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2. Fußball-Bundesliga

Wolfsburgs Einsicht: Weit weg, eine Top-Mannschaft zu sein

Haben viel zu besprechen: die Spieler des VfL Wolfsburg.

Haben viel zu besprechen: die Spieler des VfL Wolfsburg. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der VfL Wolfsburg gilt als der haushohe Aufstiegsfavorit in der 2. Bundesliga. Doch der Start ist holprig. Jetzt setzt es die erste Niederlage. Trainer und Spieler werben um Geduld.

Von Claas Hennig, dpa 13.09.2026, 11:20 Uhr

Hamburg. Die Rückkehr ans Hamburger Millerntor hatte für Hauke Wahl einen gravierenden Schönheitsfehler. „Ich habe es sehr genossen, in diesem Stadion zu spielen. Der Empfang war sehr, sehr herzlich. Einzig das Ergebnis war nicht so schön“, sagte der Kapitän des VfL Wolfsburg nach dem 0:1 bei seinem Ex-Club FC St. Pauli. Der Druck auf den haushohen Aufstiegsfavoriten in der 2. Fußball-Bundesliga wächst nach der ersten Saisonpleite.

Knapp vier Monate zuvor hatte der 32 Jahre alte Abwehrchef noch auf der Gegenseite gestanden, ehe er den Club nach drei Jahren verließ. Am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga am 16. Mai besiegelten die Wolfsburger mit ihrem 3:1 den Abstieg des Kiezclubs. Kurz darauf folgten sie den Hamburgern nach ihrem Scheitern in der Relegation. 

Aufstieg kein Selbstläufer

Das Wiedersehen in Liga zwei brachte nur dem FC St. Pauli Freude - und dem VfL Wolfsburg spätestens nach dessen erster Saisonniederlage die Erkenntnis: Der fest eingeplante Wiederaufstieg wird kein Selbstläufer - auch nicht mit der teuersten Mannschaft der Liga. 

„Ich glaube, das ist einfach ein Prozess, und da gehören auch Niederlagen dazu. Egal, wie hoch ein Kaderwert ist“, sagte Wahl. „Man darf einfach nicht vergessen, wir sind noch nicht so lange zusammen.“ Sie seien „weit weg davon, irgendwo hinzufahren und einfach jede Mannschaft 6:0 beim Vorbeigehen wegzuschießen“. 

Nach fünf Spieltagen stehen die Wolfsburger mit acht Punkten in der Tabelle da. Von der Souveränität eines Top-Favoriten war bislang nur selten etwas zu sehen. Fast schon symptomatisch war eine Woche zuvor das 4:4 gegen Aufsteiger Energie Cottbus nach einer 3:0-Führung - und nun folgte auch noch die Niederlage beim FC St. Pauli.

Hatten gegen den FC St. Pauli viel zu tun: Wolfsburgs Hauke Wahl (r) und Kilian Fischer. (l)

Hatten gegen den FC St. Pauli viel zu tun: Wolfsburgs Hauke Wahl (r) und Kilian Fischer. (l) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

„Noch kein Spiel über 90 Minuten top gespielt“ 

„Wir sind auf jeden Fall weit weg davon, eine absolute Top-Mannschaft zu sein“, räumte Wahls Verteidiger-Kollege Kilian Fischer ein. „Wir haben von den Spielen bisher noch keines über 90 Minuten top gespielt.“

Das überrascht ihn nach eigener Aussage aber nicht. „Mich hätte es ehrlicherweise gewundert, wenn nach so einem Abstieg mit einem kompletten Neuanfang, mit einer quasi komplett neuen Startaufstellung, einem neuen Trainer, einer neuen Spielphilosophie von Anfang alles perfekt laufen würde“, sagte er. 

Am Millerntor zeigten die Wolfsburger nur in Ansätzen, wozu sie fähig sind. Sie trugen immerhin dazu bei, dass die 29.546 Zuschauer ein Spiel mit hohem Unterhaltungswert sahen, mit je einem Lattentreffer für beide Teams, zahlreichen Torraumszenen und viel Tempo. 

Die Suche nach dem Grundgerüst

Die letzte Konsequenz vor dem Tor fehlte dem VfL aber, der kurzfristige Ausfall von Mittelstürmer Robert Glatzel (Magen-Darm-Infekt) war spürbar. Zudem machten sich die Gäste mit unnötigen Ballverlusten das Leben selbst schwer. 

Hat noch viel zu tun: Wolfsburgs Tobias Strobl.

Hat noch viel zu tun: Wolfsburgs Tobias Strobl. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Trainer Tobias Strobl warb wie Wahl und Fischer um Geduld. „Es geht nicht um meine Spielidee“, sagte er. „Es geht darum, was passt am besten zu der Mannschaft. Und da wussten wir, dass es in den ersten Wochen einfach ruckeln kann.“ 

Es habe was damit zu tun, das richtige Grundgerüst zu finden. Ziel sei es gewesen, dieses bis zur Länderspielpause im September und Oktober zu haben. Gegen den FC St. Pauli habe er durch die kurzfristigen Ausfälle von Glatzel und auch Elvis Rexhbecaj (verletzt) aber wieder umstellen müssen. „Und das tut natürlich einer Gruppe nicht so unfassbar gut“, meinte Strobl weiter. 

Pechvogel Jonas Adjetey 

Dass der VfL Wolfsburg Hamburg als Verlierer verließen, lag letztlich an dem „einen Fehler zu viel“ (Wahl). Dieser unterlief dem eingewechselten Jonas Adjetey. Der Ghanaer verlor erst den Ball an St. Paulis giftigen Stürmer Abdoulie Ceesay. Anschließend kam der Ball zu Joel Fujita (88. Minute). Der Japaner zog ab - und ausgerechnet Adjetey lenkte den Ball unhaltbar ins Tor.

Anschließend trösteten die Teamkollegen den 22-Jährigen, der seit seinem Wechsel im Winter eine schwierige Zeit in Wolfsburg erlebt. „Dass es genau heute passiert, tut mir für ihn unfassbar leid“, meinte Strobl. „Ich kann nur sagen, der Junge hat so ein richtig gutes Herz. Und das fällt ihm ab und zu auf die Füße, weil er sich zu viele Gedanken macht.“

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