Festhallen-Erinnerungen: Wolfshagen, wie es singt und feiert
Schunkeln an den Tischen: Gute Laune ist beim Concordia-Fasching stets garantiert.
Foto: Privat
GZ-Redakteur Frank Heine stammt aus Wolfshagen. Sein Vater hat die Festhalle federführend angeschoben und beim Bau kräftig Hand angelegt. Er selbst hat dort als junger Mensch lieber gefeiert. Seine ganz persönlichen Erinnerungen an diese Zeit.
Wolfshagen. Ich bin gegen die Festhalle. Ganz klare Sache: Als das große Haus aus Stein in den 1980er Jahren gebaut wird, steht es maximal im Weg. Jedenfalls jenen Wolfshäger Jugendlichen, die auf dem noch weitgehend unbebauten Jahnskamp seit Jahr und Tag von früh bis spät ihre Fußballkünste perfektionieren. Welch sagenhafte Talente an diesem Ort herangereift sind! Nun gut, bei ehrlicher Betrachtung: nicht so wirklich viele. Aber bis zum Bezirksfußball hat es für den einen oder anderen immerhin gereicht.
Problem damals ist: Das Tor besteht aus zwei Kastanienbäumen. Dazwischen muss schießen, wer einen Treffer erzielen will. Und dahinter ist – noch nichts. Nur kurz im Jahr steht eine eigens hochgezogene Holzkonstruktion im Weg, die die Schützen – ach was, gefühlt alle Wolfshäger – eigens zu ihrem Fest in die Höhe ziehen. Gefeiert wird zu diesem Zeitpunkt noch sechs Tage lang an zwei Wochenenden von Freitag bis Montag sowie Samstag und Sonntag Anfang August. Feuchtfröhlich. Herzhaft. Ausgiebig. Denkwürdig. Urtümlich. So mancher Altvorderer richtet seinen Urlaub an diesem Termin aus. Aber anschließend ist Schluss und das Feld wieder frei für jeden Schuss.
Billige Bierrunden
Ich weiß noch genau, auch aus langer zeitlicher Erfahrung, dass beileibe nicht alle im Ort für die neue Festhalle waren. Im zweiten hinteren Holzbau, der dauerhaft steht, gehen legendäre Billigrunden im 0,1-Liter-Bierglas über die Theke. Ob die Festhalle, die nur einmal und dann für immer gebaut werden soll, mit diesem Quasi-Brauchtum mithalten kann?
Verkleidung ist alles: Im Kostüm am Tisch in der Festhalle.
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Zweifel bestehen. Und einen Interessenkonflikt in der Familie, weil mein Vater, schon immer schwer in der Politik und in Vereinen unterwegs, zu den treibenden Kräften hinter den Festhallen-Plänen zählt. Ich weiß gar nicht mehr, wo er zu dieser Zeit noch oder noch nicht Bürgermeister ist. Aber Erich Heine ist auch gelernter Maurermeister und hat handwerklich richtig was drauf. Nun, ich bin als Zwei-Linke-Hände-Typ trotzdem sein Sohn und weiß noch, wie oft und lange er an der Halle selbst mitwerkelt. An jedem freien Wochenende, mit ganz vielen Mitstreitern. Bis die Halle festlich dasteht. Fußball ist nicht mehr. Oder jedenfalls nur noch mit Risikofaktor, wenn Scheiben und Fensterfronten in die Schussbahn kommen.
Alte Fotos von der Festhalle Wolfshagen
Alte Fotos von der Festhalle Wolfshagen
Foto: Heine
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Foto: Heine
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Alte Fotos von der Festhalle Wolfshagen
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Die besten Feste
Ich mache später meinen Frieden mit der Halle. Und das ist eigentlich untertrieben. Ehrlich gesagt, feiere ich in dieser Halle einige der besten Feste meines Lebens. Nicht nur das eigentliche Schützenfest. Was es seinerzeit noch alles gibt: Schützenbälle. Die Bälle des Deutschen Roten Kreuzes, bei denen meine Mutter Renate immer die Tombola abräumt. Unverschämtes Losglück. Klappt aber bis heute leider nicht beim Lottospielen. Nicht zu vergessen die Bälle der Wolfshäger Feuerwehr. Oder ein besonderes Highlight: die Faschingsbälle der Langelsheimer Concordia-Chöre. Das hört sich heute unverdächtig an, ist damals aber fast eine Sensation: Langelsheimer, die zum Feiern nach Wolfshagen ausweichen! Zum friedlichen Feiern übrigens. Das ist noch lange keine Normalität.
