Fest des Glaubens vereint tausende Christen aus ganz Deutschland
Mit Dauerkarten sind v.l. Frauke Berndt, Andreas Berndt, Gudrun Hagenguth und Birgit Schmidt zum Kirchentag in Hannover gereist. Foto: Privat
Noch bis zum 4. Mai führt der 39. Deutsche Evangelische Kirchentag viele zehntausende Christen in der Landeshauptstadt Hannover zusammen. Auch viele Gäste aus dem Landkreis Goslar besuchen das Kirchenfest.
Nordharz. Mehr Kontrast geht nicht! Tanzten in der Harzregion soeben noch Hexen und Teufel durch die mystische Walpurgisnacht, kommen kaum 100 Kilometer entfernt, in der Landeshauptstadt Hannover, viele zehntausend Christen aus ganz Deutschland zusammen. Unter dem Motto „mutig - stark - beherzt“ wird dort noch bis Sonntag, 4. Mai, der 39. Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) gefeiert. Die Losung ist auch zugleich der Leitgedanke und der rote Faden, der sich durch das gesamte Kirchentagsprogramm zieht und verbindet aktuelle Themen sowie Fragen der Zeit mit spirituellen Impulsen. Sie entstammt einem Bibelzitat aus dem 1. Korinther 16, 13-14.
Fest vieler Begegnungen
Doch damit genug der biblischen Worte, denn der Kirchentag ist in erster Linie ein Fest der Begegnung, der Kreativität und des Austausches. Und mit seiner aktuellen Veranstaltung kehrt der Kirchentag zurück zu seinen Wurzeln, fand doch das erste protestantische Laientreffen 1949 ebenfalls in Hannover statt. Das ist inzwischen 76 Jahre her – Jahrzehnte, in denen der DEKT in zahllosen Großstädten zu Gast war, stets mit vielen Begegnungen und Themen, die unsere Gesellschaft bewegen:

Als Helferinnen stemmten dort (v.l.) Frauke Berndt, Birgit Schmidt und Gudrun Hagenguth den Frühstücksdienst in der Luthergemeinde. Foto: Privat
Frieden, Klima und rechte Hetze sind Schwerpunkte im diesjährigen Programm. Mit vielfältigen Angeboten - von Konzerten über Workshops, Gottesdiensten und Verständigungsorten – werden an fünf Tagen 1500 Veranstaltungen zu Glaube, Kultur, Musik geboten, die den Kirchentagsgedanken mit ihren Impulsen bereichern. Zahlreiche prominente Namen aus der Politik-, Kirchen- und Musikszene finden sich in dem so vielseitigen Programm, das die Innenstadt der Landeshauptstadt in eine bunte Partymeile verwandelt. War die Polizeipräsenz auch schon bei vorangegangenen Kirchentagen gegeben, ist das Sicherheitskonzept der Stadt Hannover in diesem Jahr besonders hoch. Erwartet werden täglich 100.000 Besucher.

Ein Anblick, den gestandenen Kirchentag-Teilnehmer durchaus kennen: So wird es auch in der City von Hannover supervoll werden. Die Foto stammt vom Kirchentag in Nürnberg, 2023. Foto: Leifeld (Archiv)
Doch was bewegt die Menschen aus der Region, zum Kirchentag zu fahren. Die Goslarsche Zeitung hörte sich um:
„Wir haben wie gewohnt Dauerkarten gekauft“, berichtet Andreas Berndt aus Othfresen, der sich mit einer kleinen Teilnehmergruppe bereits am Mittwoch auf den Weg machte. „Ich will verschiedene Kirchenmusik-Konzerte besuchen, so am Samstag die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach. Es ist aber schwierig, bei 1500 Veranstaltungen, anderen Teilnehmern Tipps zu geben, was sie sich ansehen sollen“, weiß er aus seinen langjährigen Kirchentagserfahrungen, die bis in die 1990er Jahre zurückreichen. Mit in der Othfresener Gruppe involviert ist Gudrun Hagenguth: „Ich war schon 1989 in West-Berlin dabei“, erinnert sie. Die Nähe von Othfresen zur Landeshauptstadt hatte bei den Othfresenern erste Überlegungen keimen lassen, sich aktiv in die Veranstaltung einzubringen und für die Kirchentagsbesucher mittags zu kochen. Aber dieses Vorhaben kam dann aus verschiedenen Gründen doch nicht zustande. So bleibt auch Birgit Schmidt mehr Zeit für Musik: „In der Christuskirche werden über all die Tage 24 Stunden Konzerte angeboten. Das wird bestimmt prima“, freut sich die Othfresenerin.

