Niklas Prause – der Einzelkämpfer mit Politik-Abschluss
Um Weihnachten herum gemeinsam zurück an alter Wirkungsstätte: Josua Heitkamp (links) und Niklas Prause machen im Jahr 2022 mit einem Paukenschlag Abitur am Ratsgymnasium. Da ist Prause schon Goslarer Ratsherr. Foto: Heine
Dass Niklas Prause politisch etwas draufhat, beweist er schon als Schüler mit seiner Wahl in den Rat. Inzwischen hat er einen Politik-Bachelor – und tritt wohl erneut an.
Goslar. Der Mann ist politisch irgendwie auf eine Zwei plus geeicht: Mit seiner Bachelor-Arbeit „Gute Demos, schlechte Demos?“ im Fach Politik-Wissenschaft hat Student Niklas Prause an der Göttinger Georgia-Augusta-Universität die Note 1,8 eingefahren – und zugleich erneut bewiesen, dass er von Politik durchaus etwas versteht. Goslars aktuell jüngster Ratsherr hat zwar noch nicht entschieden, ob er bei der Wahl am 13. September erneut antritt. Die Tendenz geht aber in diese Richtung. Und wenn, dann macht er es wieder auf die einsame Tour – als Einzelkandidat.
In der theoretischen Abhandlung hatte Prause den Protest der „Letzten Generation“ und die Bauernproteste untersucht und in ihrer medialen Wirkung verglichen. Zusammen mit der 1,2 in Geschichte ergibt das eine 1,5 als Note in der Bachelor-Prüfung. In der Praxis sitzt Prause jetzt fast viereinhalb Jahre im Rat und hat einprägsame Erfahrungen gemacht.
Besser als viele Etablierte
Etwa, dass er anfangs massiv umworben war von anderen Fraktionen. „In der ersten Woche habe ich eigentlich mit jedem geredet“, sagt Prause und lacht. Es war ja auch ein Hammer, dass der damals 18 Jahre alte Schüler am Ratsgymnasium satte 840 Stimmen holte und besser abschnitt als jeder Kandidat der Grünen, der FDP, der Bürgerliste oder der Linken. Seitdem haben sich auch junge Parteien bei ihm gemeldet, die nicht im Rat sitzen.WAS WENIG BELICHTETE MÄNNER SO LEISTEN
Nicht nur Niklas Prause hat seinen Bachelor-Abschluss in der Tasche. Sein bester Kumpel Josua Heitkamp ist quasi zeitgleich und punktgenau unterwegs und hat sich für seine Leistungen inzwischen ebenfalls mit dem Bachelor-Titel belohnt. „Das moralische Sprachrohr in Tolstois Romanen: Konstantin Lewin als Portrait des moralischen Tolstois“ lautet der Titel der Arbeit in Literaturwissenschaft, mit der er auf eine 1,6 kommt. Zusammen mit der 1,4 in Philosophie ergibt das wie bei Prause eine Abschlussnote von 1,5.
Warum ist diese wissenschaftliche Tat an dieser Stelle erwähnenswert? Zur Erinnerung: Der Sudmerberger, der in diesem Januar 24 Jahre alt wird, hatte im Juli 2022 als Abiturredner bei der Abschlussfeier des Ratsgymnasiums für eine gewisse Furore gesorgt, als er sich rhetorisch meisterhaft am Verhalten mancher Lehrer rieb und vor allem RG-Vize Michael Kwasniok aufs Korn nahm. Alles schien gut, als sich beide zum Schluss die Hand reichten.
War aber nicht alles gut. Ein paar Tage später kommt es zum Eklat, als Kwasniok in die WhatsApp-Gruppe seines ehemaligen Englisch-Leistungskurses wenig wertschätzend über Heitkamp schreibt: „Dass die Hand des jungen, wenig belichteten Mannes vergiftet war, war mir natürlich klar, als ich sie (dennoch) annahm, um den Abend zu retten.“ Die Sache wird öffentlich und zum Bumerang für den Mann, der im Februar als Direktor die Große Schule in Wolfenbüttel übernimmt.
