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Heimatverein investiert in Erhalt

GZ Plus IconWie das Wasserrad der Abbenröder Mühle gerettet werden konnte

Zwei Männer stehen im Wasserrad.

Kilian Dewitz (l.) und Emil Petrick machen sich im Innern des Wasserrads der Mühle Otto ans Werk. Viel verfaultes Holz gilt es zu entfernen. Kleines Bild: Deutlich sind an den ausgebauten Brettern die Spuren des Pilzbefalls zu erkennen. Fotos: Gereke Foto: Gereke

Die Attraktion ist nicht mehr in Gefahr: Restauratoren retten das Wasserrad der Abbenröder Mühle Otto. Ein Einblick, was eigentlich passiert ist.

Von Andreas Gereke Sonntag, 01.02.2026, 10:00 Uhr

Abbenrode. Eine Operation am offenen Herzen: Pilzbefall hat dem Wasserrad der Abbenröder Mühle Otto zugesetzt. Fäulnis hatte bereits Teile des Eichenholzes zersetzt, wie die Mühlenfreunde mit großer Besorgnis festgestellt hatten. Nun startete der Heimatverein eine Rettungsaktion, um die Attraktion zu erhalten.

Die Wassermühle Otto hat einen besonderen Stellenwert. „Sie ist die letzte noch erlebbare Mühle an der Ecker von einst Dutzenden Mühlen, die existierten. Außer der Windmühle in Danstedt und der Lohmühle in Goslar ist nicht mehr viel vom Müllerhandwerk im nördlichen Harzvorland erhalten“, zählt Andreas Weihe, Vorsitzender des Abbenröder Heimatvereins auf.

Andreas Weihe nimmt die verfaulten Bretter aus der Radstube entgegen.

Andreas Weihe (r.) nimmt die verfaulten Bretter aus der Radstube entgegen. Foto: Gereke

„Die Sanierung des Mühlenrades ist enorm wichtig, um an die 900-jährige Mühlentradition in Abbenrode erinnern zu können. Ohne ein funktionierendes Mühlenrad keine laufende Mühle und kein Mühlentag in heutiger Form und Umfang.“ Denn der Mühlentag ist ein Festtag für Abbenrode – und die Wassermühle Otto der Star. Tausende Besucher aus nah und fern kommen traditionell an Pfingstmontag in das Dorf an der Ecker.

„Immer mehr Leistungsverlust“

Ergo: Allen war klar, dass etwas getan werden muss. Schon lange beobachteten die Mühlenfreunde, wie der Fäulnisbefall am Rad langsam fortschritt. „Da das Rad nicht im Dauerbetrieb laufen kann, ist es dem Feind aller Holzräder ausgesetzt. Weil Wasserrechte für die Entnahme des Wassers aus dem vorbeifließenden Mühlengraben fehlten, war der Mühle Otto nur Leben durch einen geschlossenen Wasserkreislauf mittels Pumpe einzuhauchen“, erklärt Weihe. Dadurch steht in der Radstube immer das Wasser und sorgt für ungünstiges Raumklima. „Immer größer werdende Faulstellen ließen das einströmende Wasser, nicht nur in die Schaufeln laufen, sondern vorher ins Innere des Rades. Das führte zu immer mehr Leistungsverlust“, beschreibt der Abbenröder das Dilemma.

Das Mühlrad befindet sich in einer geschlossenen Radstube, in der immer Wasser steht – perfekt für einen Fäulnispilz.

Das Mühlrad befindet sich in einer geschlossenen Radstube, in der immer Wasser steht – perfekt für einen Fäulnispilz. Foto: Gereke

„Dauerhaft nass, ein geschlossener Raum – das ist perfekt für einen Pilz“, ergänzt Kilian Dewitz, Zimmermannmeister aus Osterode am Fallstein und geprüfter Restaurator. Mit seiner Expertise half er jetzt, das Mühlrad zu retten. Durch einen Zufall kam Weihe mit ihm in Kontakt. „Mühlenbauer gibt es ja kaum noch, der Heimatverein war froh, eine professionelle Unterstützung zu finden“, sagt Weihe. Und Unterstützung erhielt Dewitz wiederum von Tischler Emil Petrick, ebenfalls aus Osterode am Fallstein.

Umfang mehr als sechs Meter

Nach mehreren Vorbesprechungen und dem Zusägen von Eichenhölzern legte das Duo jetzt das OP-Besteck zurecht – und bei Temperaturen um die -5 Grad Celsius ging es los. Der Patient: Das oberschlächtige Wasserrad der Wassermühle Otto – oberschlächtig heißt, dass das Wasser von oben in die Schaufeln des Rades stürzt. Ziel des Eingriffs: Die Funktion zu sichern und die Lebensdauer des 23 Jahre alten Eichen-Wasserrades zu verlängern – so lange befindet sich das Rad nämlich bereits in seiner feuchten Stube.

