Zähl Pixel
20-Millionen-Projekt

GZ Plus IconInvestor plant Mehrgenerationenhaus für Liebenburg

Ein riesiges Werbebanner sorgt seit einigen Tagen für Gesprächsstoff im Ort.

Ein riesiges Werbebanner sorgt seit einigen Tagen für Gesprächsstoff im Ort. Foto: Leifeld

Geht es im ehemaligen Altersheim St. Theresienstift weiter? Vier Jahre ruhte das Projekt, dem ortsbildprägenden Gebäude neues Leben einzuhauchen. Nun kündigt der Investor die Wiederaufnahme seiner Pläne für das alte Gebäude an. Was ist geplant?

author
Von Andrea Leifeld
Montag, 24.03.2025, 12:00 Uhr

Liebenburg. „Hast du schon gesehen? Was ist am ehemaligen St. Theresienstift los ist?“ Ein übergroßes Werbebanner beschäftigt brandaktuell die Einwohner Liebenburgs. Es hängt seit Mitte vergangener Woche. Sollte sich dort doch noch was tun, um dem alten, aber ortsbildprägendem Gebäude neues Leben einzuhauchen?

Zur Erinnerung: Über viele Jahrzehnte war in dem Gebäude am Burgberg 14 der St. Theresienstift heimisch, ein Altersheim unter der Leitung der katholischen Kirche des Bistums Hildesheim. Es war auch durch seine Offenheit und Veranstaltungen ein belebter und beliebter Ort in Liebenburg. 2013 verließen, für viele überraschend, die dort tätigen Ordensschwestern der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul das Altersheim. Kurze Zeit später schloss die Einrichtung seine Pforten für immer, auch aus wirtschaftlichen Gründen, wie es damals hieß.

Nach einigen Leerstandjahren erwarb Dipl.-Ing. Günther Appel, Projektentwickler und Architekt des in Süddeutschland ansässigen Ingenieurbüros Grapp-Design, das Gebäude. Doch seine damaligen Planungen kamen nicht zum Laufen und seit vier Jahren ruhten alle Aktivitäten gänzlich.

20-Millionen-Euro-Projekt

Nun meldete sich der Investor mit konkreten Plänen für einen „Mehrgenerationen-Wohnpark-Liebenburg“ zurück: „Nach dem bereits erfolgten Aufstellungsbeschluss in 2020 verhinderten Corona, Baupreisanstieg und die Finanzierbarkeit eine sofortige Umsetzung der damals bereits existierenden Planung“, erklärt Günther Appel auf Nachfrage der GZ. Doch diese Zeit sei nicht sinnlos verstrichen. Sie habe auch ihre guten Seiten gehabt: Aus dem Quartier wird jetzt zusätzlich ein innovatives Musterbaugebiet, mit alternativen energetischen Nutzungen, Speichertechniken, Baumaterialien und bevorzugtem Mehrgenerationenzusammenleben. Geplant sei ein Vorbild für zukünftiges Bauen und Wohnen. „Wohnraum muss bezahlbar, beziehungsweise finanzierbar sein“, so seine Absichten.

Zugleich muss Architektur auch ein Anspruch an Wohlfühlen, an Seele und Gestaltung sein. „Gegenseitige Unterstützung und Hilfe sind Voraussetzung, um in einem Mehrgenerationen-Wohnpark gemeinschaftlich zu wohnen, zu leben und zu arbeiten“, weiß Appel. Unter anderem sollen Alten- und Kinderbetreuung, Wellnessangebote, aber auch Mediziner vor Ort und ein Bio-Laden in dem geplanten Gebäudekomplex angeboten werden. Dazu Möglichkeiten für Freizeit, Sport und Events, mit zugehörendem Therapie-, Fitness- und Wellnesstrakt.

Der Neubaubereich im Osten wird mit 21 Reihenhäusern in sechs Gebäuden mit Gemeinschaftsanlagen im ehemaligen „Heimgarten“ völlig neugestaltet. Die Investitionskosten beziffert er bei über 20. Mio. Euro, refinanziert durch die Verkaufspreise.

Das ehemalige Altersheim steht seit vielen Jahren leer. Wird es nun zu einem Mehrgenerationen-Wohnpark umgebaut?

Das ehemalige Altersheim steht seit vielen Jahren leer. Wird es nun zu einem Mehrgenerationen-Wohnpark umgebaut? Foto: Leifeld

Die ersten Appartements und günstigen Wohnungen sollen 2026 bezugsfertig sein. Parallel soll noch 2025 mit der Erschließung des Neubauareales begonnen werden, so seine Planungen. Wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten, rechnet er mit einer Fertigstellung in drei Jahren.

„Es ist eine Chance für Liebenburg, selbst wenn nicht alle dieser Punkte umgesetzt werden könnten“, blickt Ortsbürgermeister Günther Meyer wohlwollend auf die vorliegenden Pläne. Das Projekt sollte nicht vorschnell zerredet werden. Gerade die Erschließungsmöglichkeiten für Bauplätze in Liebenburger Ortskern liegen ihm sehr am Herzen. Die Ortschaft habe sonst keinerlei Möglichkeiten, Bauland anzubieten, erinnert Meyer.

Bauland für Liebenburg

„Wir sind mit der ersten Auslegung eines vorhabenbezogenen Bauvorhabens noch in einer sehr, sehr frühen Planungsphase“, hält sich Alf Hesse, Bürgermeister der Gemeinde Liebenburg, bei der Bewertung zur Machbarkeit und zeitlichen Umsetzung der vorgelegten Planungen bedeckt. „Wir hatten das Thema vor vier Jahren schonmal im Bauausschuss. Es kam dann aber nicht zum Laufen. Nun, bei der Wiederaufnahme haben wir Herrn Appel gebeten, sein Projekt noch einmal vorzustellen, weil es in den vergangenen Jahren Veränderungen im Rat gab und alle heutigen Ratsmitglieder informiert sein sollen.“

Der Verwendung des Wappens der Gemeinde Liebenburg auf dem Werbebanner erteilt Hesse jedoch eine deutliche Rüge: „Ein Wappen ist ein Hoheitszeichen und darf in dem Zusammenhang nicht verwendet werden. Es ist ein privates Bauvorhaben. Die Gemeinde Liebenburg hat damit absolut nichts zu tun!“

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region