Martin Ehrenberg hört kurzfristig am CvD-Gymnasium auf
Auf die Zukunft: Zum Start des neuen Schulzentrums Goldene Aue stoßen Martin Ehrenberg (l.) und Hans-Peter Dreß im Sommer 2024 noch fröhlich an. Ein gutes Jahr später sind die Direktoren von CvD- und Ratsgymnasium beide schon weg. Foto: Heine (Archiv)
Martin Ehrenberg war seit Sommer 2020 Direktor des CvD-Gymnasiums. Zum 1. September wird er neuer Chef an seiner alten Schule in Salzgitter-Bad.
Goslar. Und plötzlich ist er doch weg: Martin Ehrenberg, seit Sommer 2020 Direktor des CvD-Gymnasiums, wird zum 1. September neuer Chef an seiner alten Schule in Salzgitter-Bad. Publik wird das, als Salzgitter-Vize Jörg Fischer zum Start des neuen Schuljahres Anfang August eine kurze Info-Mail an Schülern und Eltern schreibt: „Herr Martin Ehrenberg wird die Leitung unseres Gymnasiums übernehmen. Dies wird voraussichtlich zum 01.09.25 passieren. Bis dahin werde ich in Vertretung die Schule leiten.“
Mauern im Ministerium
Das Kultusministerium mauert vorher noch beharrlich, weil Ehrenberg eine Konkurrentin von der deutschen Schule in Mailand hat. Sie findet dem Vernehmen nach anderswo in Deutschland eine Stelle. Klar ist: In Salzgitter-Bad gilt Ehrenberg ohnehin als Wunschkandidat mindestens des Schulvorstands.

Holger Ritzke Foto: Heine
Der 55-Jährige, der mitten in der Corona-Krise vom Kranich-Gymnasium aus Salzgitter-Lebenstedt nach Goslar wechselt und sich nach einer Nullrunde in der ersten Ausschreibung im zweiten Anlauf gegen zwei Kandidaten bei der Nachfolge für Barbara Reichert durchsetzt, wohnt mit Frau und drei Kindern quasi nebenan in Gitter. Er ist selbst Absolvent der Schule, seine Kinder besuchen das Gymnasium. Dass sich mit dem Job dort ein Lebenstraum erfülle, erzählt er schon früher im kleinen Kreis. Als die GZ ihn 2020 neu in seinem Goslarer Amt vorstellt, verrät Ehrenberg, einem seiner Lehrer habe er schon damals zum Abschied in ein Erinnerungsbuch geschrieben: „Vielleicht sehen wir uns als Kollegen wieder.“
Unbequemer Streiter in der Sache
Was wohl der Schulträger vom Wechsel hält? Sicher ist: Mit Ehrenberg geht ein streitbarer Chef, der sich von Namen und Nickeligkeiten wenig beeindrucken ließ. So schon 2024 beim Streiten für die Feten-Rechte der Abiturienten in der neuen Goldenen Aue, als er sich mit Landrat Dr. Alexander Saipa (SPD) anlegt und Rückendeckung vom Ex-Falken, Ehrenbürger und gelernten Lehrer Sigmar Gabriel bekommt. So wieder in diesem Frühjahr, als er dem Landkreis einen rechtlichen Fehler beim rigorosen Deckel für die neuen Fünftklässler nachweist, am Ende aber trotzdem nicht um ein Losverfahren herumkommt. Nicht alle freilich sehen Ehrenbergs Recken-Rolle nur positiv. Lassen sich nicht auch leise Lösungen finden? Im Netzwerk? Vor Ort?
Ehrenberg folgt einem anderen Ansatz. „Stress ist für mich immer positiv besetzt“, sagt er. Wenn unterschiedliche Ansichten auszudiskutieren und Lösungen zu finden sind, gehen Menschen in einer Demokratie in eine Auseinandersetzung und kämpfen mit der Kraft der Argumente. Im besten Falle sind am Ende alle zufrieden und lernen aus der Sache.
Wer wird Nachfolger? Ehrenbergs Vize Holger Ritzke, der das CvD-Gymnasium seit September kommissarisch leitet, ist der einzige Bewerber im Verfahren. Er ist 49 Jahre alt, Vater von drei Kindern, Lehrer für Sport und Biologie und war 2013 vom Seesener Jacobson-Gymnasium als neuer Oberstufenleiter nach Goslar gewechselt. Dort hat er unter anderem die Technik AG ins Leben gerufen. Der Studiendirektor bekleidet seinen Stellvertreter-Posten seit Frühjahr 2019, als er – auch dort nach einer (monatelangen) Zeit als Kommissar – die Nachfolge von Dr. Jutta Nowack übernahm. Und weil Ehrenberg erst im September 2020 kam, war Ritzke im August auch schon einmal einen Monat lang CvD-Chef.
An der Spitze der größten Schule
Aktuell leitet er die größte allgemeinbildende Schule im Landkreis. Bei 813 Schülern in 36 Klassen von Klasse fünf bis Jahrgangsstufe 13 ist die Zahl am CvD-Gymnasium zwar um neun Köpfe gesunken. Aber der im Vorjahr eroberte Spitzenplatz vor dem Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium bleibt bestehen. Die Kurstädter kommen auf 771 Schüler in 33 Klassen und sind sieben Köpfe weniger.
Was hat sich seit dem Wechsel getan? Seit Mitte November bleiben die Türen im Schulzentrum Goldene Aue verschlossen – jedenfalls die meiste Zeit des Tages. Realschule und Gymnasium reagieren mit den Schließzeiten auf neue Herausforderungen, wie sie sich unter anderem aus Erkenntnissen zu Amokalarm beziehungsweise Bombendrohung vom 16. September ergeben. Das Problem selbst gärt aber schon viel länger.
„Der Amokalarm war der Aufhänger, aber die Situation war uns auch schon im alten Gebäude ein Dorn im Auge“, sagt Ritzke. Was er meint: „Es herrscht zu viel Transitverkehr von Schülern, die hier gar nicht hingehören.“ Aber auch fremde Erwachsene seien (zu) häufig im Gebäude anzutreffen. „Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, wenn das Gebäude nicht von jedem zu betreten ist.“
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