Der Blick nach oben ist nun frei: Restaurator Dewitz hat die ersten Hölzer entfernt.

Der Blick nach oben ist nun frei: Restaurator Dewitz hat die ersten Hölzer entfernt. Foto: Gereke

„Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Befall durch den Weißfäule erregenden Schmetterlingsporling, auch wenn dies nicht laborseitig bestätigt ist“, sagt Dewitz. Erneuert werden mussten die gesamten Radbodenbretter, rund 130 Stück, die die Innenverkleidung im Umfang des Wasserrades bilden. Zusätzlich mussten sechs Riegelbretter ausgetauscht werden, die den Boden der Schaufeln bilden. Insgesamt umfasst das Rad übrigens 24 Schaufeln. Außerdem musste über eine Länge von etwa 1,2 Metern eine der zwei Felgen vollständig ersetzt werden, in denen die Setzbretter und Riegelbretter der Schaufeln eingestemmt sind.

Andreas Weihe begutachtet die Arbeiten am Wasserrad, das einen Durchmesser von zwei Metern hat.

Andreas Weihe begutachtet die Arbeiten am Wasserrad, das einen Durchmesser von zwei Metern hat. Foto: Gereke

„Das Wasserrad hat übrigens einen Umfang von 6,25 Metern bei einem Durchmesser von 2 Metern – und eine Breite von 1,95 Meter“, berichtet Dewitz. Nach zweieinhalb Tagen war die Restaurierung abgeschlossen – und nach jedem Arbeitseinsatz die beiden Handwerker durchgefroren. „Respekt, so eine Aktion bei -5 Grad Celsius durchzuziehen.“

Start in die neue Saison

Aus handwerklicher Sicht waren die Arbeiten mit Holz im „Gefrierschrank“ übrigens kein Problem. „Hätten wir mit Eisen arbeiten müssen, wäre das Wetter natürlich Mist gewesen“, sagt Dewitz. Aber wenn nach der Restaurierung das Wasser übers Rad rausche, werde das Holz aufquellen und schön fest sitzen.

Es ist vollbracht: Alle Radbodenbretter sind getauscht, die neue Saison kann beginnen.

Es ist vollbracht: Alle Radbodenbretter sind getauscht, die neue Saison kann beginnen. Foto: Privat

Aktuell befindet sich die Wassermühle Otto in der Winterruhe. „Ab April starten wir wieder in die neue Saison“, erklärt Weihe. Um dem holzzerstörenden Pilz in dem abgeschlossenen Raum sozusagen den Nährboden zu entziehen, grübelt der Heimatverein an einer Lösung. „Um die Bedingungen langfristig zu verbessern, wird derzeit an einer besseren Lüftung gearbeitet, damit das Holz künftig schneller abtrocknen kann“, teilt Weihe mit. Damit regionale Technikgeschichte weiter erhalten bleibt und die Mühle auch in Zukunft ein lebendiger Anlaufpunkt im Nordharz bleibt.

Markenzeichen des Dorfes

Die Mühle Otto ist eine Schrot- und Sägespänenmehlmühle, sie gehört zu den ehemals sechs existierenden Wassermühlen in Abbenrode. Sie wurde vom letzten Müller, Louis Otto, bis 1947 betrieben. „Nach dem Tod von Louis Otto stand die Wassermühle still, Inventar wurde teilweise ausgebaut, aber die Inneneinrichtung einer Wassermühle war noch gut zu erkennen“, heißt es dazu vom Heimatverein. Der ist seit Oktober 2002 Pächter der Mühle. Um aber ein Stück alten Müllerhandwerks wieder vorführen zu können, waren damals vor fast einem Vierteljahrhundert viele Arbeiten notwendig – unter anderem der Einbau des damals neuen Eichenrads.

Weihe schätzt, dass der Verein im Laufe der Jahre mithilfe von Fördergeldern und Spenden rund 140.000 Euro in die Mühle investiert hat, damit sie erhalten und funktionstüchtig bleibt. Die jetzige Reparatur, die rund 3350 Euro gekostet hat, stemmt der Verein übrigens aus Eigenmitteln – ohne Finanzspritze. Weihe: „Deshalb benötigen wir auch weiterhin Spenden für den Erhalt der Mühle. Sie ist eines der Markenzeichen des Dorfes, das zahlreich Besucher nach Abbenrode lockt und zur kulturellen Identität beiträgt.“

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