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Nachgedacht

GZ Plus IconFette Beute für die Panzerknacker

Das Foto zeigt ein Chaos an Schließfachboxen und Gegenständen im Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen nach einem spektakulären Einbruch.

Geöffnete Schließfächer, leere Boxen und Unterlagen liegen im Tresorraum der Sparkasse. Bei dem spektakulären Einbruch kurz nach Weihnachten haben die Täter fette Beute gemacht. Foto: Polizei Gelsenkirchen/dpa

Der Einbruch in den Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen wirft Fragen auf – nicht nur nach den Tätern, sondern auch, was in manchem Schließfach schlummert.

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Von Jörg Kleine
Samstag, 28.02.2026, 11:00 Uhr
München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf – wenn Panzerknacker aktiv werden, dann doch an Orten, wo eine Menge Geld gedreht wird. Aber Gelsenkirchen? Ausgerechnet eine Sparkasse in einer der ärmsten Städte Deutschlands? Und jetzt auch noch Trittbrettfahrer bei einer Volksbank in Stuhr und einer Sparkasse in Wilhelmshaven. Auf die Ideen muss man erst mal kommen.

Mancher hat sein ganzes Vermögen verloren

So bleibt die millionenschwere und spektakuläre Plünderung von Bankschließfächern zwei Monate nach der Tat in Gelsenkirchen noch immer ein Mirakel. Sie weckte nicht nur heftige Diskussionen, sondern vielfach auch Mitleid mit den Betroffenen, bei Außenstehenden zumindest. Denn Berichten zufolge soll mancher Schließfachmieter beklagen, er habe bei dem räuberischen Coup sein gesamtes Vermögen verloren. Wie hoch das auch immer gewesen sein mag.

Schließfächer nur begrenzt versichert

Genau herauskriegen werden das wohl nicht mal die gewieftesten Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft. Denn die insgesamt rund 32 Millionen Euro an Schaden, über die nach dem Einbruch der Safeknacker berichtet worden ist, beziffern nämlich keineswegs den Inhalt der rund 3200 Schließfächer, sondern nur den von der besagten Sparkasse in Gelsenkirchen versicherten Wert. Demnach stehen den Schließfachkunden jeweils maximal rund 10.000 Euro zu. Und das auch nur, wenn sie einen entsprechenden Wert nachweisen können. Andernfalls hätten sie eine Extra-Versicherung darauf abschließen müssen.

Manches Schließfach ist wie ein Überraschungsei

Für Insider im Ruhrgebiet ist das Ziel der Kriminellen ohnehin nicht wirklich überraschend, wie mir eine informierte Quelle an der Ruhr kürzlich berichtete: „Was glaubt ihr denn, wer da so alles ein Schließfach bei einer Bank hat?“, fragte sie rhetorisch – „und was da so alles drinliegt?“ Oft seien es jedenfalls nicht offenkundig wohlhabende Menschen, die überraschende Werte in einem Schließfach unterbringen. Schließlich gilt es ja, im Falle eines Verlusts exakt nachweisen zu können, woher das Bargeld, der Schmuck oder die teuren Uhren stammen – und von welchem Geld sie erworben worden sind. Bei Vermögenswerten sollte das alles säuberlich nachzuweisen sein, damit Besitzer nicht in die Röhre schauen, wenn Einbrecher und Räuber ihr übles Werk verrichten. Das gilt im Zweifel auch für den Erbschmuck von der Großmutter.

Doch nicht alle dort in Gelsenkirchen werden jedes Mal, wenn sie ihr Schließfach in intimer Atmosphäre öffneten, Fotos angefertigt haben von dem, was da vor sich hin schlummerte. Vom Inhalt sollte ja niemand etwas wissen – und in manchem Fall vermutlich auch der deutsche Fiskus nicht.

Dreiste Täter, genauer Plan

So verheißen die Ermittlungen zum spektakulären Einbruch kurz nach Weihnachten in Gelsenkirchen weiterhin einige Spannung. Allemal auch die offenkundige Dreistigkeit der Täter, die über ein Untergeschoss eines angrenzenden Parkhauses zunächst in einen Lagerraum der Sparkasse durchbrachen – und von dort dann mit einem mächtigen Betonbohrer in den Raum mit Schließfächern. Selbst das Wasser zur Kühlung des Bohrers zapften sie bei der Sparkasse ab. Wer auch immer den Coup geplant hat, musste Räumlichkeiten und Umfeld der Sparkasse verdammt gut kennen. Zudem macht an der Ruhr die Runde, dass die Täter auch Nachbarn und Anwohner vorsorglich informiert haben sollen: Wegen Umbau könne es übers Wochenende nach Weihnachten etwas lauter werden.

Ein Tipp für dieses Wochenende: Am sichersten liegt das Geld auf Ihrem Konto – nicht im Schließfach oder unterm Kopfkissen.

Wie stehen Sie zu dem Thema? Schreiben Sie mir:

joerg.kleine@goslarsche-zeitung.de

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