In Liebenburg kommt das schnelle Netz teils im Schneckentempo
Der Ausbau des Glasfasernetzes, den die Telekom in der Gemeinde betreibt, ist mancherorts nach wie vor eine Baustelle. Foto: Gereke
In der Gemeinde Liebenburg verdient das schnelle Netz seinen Namen nicht, wenn es um das Ausbautempo geht. Wann kann die Telekom die Bauarbeiten abschließen und die Schäden an Straßen und Gehwegen beheben?
Liebenburg. Der Frust ist groß in der Gemeinde: Nicht nur, weil das schnelle Netz im Schneckentempo kommt, sondern auch, weil die Behebung der Schäden, die an Wegen und Straßen entstanden sind, auf sich warten lässt und so manch ein Kunde eine schlechte Bauausführung beklagt. Die Gemeinde prüft nun die rechtliche Situation.
Es klang alles so schön: Die Deutsche Telekom baut im eigenwirtschaftlichen Ausbau in einem Großteil der Gemeinde das Breitbandnetz aus. Glasfaser für Döhren, Liebenburg, Heimerode, Othfresen, Posthof, Heißum und Dörnten. Das alles sollte in einem Pilotverfahren erfolgen – Trenching genannt. Einfach nur Schlitzen, Kabel rein – und wieder schließen. Doch das Liebenburger Wegenetz erwies sich als zu marode, die Technik nicht anwendbar. Folge: Ausbau im klassischen Verfahren mit Bagger. Teurer und es dauert länger. Zu allem Überfluss ging auch noch das beauftragte Unternehmen pleite.
„Für uns eine große Belastung“
„Für uns als Verwaltung ist das alles eine große Belastung“, hatte Bürgermeister Alf Hesse zu der Situation erklärt. Ein Mitarbeiter aus dem Bauamt war fast ausschließlich mit der Betreuung des Glasfaserausbaus beschäftigt, „obwohl das gar nicht unser Projekt ist“, wie der Verwaltungschef betont. Mal musste er Baustellen ganz stilllegen, weil die Verkehrssicherungspflicht nicht beachtet worden war, dann hatte er sich um immer neue Schadstellen zu kümmern, die beim Ausbau entstanden waren. Und immer wieder Gespräche dazu, wann denn die Schäden beseitigt werden.
Nun ist das Maß der Gemeindeverwaltung voll. „Es sind unsere Straßen! Wir prüfen jetzt, welche Rechte wir gegenüber der Telekom haben“, erklärt Bauamtsleiter Alexander Barke. Auch wenn jetzt die Pflastersteine, die überall herumstanden, und die Kabeltrommel vom Parkplatz Gitterweg abgeholt worden sind. „Wie oft haben wir geredet, was uns alles hoch und heilig versprochen worden ist“, so Barke zornig. Zwischenzeitig war mal eine Firma gefunden worden, aber es gehe das Gerücht um, dass sie wieder abrückten, weil sie keine Lust gehabt hätten, den Dreck der anderen wegzumachen, hieß es im Bauausschuss.
Zu allem Überfluss ist das ganze Projekt massiv in Verzug geraten. Ursprünglich sollte alles im Juli fertig sein – 2023 wohlgemerkt. Und auch dieser Termin war schon nach hinten geschoben worden. Inzwischen bekommen Kunden, die sich für einen Glasfaseranschluss entschieden hatten und immer noch keinen Termin für einen Anschluss haben, Mails, in denen die Telekom „Kapazitätsengpässe“ anführt und mehr Zeit für den Ausbau reklamiert. Nun solle bis spätestens 31. Dezember dieses Jahres ein Terminvorschlag gemacht werden.
