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Die Goldenen Zwanziger in Goslar

GZ Plus IconKlöße, Suppen, Eintopf – guten Appetit!

Szene in Goslar um 1925: Der Marktplatz ist wichtiger Umschlagplatz für frische Lebensmittel.

Szene in Goslar um 1925: Der Marktplatz ist wichtiger Umschlagplatz für frische Lebensmittel. Foto: Stadtarchiv Goslar

„1925: Die Goldenen Zwanziger in Goslar“: In Teil 5 der GZ-Serie geht es um moderne Küchenführung, die ersten Elektrogeräte und die Vorläufer der Verbraucherzentrale.

Von Von Corinna Meiß Sonntag, 10.08.2025, 16:00 Uhr

Goslar. In den „Goldenen Zwanzigern“ erobern Frauen neue Berufsfelder. Aber die meisten sind vor allem Hausfrauen. Ein Sonnenstempel wird zum Gütesiegel der Hauswirtschaft – und die ersten Goslarer haben schon Küchenmaschinen.

Elektrische Haushaltsgeräte erleichtern uns allen das Leben.

Jeden Tag aufs Neue. Egal, ob Kühlschrank, Kaffeemaschine, Toaster, Herd, Waschmaschine, Bügeleisen, Heißluftfritteusen, Dampfgarer oder Küchenmaschinen, die einem sogar das klassische Kochen abnehmen. In unserer modernen Konsumgesellschaft haben wir uns von immer mehr Produkten und Küchentrends bereitwillig abhängig gemacht. Es scheint vollkommen undenkbar, auf sie je wieder verzichten zu müssen.

1925 sah es in den privaten Haushalten noch ganz anders aus: Vor allem waren die meisten Haushalte noch gar nicht ans Stromnetz angeschlossen. In Berlin beispielsweise hatten nur 27 Prozent der Haushalte Strom. Und auch die hygienischen Zustände waren – nicht nur nach heutigem Standard – oftmals unzureichend.

Aber vor 100 Jahren wurden Modernisierungsprozesse in Gang gesetzt, die auch die Hausarbeit revolutionierten und neue Konzepte aufzeigten, wie Haushalte zeitsparender und effizienter geführt werden könnten und konnten.

Der Deutsche Hausfrauen-Bund

Nach dem Ersten Weltkrieg begannen Mädchen aus der Arbeiterklasse nach ihrem Schulabschluss mit 14 Jahren nicht mehr zwangsläufig eine Stelle in einem Haushalt, sondern ergriffen auch andere Berufe. Dies hatte einen spürbaren Mangel an Hauspersonal im Bürgertum zur Folge, wo es noch als unschicklich galt, körperliche Arbeit zu verrichteten. Dennoch bildeten Hausangestellte, damals Dienstmädchen genannt, im Jahr 1925 nach wie vor die größte Berufsgruppe von Frauen.

Die wenig angesehene Hausarbeit sollte als Beruf betrachtet und (endlich) wertgeschätzt werden. Der 1915 als „Deutscher Hausfrauen-Bund“ (DHB) gegründete und 1924 in „Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine“ (RDH) umbenannte Verband erreichte 1925 die Einführung einer Meisterprüfungsordnung im Fach Hauswirtschaft. Sowohl in Goslar als auch in Oker gab es Ortsverbände, die nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) den alten Namen „Deutscher Hausfrauen-Bund“ trugen.

Das Gütesiegel für Hausfrauen

Auf Initiative des Leipziger Ortsverbands wurde im Juni 1925 die Versuchsstelle für Hauswirtschaft des RDH ins Leben gerufen: „Schon lange hegten wir den Wunsch, dass wir eine Prüfungsstelle und Forschungsstätte für häusliche Geräte, Gebrauchsmittel und Arbeitsmethoden brauchen, in der Wissenschaft und Praxis sich die Hand reichen, in engerem Zusammenwirken mit Industrie, Handel und Handwerk.“

So sieht sie vielfach aus, die Küche der Zwanziger Jahre: Das Museum in Döhren zeigt eine typische Landarbeiterküche.