Der frühere Vize-Landrat Horst Brennecke alias Hotte, der Berichterstatter.
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Kennt in diesem Zusammenhang eigentlich noch jemand Hotte, den Berichterstatter? Der zu seinen Büttenreden gern mit Harzkäse um sich schmeißt? Richtig: Horst Brennecke, der fast fünf Jahrzehnte in diversen Funktionen kommunale Politik macht, zuletzt lange Jahre als Vize-Landrat, hat (s)eine Paraderolle bei diesen Bällen gefunden. Ob Politikbetrieb oder pure Narretei: Wo ist da der Unterschied? Nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Brennecke denkt jedenfalls selbst gern zurück und erinnert sich auch an einen Festakt der Langelsheimer SPD, deren Vorsitzender er ist, zu „125 Jahre sozialdemokratische Tradition in Langelsheim“. Ehrengast ist im Frühjahr 1990 Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder. Buchhändler und Kabarettist Rainer Schulze aus Wernigerode ist auch da. Ihn hat Brennecke kurz nach der Grenzöffnung kennengelernt. Mit Chansons und Satire unterhält er sein Publikum und kommt Jahre später als Gast zu einem Steinway-Konzert erneut nach Wolfshagen.
Franz Lux, der als Vorsitzender der Concordia-Chöre die Faschingsbälle lange mitprägt.
Foto: Privat
Aber es sind ja meine Erinnerungen. Etwa an den mir unvergessenen Bauunternehmer und Concordia-Präsidenten Franz Lux: ein Feierbiest, mit dem ich zu Vatertag an Himmelfahrt auch schon mal Fußball auf der Langelsheimer Europa-Ampelkreuzung spiele. Es ist noch nicht so viel Verkehr auf der Straße und dort auch keine Wolfshäger Festhalle im Weg. Mit seinem Sohn Matthias mache ich am Ratsgymnasium 1986 Abitur. Dessen jüngerer Bruder Frederic blättert jetzt für mich in alten Alben und findet großartige Fotos. Sofort kommen ungezählte Stunden mit der alten Bum-Bum-Clique in den Sinn. Feiern bis in den frühen Morgen. Manche sind heute schon nicht mehr. Hampe, du fehlst! Übrigens: Wer war dabei, als ein nicht genannter Wolfshäger unten auf der Herren-Toilette ob der allseits besetzten Urinale mitten im Raum blankzieht, sich drehend seiner Körperflüssigkeit entledigt und dazu singt: „Das gibt es nur in Texas!“? Ja, schon eklig. Aber irgendwie auch urtümlich lustig. Lange nach Mitternacht singt eben nicht nur Wolfshagen, sondern es sinkt auch ein bisschen das Niveau. Es sei verziehen.
Promis und Fußball
Ich könnte noch viel, viel mehr schreiben. Vom 50. Geburtstag, den mein Vater 1989 in der vollen Festhalle mit viel Musik und noch mehr Menschen feiert.
Silberhochzeit: Renate und Erich Heine feiern gern und füllen die Halle mit Gästen.
Foto: Privat
Von der Silberhochzeit, die meine Eltern 1991 in der vollen Festhalle mit viel Musik und noch mehr Menschen feiern. Ministerpräsident Gerhard Glogowski kommt aus Braunschweig mit ein paar Ministern im Schlepptau zum Gratulieren. Ich beobachte das Geschehen von (m)einem strategischen Platz an der Theke aus. Auf den Fotos, die auf diesen Feiern entstehen, kann man stundenlang Wolfshäger Ahnenforschung betreiben oder Geschichten zu Menschen erzählen, von denen so viele schon ihren Platz auf dem Heimberg gefunden haben. Habe ich schon erwähnt, dass 2005 der TSV Wolfshagen seinen 75. Geburtstag feiert? Perfekt getimt: Das Team von Trainer Lars Ranze wird in diesem Jahr fast Leverkusen-like mit nur einer Niederlage Meister, steigt von der Kreisliga in den Bezirk auf und holt auch noch den Pokal. Ich darf als Vorsitzender mitfeiern. Ist eigentlich ganz schön gewesen. Ein gewisser Sigmar Gabriel schmeißt beim Jubelfest ein Fass Bier für das Hallen-Publikum. Scheint auch ihm viel Spaß gemacht zu haben.
