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Weltgebetstag der Frauen

GZ Plus Icon „Nigerianische Männer lassen keine Veränderungen zu“

Paulina Neuhoff zeigt eine Kirchenzeitung aus ihrer nigerianischen Heimat.

Paulina Neuhoff zeigt eine Kirchenzeitung aus ihrer nigerianischen Heimat. Foto: Leifeld

Die Nigerianerin Paulina Neuhoff und lebt seit 30 Jahren in Langelsheim. Zum Weltgebetstag bereitet sie den Gottesdienst im Kirchengemeindeverband Kanstein vor.

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Von Andrea Leifeld
Dienstag, 03.03.2026, 09:00 Uhr

Langelsheim. Kinderehe, Genitalverstümmelung bei Mädchen, Vergewaltigungen: Der Weltgebetstag, der bereits seit vielen Jahren alljährlich am ersten Freitag im März in zahllosen Kirchengemeinden begangen wird, gibt Frauen eine Stimme und rückt mit dem ausgewählten Weltgebetstag ihre dortige Lebenssituation zumindest für einen Tag in den Fokus vieler Kirchengemeinden. Das Weltgebetsland 2026 heißt Nigeria. Das Motto: „Kommt! Bringt eure Last!“ Das Schwellenland liegt in Westafrika an der Atlantikküste und besitzt große Gas- und Erdölvorkommen. Und das so vielseitige, ebenfalls landschaftlich sehr bunte Land ist auch die Heimat von Paulina Neuhoff.

Seit 1997, seit ihrer Hochzeit mit Werner Neuhoff, lebt die Nigerianerin bereits in Langelsheim. Als Mitglieder im evangelisch-lutherischen Kirchengemeindeverband Kantstein bereitet sie in einem vielköpfigen Frauenteam unter den Fittichen der Kirchenverbandsvorsitzenden Cornelia Dege die Feier zum Weltgebetstag vor und berichtet dabei aus ihrer afrikanischen Heimat:

Mit einer Landesfläche so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen leben 230 Millionen Menschen unterschiedlicher Religionen, 35 Bundesstaaten, 250 unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und 500 gesprochenen Sprachen.

Afrikanische Frau

Paulina lebt seit 1997 in Langelsheim. Über ihr Heimatland Nigeria berichtet sie am Weltgebetstag. Foto: Leifeld

Sicherlich seien das viele Menschen, aber verbesserte Lebensverhältnisse, aus deutscher Sicht sollte nicht von Wohlstand gesprochen werden, erreichen trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs viele Menschen nicht. Das Land verfügt nicht nur über große Erdöl- und Erdgasvorkommen. Mit fünf Vegetationszonen sei auch landwirtschaftlich viel machbar und nicht nur die Atlantikküste und das angenehme Klima bieten viele Möglichkeiten für einen aufstrebenden Tourismus. „Aber es gibt viel Korruption im Land“, unterstreicht sie.

Das Geld komme nicht überall an. 40 Prozent der Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Wohl gäbe es in Namibia eine Schulpflicht, auch für Mädchen, aber 60 Prozent der Mädchen gehen nur kurzzeitig oder gar nicht zur Schule, berichtet sie. Ohnehin seien Privatschulen besser als die staatlichen, aber die könnte sich kaum jemand leisten. Sie selbst hatte das Glück. Sie stammt aus einem guten Elternhaus, lebte in Warri, im Niger-Delta.

Ihr Vater war Bürgermeister. Aber die weitreichende, fehlende Bildung macht viele Mädchen anfällig für Menschenhändler und Kinderehe. Genitalverstümmelung bei Mädchen und Vergewaltigungen seien allgegenwärtig. „Die Männer sind sich ihrer Stellung über die Frauen bewusst und lassen Veränderungen nicht zu“, erklärt sie. Sie ist dankbar, dass Frauen in ihrem Heimatland die Möglichkeit bekommen, bei einem Weltgebetstag, zumindest für einen Tag, im Fokus zu stehen. Der Zusammenhalt unter den Christen ist in Nigeria eng. Eine Unterteilung in Katholiken und Protestanten gibt es, anders als in Deutschland, in Nigeria nicht. „Die vielen Religionen, Sprachen und damit unterschiedlichen Menschen bremsen das Land“, verdeutlicht Paulina Neuhoff.

Die Gemeindemitglieder bereiten den Gottesdienst vor.

In vielen Kirchengemeinden wird am 1. Freitag im März der Weltgebetstag gefeiert. In Langelsheim wird die Feier im Team vorbereitet. Foto: Leifeld

Als sie vor rund 30 Jahren in Deutschland ankam, verlangte das Leben von ihr viele Veränderungen, doch die Langelsheimer Kirchengemeinde nahm sie vom ersten Tag an herzlich auf. Der christliche Glaube ist ihr wichtig. Das Erlernen der deutschen Sprache empfand sie als schwer. „Aber das deutsche Essen ist gut“, lacht und plaudert sie.

Von der Vielfalt des nigerianischen Essens können sich Gäste nach dem Gottesdienst überzeugen. Dort wird der Tisch nach nigerianischer Art für alle Gottesdienstbesucher und Gäste im Gemeindehaus St. Lukas reich gedeckt sein.

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