So sieht sie vielfach aus, die Küche der Zwanziger Jahre: Das Museum in Döhren zeigt eine typische Landarbeiterküche. Foto: Privat

Erfolgreich geprüfte Geräte wurden mit dem Sonnenstempel des RDH als Gütesiegel, einer laufenden Nummer und Jahreszahl versehen, „um es jeder Hausfrau zu ermöglichen, nur gute und billige Waren zu kaufen.“ Die dann im Jahr 1927 vom DHB in Berlin gegründete Hauswirtschaftliche Einkaufsberatung und Auskunftsdienst (Heibaudi) ist der Vorläufer der heutigen Verbraucherzentralen.

Neue Trends aus den USA

Nachdem das Buch „Die rationelle Haushaltsführung“ der amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Christine Frederick (1883 bis 1970) 1922 auch in deutscher Sprache erschienen war, griffen die deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften das Thema der Haushaltsreform auf. Dazu gehörte auch die Goslarsche Zeitung, die in ihrer damaligen „Frauen-Beilage“ neben „Erprobte Rezepte“ auch die Rubrik „Der Haushalt von heute“ hatte. Unzählige Haushaltsratgeber wurden veröffentlicht.

Der Bestseller von Erna Meyer

Eines der erfolgreichsten deutschen Bücher war „Der neue Haushalt“ der Berliner Volkswirtin Dr. Erna Meyer (1890–1975). Es avancierte innerhalb von sechs Jahren zum Standardwerk und Bestseller und wurde bis 1932 in 42 Auflagen veröffentlicht, bevor die jüdische Autorin 1933 emigrieren musste.
„Der neue Haushalt“: Das Buch von Dr. Erna Meyer wird in den Zwanziger Jahren zum Bestseller.

„Der neue Haushalt“: Das Buch von Dr. Erna Meyer wird in den Zwanziger Jahren zum Bestseller. Foto: Privat

Themen des Buches waren unter anderem „Ersparnisse an Material und Arbeit (Kraft, Weg und Zeit)“, wirtschaftliche Haushaltsführung sowie praktische Aspekte – wie die Wärmewirtschaft mit Grudeheizung, die Herstellung einer Kochkiste und andere Möglichkeiten, Brennstoff zu sparen.

Es ging um „Regeln für zweckmäßiges Kochen, Braten und Backen mit Gas“, die Vor- und Nachteile von Elektrizität sowie die Einrichtung der Küche mit neuzeitlichen, geschlossenen Küchenschränken, die nur wenige Handgriffe erfordern und den Inhalt vor allem vorm Einstauben bewahrten.

Dies entsprach dem Designleitsatz „form follows function“ – die Form folgt der Funktion. Ein Leitbild, dem auch die berühmte Bauhaus-Schule in Architektur, Design und Produktion folgte. Durch die Verkürzung der Arbeitswege sollte die Küche nicht nur funktioneller, sondern auch pflegeleichter werden. Erfindungen unterstützten das in den Zwanziger Jahren – wie die 1922 eingetragene Marke „Nirosta“. Nicht-rostender Stahl hieß dabei für die Hausfrauen, dass auch die „Schinderei beim Reinigen und Schärfen von Messern und Scheren ein Ende hatte.“

Tipps der Nordharzer Kraftwerke

Die Nordharzer Kraftwerke GmbH hatten sich 1925 für die Goslarer Hausfrauen etwas Zweckmäßiges als Kundengeschenk ausgedacht: Jeden Monat beim Ablesen der Gasuhren wurden ihnen farbige Einzelkärtchen mit Rezepten, das heißt mit Zutaten und fertigem Produkt des Gasofens, geschenkt.

„Die Kärtchen werfe man nicht fort“, so konnten Leserinnen und Leser der Frauen-Beilage der Goslarschen Zeitung entnehmen, „sondern vereinige sie zu einem Heftchen, das nach geraumer Zeit ein vollständiges und leicht verständliches Kochbuch darstellen wird.“ Die Nordharzer Kraftwerke verwiesen außerdem darauf, dass sie auch ein neues „Küchenwunder“ vertrieben, mit dem sich alle Rezepte zubereiten ließen. Näher beschrieben wurde das Produkt in der Zeitungsanzeige nicht.

Und ein weiteres Haushaltswunder rückte in den Goldenen Zwanzigern in den Blickpunkt – die Einbauküche. Doch dazu mehr in der nächsten Folge der GZ-Serie.

Fortsetzung folgt

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