Volle Tanzfläche: Bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert.
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Alles soooo lange her. Möchte man meinen. Ich wohne schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in Astfeld, wo es keine Festhalle gibt. Schade. Aber Wolfshagen ist ja nicht weit. Als im Sommer 2024 meine Tochter Jette mit ihrem Jahrgang den Abi-Ball des Goslarer Ratsgymnasiums in Wolfshagen steigen lässt, kommen nostalgische Gefühle auf. Meine alte Schule! Meine alte Halle! Ich überlege kurz, ob es sich im hohen Alter noch schickt, sich auf die Stufen unter dem Tresen zu hocken, wie ich es Wolfshäger Frauen beim Sekttrinken auf Bällen abgeguckt habe? Ich lasse es lieber. Merkwürdig nur, dass die Türen nur noch nach oben in Richtung Kurpark und Waldrand offenstehen. Pausen bitte nur an dieser Stelle, weil sich dort auch nach mehr als vier Jahrzehnten niemand gestört fühlt.
Ob Geburtstag oder Jubelhochzeit: Es darf geschunkelt werden, was das Zeug hält.
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Ich mag die Festhalle. Sie soll weiterbestehen. Lärm? Vielleicht ist es gut, dass heute kein Kicker mehr auf dem Jahnskamp auf den Ball eindrischt. Was wäre das wohl laut gewesen, und zwar den ganzen Tag über...
Der Nachwuchs holt tief Luft: Der Fanfarenzug darf zu dieser Zeit natürlich nicht fehlen.
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Ständchen vom Harzklub: Die Bühne fasst die Musikanten gerade noch so.
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ZUR PERSON
Autor Frank Heine ist im April 1967 geboren, in und um Wolfshagen aufgewachsen und hochaktives Mitglied der Jugendfeuerwehr. Sein Elternhaus steht an der Spanntalstraße, fast in Sichtweite zur Festhalle, zu der es nur einmal den kleinen Hügel zum Jahnskamp hoch ist. Heine hat lange für den TSV Fußball gespielt, mit ungezählten Schiedsrichtern diskutiert und von 1998 bis 2010 den Vorsitz im Verein inne. Über Goslar zieht er 2002 nach Astfeld, bleibt aber stets ein Herzenswolfshäger.
Seit 1992 arbeitet Heine für den Verlag Karl Krause. Zunächst als Freier vor allem auf Ostharzer Fußballplätzen für die Wernigeröder Zeitung, seit 1995 fest für die Goslarsche Zeitung. Inzwischen leitet er die Ressorts Goslar und Nordharz und ist stellvertretender Chefredakteur.
Das Stück ist eine ganz persönliche Erinnerungsgeschichte mit viel Wehmut und großen Gefühlen. Alle Wolfshäger und sonstige Festfeierer sind eingeladen, solche Erinnerungen mit der GZ zu teilen und gern mit Bild an die Mail-Adresse leser-forum@goslarsche-zeitung.de zu schicken.
Empfehlung - Festhallen-Erinnerungen: Wolfshagen, wie es singt und feiert Ich bin gegen die Festhalle. Ganz klare Sache: Als das große Haus aus Stein in den 1980er Jahren gebaut wird, steht es maximal im Weg. Jedenfalls jenen Wolfshäger Jugendlichen, die auf dem noch weitgehend unbebauten Jahnskamp seit Jahr und Tag von früh bis spät ihre Fußballkünste perfektionieren. Welch sagenhafte Talente an diesem Ort herangereift sind! Nun gut, bei ehrlicher Betrachtung: nicht so wirklich viele. Aber bis zum Bezirksfußball hat es für den einen oder anderen immerhin gereicht. (...)
Link zum Artikel:
https://www.goslarsche.de/lokales/wolfshagen-festhalle-erinnerungen-640651.html