Feuer wütet auf historischem Gelände nahe Goebbels-Villa
Auf dem Bogensee-Areal ist ein Brand ausgebrochen. Foto: Christoph Soeder/dpa
Auf dem Bogensee-Areal bei Berlin baute sich NS-Minister Goebbels eine Villa. Zu DDR-Zeiten gab es dort eine Hochschule. Inmitten der Zukunftsplanung ist nun ein Feuer in dem Lost Place ausgebrochen.
Wandlitz. Ein Lost Place, ein unbequemes Erbe und ein Feuer, das Historisches zerstört: Auf dem Bogensee-Areal mit der Goebbels-Villa nördlich von Berlin hat sich ein Großbrand durch ein geschichtsträchtiges Gebäude gefressen. Zeugen meldeten am Mittwochabend Rauchentwicklung auf dem Areal im brandenburgischen Wandlitz, wie die Polizei mitteilte. Auch am Folgetag war der Einsatz bis zum Mittag nicht abgeschlossen. Die Feuerwehr bekämpft nach eigenen Angaben derzeit vorrangig Glutnester.
Ein „doppelt-kontaminierter“ Ort
Auf dem Areal hatte sich NS-Propagandaminister Joseph Goebbels einst eine Villa gebaut. Diese brennt nach Angaben eines Polizeisprechers aber nicht, betroffen sei ein früheres Lehrgebäude. Es gehörte zu DDR-Zeiten zur ehemaligen Hochschule der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Nach der Wende gab es auf dem Areal ein Kongresszentrum. Seit dem Jahr 2000 ist das Areal ungenutzt und verfällt.
Der Bürgermeister der Gemeinde, Oliver Borchert, hob die Bedeutung des Gebäudes hervor. „Grundsätzlich ist es erst mal ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. Und es ist ein Gebäude in der Gemeinde Wandlitz, an dem ganz, ganz viele Familien-Geschichten hängen.“ Es sei von nationaler oder europäischer Bedeutung.
„Es ist im Prinzip dieser doppelt-kontaminierte, geschichtlich-kontaminierte Ort aus Nationalsozialismus und DDR-Unrechtsstaat. Und das hat man halt selten an einem Ort“, sagte Borchert.
Nach erster Einschätzung fielen der große Saal, die Bühne sowie die ehemaligen Sprecherkabinen den Flammen zum Opfer, wie die Gemeinde mitteilte. Die Seitenflügel des Gebäudes seien nicht unmittelbar erfasst worden.
„Die Witterung ist der Gegner“
Der Löscheinsatz dauert nun schon mehr als 12 Stunden. In der Nacht seien zwischenzeitlich rund 90 Kräfte im Einsatz gewesen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost. „Die Witterung ist der Gegner.“ Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen der niedrigen Temperaturen schwierig, Bürgermeister Borchert sprach von teils Minus acht Grad. Einige Pumpen seien durch den Frost beschädigt worden. Auch die Schläuche müssten dauerhaft laufen, sonst frieren sie ein.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kam bei dem Feuer niemand zu Schaden. Die Polizei habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und habe erste Zeugen identifizieren können. Um die Brandursache zu untersuchen, muss das Feuer jedoch vollständig gelöscht sein und das Gebiet abgekühlt.
Brand trifft Zukunftskonzept
„Der Brand ist ein tiefer Einschnitt – für unsere Gemeinde und für alle, die sich seit rund zwei Jahren so intensiv für ein tragfähiges Zukunftsmodell dieses Ortes einsetzen“, sagte Borchert. Seit 2024 werde mit Hilfe einer Studie und unterstützt durch 560.000 Euro Bundesmittel nach Perspektiven für die zukünftige Nutzung des Areals gesucht.
Bis 2027 soll ein Konzept stehen, dass auch „der Historie des Ortes gerecht werden soll“, schreibt die Gemeinde Wandlitz, die erst vor wenigen Monaten eine Nutzungsüberlassung für das Gelände erhalten hatte. „Vor dem Hintergrund ist der Verlust dieses historischen Saales eine Tragödie“, sagte Borchert. Und doch solle das die Pläne nicht stoppen, der Bürgermeister sagt: „Jetzt erst recht!“
Gelände in Berliner Hand
Eigentümer des gut 16 Hektar großen Bogensee-Areals ist Berlin. Weil das Land kein Geld und kein Interesse an einer Entwicklung hat, hatte der Senat das Gelände bis Ende 2027 der Gemeinde Wandlitz unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Verwaltet wird das Areal von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM).
„Wir sind sehr bestürzt über den Brand auf dem Bogensee-Areal“, sagte BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring. „Unser ausdrücklicher Dank gilt den Feuerwehr- und Rettungskräften, die in der Nacht mit großem Einsatz gegen die Flammen gekämpft haben.“ Es werde geprüft, wie das betroffene Gebäude gesichert werden könne. Auch Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) sprach den Einsatzkräften seinen Dank aus. „Ich bin froh, dass es bei dem Brand auf dem Bogensee-Areal keine Verletzten gab.“
Ein verlorener Lost Place?
Das Gelände und insbesondere die Goebbels-Villa ziehen als „Lost Place“ (sinngemäß: Vergessener Ort) seit Jahren Neugierige und Fotografen an. Die Lost-Place-Touristen beschreiben den Ort in Foren unter anderem als „beeindruckend“ und schwärmen vom Blick durch große Fenster ins Innere.
Doch bereits vor dem Brand schien die Beliebtheit des Ortes abgenommen haben. Die Urban Explorer oder Urbexer, wie sich die Erkunder nennen, bemängeln häufig, dass jegliche Eingänge „verrammelt“ sind. Auch in die ehemalige Jugendhochschule fanden wohl einige einen Weg und berichten ebenfalls in Foren von Schmierereien, Diebstählen und Vandalismus. Daraufhin sollen wohl auch Überwachungskameras entdeckt worden sein – ungünstig für Menschen, die illegal in Gebäude eindringen und damit Hausfriedensbruch begehen.

Mehr als 80 Kräfte sind im Einsatz. Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Brand breitete sich in einem ehemaligen Lehrgebäude aus. Foto: Christoph Soeder/dpa

Auf dem Areal ist ein Brand ausgebrochen. (Archivbild) Foto: Britta Pedersen/dpa