Heitkamp räumte noch mit weiteren Aussagen Kwasnioks auf – etwa wie er zum Abiturredner gekürt worden sei. „Prüfe deine Quellen“, riet Heitkamp, damals Schüler im Geschichtsleistungskurs, dem Geschichtslehrer Kwasniok – und will jetzt nur einmal mitteilen, was aus „wenig belichteten jungen Männern wissenschaftlich werden kann“.
Ja, es hat ihn wohl doch gewurmt, was ihm widerfahren ist. Auch wenn Heitkamp heute sagt: „Die Sache ist Vergangenheit.“ Sie ist dennoch immer wieder einmal Thema bei regelmäßigen Treffen mit Spezi Prause wie jetzt zu Weihnachten, wenn sie über ihre weitere berufliche Zukunft als Geisteswissenschaftler flachsen – Stichwort: Taxifahrer.
Die nahe Zukunft ist für Heitkamp vorgezeichnet. An der Uni will er seinen Master machen – übrigens in der Regelstudienzeit. Im Wintersemester springt er im nächsten Wintersemester schon als Lehrkraft ein, um sich etwas hinzuzuverdienen und die James-Bond-Formel zu entwickeln. Umsatteln und Lehrer werden will er trotzdem nicht: „Nein, danke.“ Auch wenn er speziell zu seinen früheren Deutschlehrern noch engen Kontakt hält und immer noch mit Stolz am alten Gebäude an der Schilderstraße vorbeigeht. fh
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Lernen aus der Ratsarbeit
Auf der anderen Seite schult die politische Arbeit im Rat enorm. Sie stärkt aus seiner Sicht die Selbstorganisation, weil man viel Text in kurzer Zeit zu verarbeiten lernt. Und sie bringt einem bei, was wirklich gutes Netzwerken bedeutet. „Goslar hat eine gute Größe fürs Gestalten“, ist Prause überzeugt. Die größte Enttäuschung war für ihn bisher, als beim zweiten Auftakt zu „Jugend entscheidet“ nur fünf von 38 Ratsmenschen auftauchten. Als Highlights sieht er – Achtung – stets die Schützenfrühstücke als eine Art großes Klassentreffen aller Beteiligten – und seine erste Rede im Rat nach der Wahl. „Ich war total nervös“, gesteht er ein. Es ging um die Einsprüche zur Panne bei der Oberbürgermeisterwahl – und er habe hinterher doch viel Lob bekommen. Ihm liegt nach wie vor ein respektvoller Umgang miteinander am Herzen. Wenn es in der Sache mal hart werden sollte, dürfe dies nicht auf die Privatebene abfärben. „Wir wollen alle die Stadt voranbringen“, sagt er. Das setzt er voraus. Und das würde ihn freuen, wenn es ihm gelänge.Goslarer Ratswahl am 13. September
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Zeit bis zum 20. Juli
Wann fällt die Entscheidung, ob Prause wieder für den Rat kandidiert? Ende Mai oder Anfang Juni hat er sich als Ziel gesetzt. Es bleibt ja auch noch ausreichend Zeit. Laut Ratsbüro ist der späteste Termin für das Einreichen der Wahlvorschläge von Parteien, Wählergruppen und Einzelpersonen nebst Aufstellungslisten der Bewerber auf den Stimmzetteln Montag, 20. Juli, um 18 Uhr. Und bei Null muss Prause beim Bekanntmachen ja nicht anfangen.Goslarer Ratswahl am 13. September
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Die Prüfungen am Ratsgymnasium
Apropos Anfang – zurück an den Beginn: Warum ist Prause auf Zwei plus geeicht? Schon am Ratsgymnasium erhält Prause für seine Politik-Klausur im Zentralabitur zwölf Punkte, die genau dieser Note entsprechen. Dort ging es um Rede von Frank-Walter Steinmeier zu Chancen und Risiken der sozialen Medien. Lehrer Jürgen Burgdorf erklärte, Prause habe die Punkte zur Eins dort liegen lassen, wo sie eigentlich am leichtesten einzusammeln sind: beim Zusammenfassen der Rede. Bei der echten Kopfarbeit hingegen – dem differenzierten Abwägen, kritischen Reflektieren und schlüssigen Einordnen – hatte er viel verbale Anerkennung übrig. Am Ende reichte es für eine 1,1 als Gesamtnote auf dem Zeugnis. Was deutlich besser als „nur“ Zwei plus ist.
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