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Appell an die Ackerflächenbesitzer

GZ Plus IconNeue Bürgerinitiative gegen Windpark-Erweiterung bei Ostharingen

Der „harte Kern“ der neuen Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Windparks bei Ostharingen (v.l.): Jürgen Kollenrott, Holger Windmann, Siegfried Stein und Thomas Capelle.

Der „harte Kern“ der neuen Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Windparks bei Ostharingen (v.l.): Jürgen Kollenrott, Holger Windmann, Siegfried Stein und Thomas Capelle. Foto: Heinemann

Der Windpark zwischen Ostlutter und Ostharingen soll um fast 100 Hektar erweitert werden. Gegen dieses Vorhaben hat sich nun eine Bürgerinitiative gegründet, die auch einen Appell an die Ackerflächenbesitzer richtet.

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Von Ronja Heinemann
Mittwoch, 02.04.2025, 12:00 Uhr

Ostharingen. In Ostharingen hat sich die „Bürgerinitiative Ostharingen. Landschaft erhalten“ gegründet, die sich gegen die Erweiterung des Windparks zwischen Ostharingen und Ostlutter ausspricht.

Am Montag hing der „harte Kern“ der Initiative – bestehend aus Jürgen Kollenrott, Holger Windmann, Siegfried Stein und Thomas Capelle – ein Plakat in der Ortsmitte auf, das sich besonders an die Ackerflächenbesitzer wendet.

Bei Ostharingen befinden sich auf einer Fläche von knapp 160 Hektar derzeit zwölf Windenergieanlagen im Bau. Ausgeweitet werden soll die Fläche auf rund 250 Hektar. Damit rückt sie näher an Ostharingen heran. Die Anzahl der Windräder auf den neuen Flächen ist noch nicht klar.

Schall, Schatten, Wertverlust

„Wir wollen uns das nicht gefallen lassen“, verdeutlicht Holger Windmann. Es gehe ihnen nicht um die Hauptfläche, sondern um die Erweiterung. Die Auswirkungen wie Schall oder Schattenwurf würden so nur noch größer werden. Bei der Initiative bestünde die Angst, dass der Ort dadurch veröde. Sie sehen dabei den Wertverlust der Immobilien. Siegfried Stein hätte vor Kurzem sein Haus am Ortsrand schätzen lassen: „Als herauskam, dass der Windpark bei Ostharingen entsteht und ich direkt draufgucken würde, ist der Preis um ein Drittel gesunken“, sagt er im Gespräch mit der GZ. Andere Ostharinger hätten sogar schon überlegt, wegzuziehen, wenn der Park erweitert wird.

Die Karte veranschaulicht, wo in der Gemeinde Liebenburg der Entwurf des Regionalverbands Vorranggebiete für Windenergie vorsieht. Die dunkelblaue Fläche zeigt die Fläche, die sich im Bau befindet – drumherum ist die Erweiterung.

Die Karte veranschaulicht, wo in der Gemeinde Liebenburg der Entwurf des Regionalverbands Vorranggebiete für Windenergie vorsieht. Die dunkelblaue Fläche zeigt die Fläche, die sich im Bau befindet – drumherum ist die Erweiterung. Foto: GZ-Grafik

Der Appell der Gruppe richtet sich an die Ackerflächenbesitzer: „Verzichtet auf den Bau von Windkrafträdern auf Euren Böden in unmittelbarer Nähe zu unseren Ortschaften und dem Natur- und Nationalpark Harz“, steht auf dem Plakat in der Ortsmitte. „Vor einem Jahr ist der Bauernverband für seine Interessen auf die Straße gegangen. Jetzt geht es um unsere Interessen“, sagt Windmann. Weiter heißt es im Appell: „Bitte setzt Euer Eigentum nicht zum Nachteil der Gemeinschaft ein“.

Bedenken geäußert

An den Regionalverband Großraum Braunschweig und an Landrat Alexander Saipa haben sich die Vertreter mit ihren Bedenken schon gerichtet. Die Initiative weist an den Regionalverband gerichtet darauf hin, sie wüssten, dass das Ausbauvorhaben zum Beispiel zur Stärkung der Wirtschaftskraft in der Region beitrage. Doch das Vorhaben der Erweiterung erdrücke Ostharingen mit seinen knapp 240 Einwohnern. Mit einem Blick auf die Zielvorgabe aus dem Klimagesetz, wonach mindestens 0,475 Prozent der Landesfläche für FF-PV-Anlagen vorgeplant werden solle, sei die Initiative der Meinung, dass Liebenburg „mehr als gesättigt ist“.

Weiter führen die Vertreter aus: „Um die Vorgabe für die Gemeinde Liebenburg bei einer Flächenausdehnung von insgesamt 78,5 Quadratkilometern zu erfüllen, wären bei 0,47 Prozent lediglich 36,9 Hektar erforderlich. Diese Vorgabe ist mit derzeit knapp 300 Hektar (160 Hektar Windenergie und 140 Hektar Photovoltaik) bereits erfüllt“. Das Bürgerwohl, der Landschaftsschutz und die Wohnqualität sollen nicht weiter strapaziert werden, richtete sich die Bürgerinitiative an den Regionalverband.

Umweltverträglichkeit prüfen

In ihrem Schreiben an den Landrat verweist die Bürgerinitiative auf eine unterlassene Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Regionalverband habe angegeben, dass negative Auswirkungen auf den Opferbach, der durch Ostharingen verläuft, ausgeschlossen werden. Dem widerspricht die Initiative. „Wir befürchten, dass die geplante Erweiterung und die bereits im Bau befindlichen Windparkanlagen erhebliche umweltschädliche Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Feuchtbiotope im Bereich des dort entspringenden Opferbaches haben“, heißt es in dem Schreiben.

Dem Opferbach würden schon jetzt erhebliche Mengen an Wasser verloren gehen durch Versickerung. Die Befürchtung sei nun, dass durch den Betrieb der Windkraftanlagen Vibrationen zu einer Veränderung des brüchigen Kalksteins im Boden führt. Entstehende Haarrisse lassen Wasser leichter versickern. Durch den Bau der Anlagen im Karstgebiet Haar würden dann den Opferbach und die Feuchtbiotope austrocknen lassen.

Die Umweltverträglichkeit sollte deshalb, aus Sicht der Bürgerinitiative, durch das Clausthaler Bergamt geprüft werden. Bis dahin solle es einen Bau- und Planungsstopp geben.

Dass in einem Teil des Windvorranggebietes Karbonatgestein vorhanden ist, bestätigt Eike Bruns vom Landesamt für Bergbau. Außerdem sagt er, dass das Landesamt vom Landkreis um eine Stellungnahme gebeten wurde, die auch erfolgt ist. Auskünfte habe das Landesamt dazu erteilt, was bei der Errichtung besonders zu beachten sei – besonders in Hinblick auf Baugrund und Hydrogeologie. Von einer dauerhaft schädlichen Auswirkung, zum Beispiel auf den Opferbach, gehe das Landesamt aber nicht aus. Einen Einfluss auf die Böden durch Windparks an Land seien den Fachleuten nicht bekannt.

Einflüsse würde es eher bei Windparks in Gewässern (Offshore) geben.

Mithilfe einer Petition will die Bürgerinitiative weiter auf sich aufmerksam machen und hofft auf weitere Mitstreiter. Noch sei alles sehr frisch, aber die Beteiligten wollen, dass die Gruppe weiter wächst.

Das Plakat der Bürgerinitiative hängt in der Ortsmitte.

Das Plakat der Bürgerinitiative hängt in der Ortsmitte. Foto: Heinemann

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