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2700 Menschen räumen auf

GZ Plus Icon„Müllboss“ in Goslar: Skier, Auspuff und „Drogen“ im Müll entdeckt

Gruppe von Menschen in gelben Warnwesten mit Müllzangen und Müllsäcken steht auf Gehweg vor Industriegebäude und Büschen.

Die Mitglieder der THW-Jugend sammeln unter anderem im Gewerbegebiet Gutenbergstraße. Foto: Sowa

Ob THW-Jugend, Schützen oder Familien: Beim Sammeln im Regen zeigen viele Goslarer Einsatz für ihre Stadt – mit Humor und erstaunlichen Fundstücken.

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Von Sebastian Sowa
Montag, 16.03.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Regen, grauer Himmel – und trotzdem jede Menge gute Laune: Die Aktion „Müllboss“ war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Rund 2700 Menschen zogen los, um ihre Stadt von Müll und Unrat zu befreien. Am Freitag waren zunächst Kitas und Schulen unterwegs, am Samstag übernahmen Vereine, Institutionen und viele Privatpersonen.

In einem waren sich am Ende alle einig: Ein besonders großes Ärgernis sind die achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen, die überall im Stadtgebiet zu finden sind.

Frühstart trotz Nieselregen

Schon um 8 Uhr morgens waren am Samstag die ersten Müllbosse unterwegs. Die THW-Jugend machte sich unter anderem im Gewerbegebiet Gutenbergstraße ans Werk. Zwischen Gras, Gebüsch und Straßenrand landete dabei so einiges in den Müllsäcken. Zum ersten Mal dabei war die achtjährige Clara Ehlers. Ihre Motivation ist klar: „Ich möchte, dass die Tiere geschützt sind und nichts Giftiges zu sich nehmen“, sagt sie ernst. Leo Weiß kennt die Aktion dagegen schon – er war zum zweiten Mal dabei. Ihm fällt vor allem auf, was besonders häufig herumliegt: Kippen und Schnapsflaschen. Der THW-Ortsbeauftragte Holger Zietz kann noch einen besonders kuriosen Fund melden: einen Auto-Auspuff, der offenbar jemandem zu sperrig für den normalen Müll gewesen war. Das Wetter konnte der Gruppe jedenfalls nichts anhaben. „Wir haben uns einfach warm angezogen“, sagt Zietz – und weiter ging‘s.

Skier mitten auf dem Osterfeld

Ein paar Kilometer weiter, auf dem Osterfeld, sammelt die Privilegierte Schützengesellschaft.
Gruppe von sechs Personen mit Warnwesten und Handschuhen steht auf Grasfläche vor parkenden Autos und hält Müllsäcke und Greifzangen.

Mitglieder der Privilegierten Schützengesellschaft säubern das Osterfeld. Foto: Sowa

Zwölf Mitglieder hatten sich angemeldet – wegen des Wetters stehen schließlich sieben mit Greifzangen und Müllsäcken bereit. Vize-Vögtin Gabi Ludwig nimmt es gelassen. Sie ahnt ohnehin, dass nach dem Zirkus, der in wenigen Tagen auf dem Osterfeld gastiert, wieder einiges zusammenkommen dürfte. Auch hier gibt es einen Fund, der für Stirnrunzeln sorgt: ein Paar Skier.
Person mit gelber Warnweste und Handschuhen hält einen gelben Ski auf einem Parkplatz neben blauen Säcken.

Kurios: Carl-Friedrich Ludwig hat Skier gefunden. Foto: Sowa

Die Besitzer lassen sich nicht ermitteln. Vielleicht suchen sie noch immer danach – möglicherweise niederländische Wohnwagen-Urlauber, die sie irgendwann einmal dort vergessen haben.

Sammeln im ganzen Stadtgebiet

Nicht nur auf Wiesen und Wegen wurde gesammelt. Überall in Goslar und den Ortsteilen waren Gruppen unterwegs.
Gruppe von Menschen mit Warnwesten und Handschuhen steht vor einer Statue in einem gepflasterten Platz zwischen Wohngebäuden.

Auch im Stadtteil Ohlhof sind viele fleißige Müllsammler unterwegs. Foto: Privat

Auch Mitarbeitende der Stadt Goslar packten mit an. Fachdienstleiterin Mara-Lena Macke und ihr Team sammelten unter anderem am Köppelsbleek und am Bismarck-Denkmal – und kümmerten sich später auch darum, dass die fleißigen Müllbosse nicht hungrig nach Hause gehen mussten. In der Feuerwache warteten nach getaner Arbeit große Töpfe mit Erbsensuppe und Hochzeitssuppe. Für alle, die erst die eine probierten und dann entdeckten, dass es noch eine zweite gibt, hatte Macke eine beruhigende Nachricht: „Natürlich könnt ihr beide probieren – es ist genug für alle da.“
Menschen stehen in einer Schlange in einer Halle und erhalten aus großen Behältern dampfende Suppe in Schalen

In der Feuerwache gibt es für alle beteiligten Müllsammler eine Auswahl an Suppen. Foto: Sowa

Kuriose Funde zum Abschluss

Zum Abschluss bedankte sich Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern – und präsentierte gemeinsam mit ihnen einige der kuriosesten Fundstücke des Tages.
Gruppe von Kindern und einer erwachsenen Person in einer Halle mit Regalen und technischen Geräten im Hintergrund.

In der Feuerwache interviewt Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner Kinder, die beim "Müllboss" mitgemacht haben. Foto: Sowa

Müllboss-Profi Marie zog einen echten Marmorstein aus dem Müll. Ein anderes Kind entpuppte sich als Glückspilz und fand einen Zehn-Euro-Schein. Ein weiterer Nachwuchs-Müllsammler präsentierte stolz eine goldene Uhr – wobei sie vermutlich eher aus der Kategorie „Straßenmarkt-Schnäppchen“ stammen dürfte. Dann wurde es plötzlich still in der Feuerwache. „Was hast du denn gefunden?“, fragte die Oberbürgermeisterin ein Kind. Die Antwort kam prompt: „Drogen.“ Im Saal herrschte für einen Moment schockierte Stille. Als ehemalige Richterin fragte Schwerdtner vorsichtig nach. Schnell stellte sich heraus: Gemeint waren Schnapsflaschen. Ganz falsch lag das Kind damit ja nicht. Gut, dass Polizist Stefan Baier ebenfalls vor Ort war und die Szenarie genau beobachtete. Am Ende blieb der Eindruck eines Tages, an dem viele Menschen gemeinsam angepackt haben. Und der zeigte: Wenn 2700 Müllbosse unterwegs sind, hat der Müll in Goslar schlechte Karten.
Gruppe von Personen mit orange- und gelb reflektierenden Warnwesten steht vor einem Gebäude, einige halten Greifzangen.

Auch in Immenrode wird fleißig Müll gesammelt. Foto: Sowa

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