Die bunten Tücher sind kultiges Sammelobjekt bei gestandenen Kirchentag-Teilnehmern. Zu jeder Veranstaltung gibt es einen neuen Schal. Foto: Leifeld
Mit Musik, den „Dörntener Konfersongs“ und den aktuellen Konfirmanden wollte sich ursprünglich auch Pfarrer Peter Wieboldt (Kirchengemeindeverband Liebenburg) in das Programm einbringen. „Aber das klappte nicht“, bedauert er. Nun fährt er privat zum Kirchenfest.
War sein Pendant aus der Gemeinde Schladen-Werla, Pfarrer Frank Ahlgrim, noch vor zwei Jahren mit einer munteren Radfahrergruppe nach Nürnberg aufgebrochen, bleiben beim Blick auf Hannover die Drahtesel im heimischen Stall. „Wir werden mit dem Kirchen-Café-Bus unserer Propstei nach Hannover fahren und uns dort in das Programm einbringen.“
Noch unschlüssig, ob sie zum Kirchentag in Hannover fährt, ist Dörte Münchow aus Hahausen. „Ich war als Dauergast schon auf Kirchentagen in Dortmund (2021) und Nürnberg (2023). Vielleicht fahre ich diesmal zu einigen Abendveranstaltungen. Das neue Angebot der Abendkarte ist super.“
Mit langjährigen Kirchentagserfahrungen im Gepäck machen sich auch Dorothea und Hans Schünemann aus Upen auf den Weg. Aber auch nicht als Dauergäste. „Wir wollen zum Abend der Begegnung, zu zwei Bibelarbeiten und Podiumsdiskussionen. Und zum Abschlussgottesdienst am Sonntag“ so Hans Schünemann. Die Nähe von Upen zur Landeshauptstadt ermöglicht auch ihnen diese Flexibilität.

Der Kirchen-Café-Bus wird auch in Hannover Station machen. Foto: Leifeld (Archiv)
„Aus familiären Gründen fahre ich diesmal nicht nach Hannover“, bedauert Pfarrer Sebastian Schmidt aus Lutter. 2005 schnupperte er in Hannover erstmals Kirchentagsluft. München (2. Ökumenischer Kirchentag 2010) , Dresden (2011) und Hamburg (2013) folgten. „Es ist ein tolles Feeling, das jeder mal erlebt haben sollte“, schwärmt er.
Die Möglichkeit, den 39. Deutschen Evangelischen Kirchentag zu besuchen, besteht noch. Er endet am Sonntag, 04. Mai, um 11.30 Uhr mit dem Open-Air-Abschlussgottesdienst auf dem Platz der Menschenrechte.
Knifflig gestaltet sich jedoch die Anreise mit der Bahn aus Richtung Goslar: Bedingt durch die derzeitigen Arbeiten am Gleisbett ist ein Schienenersatzverkehr zwischen Bad Harzburg und SZ-Ringelheim eingerichtet. Erst dort ist der Zustieg in den Zug nach Hannover wieder möglich. Willige Kirchentagsbesucher sollten sich unbedingt vorher informieren.

Der Abend der Begegnung ist die Auftaktveranstaltung zu jedem Kirchentag. Hier kamen die Christen 2023 in Nürnberg zusammen. Foto: Leifeld (Archiv)
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