Sohn des Getränke-Großhändlers Heinrich Brüdern. Man legte großen Wert auf Qualität und so kam nur Königspils in Tulpengläsern zum Ausschank. Auch die Gastronomie unter der Leitung von Arno Heinemann, Inhaber des Hotels „Goldene Schüssel“ im Herbrink, zog mit und stellte kleine „Gourmet-Stände“ im Zelt auf.

26 Schausteller mit sieben großen Fahrgeschäften bilden den ersten Festplatz auf der Galopprennbahn.

26 Schausteller mit sieben großen Fahrgeschäften bilden den ersten Festplatz auf der Galopprennbahn. Foto: Ahrens-Archiv

Der damalige Bürgermeister Siegfried Hoffmann eröffnete nach einem großen Sternmarsch der Schützen das Fest mit dem Bieranstich im Zelt. Nach Einsetzen der Dämmerung wurden alle immerhin recht weit entfernten Berge rings um den Festplatz festlich illuminiert. Im Festzelt spielte die Blaskapelle „Die Katlenburger“.

Am Samstag zog der große Festzug durch die Straßen. Aufstellung war am Kurhaus, zu dem die Schützen mit Sonderbussen gefahren wurden. Der damalige Pächter des Kurhauses, Heinrich Oberhuber, spendierte für alle Teilnehmer Erbsensuppe und Freibier. Vor dem Rathaus wurden die amtierenden Majestäten der Gesellschaften abgeholt.

Der Festumzug macht Station am Rathaus, wo die amtierenden Majestäten der Schützengesellschaften abgeholt werden.

Der Festumzug macht Station am Rathaus, wo die amtierenden Majestäten der Schützengesellschaften abgeholt werden. Foto: Ahrens-Archiv

Auf der Rennbahn angekommen, drohte das Festzelt mit Gästen aus den Nähten zu platzen. Alle Kritiker, die den Festplatz als zu weit außerhalb kritisierten, wurden jetzt schon eines Besseren belehrt. Den Abend gestaltete die Kurverwaltung als Salzfest-Teil mit dem Harzklub Seesen und der Kurkapelle. Das Zelt war wieder brechend voll.

Der Sonntag begann mit dem üblichen Wecken durch Spielmannszüge teils auf Lkw, der Salzpredigt im Badepark und einem Platzkonzert in der Stadtmitte.

In der Stadtmitte gibt es ein großes Platzkonzert.

In der Stadtmitte gibt es ein großes Platzkonzert. Foto: Ahrens-Archiv

Mittags traf man sich zum gemeinsamen Frühstück im Festzelt mit viel Prominenz. Abends wurden die ersten Stadtmajestäten proklamiert. König: Peter Lebbe, Königin: Christa Gersten, Jugendkönig: Dieter Rättig.
Bürgermeister Siegfried Hoffmann (r.) gratuliert 1974 den ersten Stadtkönigen in der Bad Harzburger Geschichte, Peter Lebbe und Christa Gersten.

Bürgermeister Siegfried Hoffmann (r.) gratuliert 1974 den ersten Stadtkönigen in der Bad Harzburger Geschichte, Peter Lebbe und Christa Gersten. Foto: Ahrens-Archiv

Am Abend spielte die Tanzkapelle „Rik van Dynkel.

Am Montag wurden die fünf Harzburger Schützengesellschaften zum Empfang ins Rathaus gebeten, einem der Höhepunkte des Festes, bei einem guten Schluck Wein aus dem ehrwürdigen Kristall-Pokal der SG Bad Harzburg und schönen Trinksprüchen.

Fünf eigene Proklamationen

Als Überbleibsel der alten Traditionen zogen die fünf Gesellschaften anschließend in ihre eigenen Schützenhäuser zum Vereinsfrühstück und deren Königsproklamation. Im Festzelt spielten abends die Bückeburger Jäger. Sie erhielten viel Lob für ihre Vorträge, doch war die Beteiligung der Schützen zu gering, was natürlich hervorgerufen wurde durch die eigenen Veranstaltungen in ihren Schützenhäusern, die man meist bis in die Nacht ausdehnte. Man genoss diese Tradition des „Unter- sich-seins“ und hatte keine Meinung mehr, die Rennbahn aufzusuchen. Das Problem zog sich auch später durch alle gemeinsamen Schützenfeste, sehr zum Ärger von Kurt Petermann, der den Erfolg im Festzelt im Auge hatte.

Ein riesiges Feuerwerk

Der fünfte Tag, seinerzeit der Dienstag, gehörte den Kindern. Der Zuspruch war derart unerwartet groß, dass einige keine der gepackten Zuckertüten bekommen konnten und bitterlich weinten. Die sogenannten „Kinderväter“ glichen das schnell durch Freimarken in Karussells aus. Im Zelt wurden am Abend der Volks- und der Kurgastkönig proklamiert (Werner Schwarz und Wilhelm Pflug) und es spielte der Musikzug des MTV Wolfenbüttel. Zum Abschluss brannte der Feuerwerker Ludwig Merkel aus Bad Harzburg ein Höhenfeuerwerk am Weißen Stein ab, das eine Qualität und einen Umfang aufwies, wie es damals sehr selten zu sehen war. Es entstand ein nie gekanntes Verkehrschaos auf den umliegenden Straßen und Parkplätzen, so groß war der Zuspruch der Bevölkerung. Das ganze erste gemeinsame Schützenfest war ein voller Erfolg zu aller Zufriedenheit.

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