Loch im Keller statt Glasfaser
„Im Oktober 2021 wurde groß Werbung für die High-Speed-Technologie gemacht, am 28. Dezember 2021 bekam ich die Glasfaser-Bestätigung der Telekom für den Anschluss. 2022 sollte es los gehen, doch seit dem folgt eine Mail der nächsten“, berichtet eine wütende und enttäuschte Othfresenerin. Ein Dörntener regt sich in einer GZ-Zuschrift auf: „Die Telekom hat vor einigen Jahren massiv ihr Glasfasernetz beworben, um Kunden zu gewinnen. Seitdem hat meine Tochter zwei Kinder zur Welt gebracht, die Telekom hat ein Loch in meinem Keller bohren lassen, wodurch regelmäßig Wasser eintritt, aber Glasfaser? Fehlanzeige!“ Sein Fazit: keine Einhaltung von Terminen, mangelhafte Bauausführung und offenbar nicht in der Lage, verursachte Mängel zeitnah zu beseitigen.
Telekom-Sprecherin Stefanie Halle führt noch einmal an, dass der Hauptauftragnehmer in die Insolvenz gegangen sei. Lange Zeit habe die Telekom kein neues Unternehmen aufgrund der angespannten Lage auf dem Tiefbaumarkt finden können. „Hinzu kommt, dass der vorherige Auftragnehmer nicht korrekt im Leerohrsystem gearbeitet hat.“ Die Firma Würkner habe diese Fehler korrigieren müssen. „Damit ist unser gesamter Zeitplan nach hinten gerutscht, unsere Kunden haben entsprechende Terminverschiebungen erhalten“, führt sie aus. „Natürlich geht der Ausbau weiter, wir können aktuell aber kein festes Enddatum nennen.“
Immerhin: „Die Firma R&R Bausanierung führt aktuell in Döhren Asphaltarbeiten aus, wo Trassen provisorisch mit Schotter oder Pflaster aufgefüllt sind. Somit haben wir für 50 Prozent der Trasse eine Lösung. Für das Beheben der Provisorien in den anderen Ortschaften sowie die Nacharbeiten beim Pflastern und die Herstellung fehlender Hausanschlüsse ist die Suche nach einem neuen Auftragnehmer noch nicht abgeschlossen.“
Zum Ausbaustatus vermeldet sie, dass inzwischen 100 Prozent der Adressen als „Homes Passed“ erschlossen seien. Heißt: „Das Röhrchen für die Glasfaser liegt schon entlang der Grundstücksgrenze. Es fehlen in Teilen noch der Einzug der Glasfaserkabel und die Arbeiten auf dem privaten Grund, um die Immobilie vollständig anzuschließen“, so Halle. „Homes Passed“ sei beim Glasfaserausbau die gängige Angabe für den Ausbaufortschritt – „die Zählgröße. So sieht es auch die Bundesnetzagentur.“ In absoluter Zahl: „Rund 300 Hausanschlüsse, das sind circa 13 Prozent, müssen noch versorgt werden, bei diesen Arbeiten sind auch noch kleinere Tiefbauarbeiten notwendig“, sagt Halle.
„Telekom hat jetzt nicht den Turbo gezündet“
Auch Bürgermeister Hesse ist nicht zufrieden. „Die Telekom hat jetzt nicht den Turbo gezündet, aber immerhin geht es wieder voran – wenn auch nur schleppend und in kleinen Schritten“, sagt er. Der Telekommunikationskonzern habe sich den Glasfaserausbau als Pilotprojekt vorgestellt und „ist dann auf die Nase gefallen.“ Er könne nachvollziehen, wie schwer es sei, Firmen für den Tiefbau zu finden – die Gemeinde habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Jedoch ärgere ihn die teils schlechte Ausführung der Arbeiten. Manche Ecken seien seit Monaten nur mit Schotter abgedeckt, Regen spüle die Stellen aus und sorge für Stolperfallen. „Die größten Probleme haben wir in Othfresen samt Ortsteilen und Döhren.“
Immer wieder, so auch im jüngsten Bauausschuss, kommt die Frage auf, was mit den anderen Ortschaften der Gemeinde ist, die beim derzeitigen Ausbau außen vor bleiben. Keine Aktivitäten in Sachen Glasfaser des magentafarbenen Konzerns gibt es in Neuenkirchen, Klein Mahner, Ostharingen und Upen. Auch in anderen Kommunen werde es Orte geben, die beim aktuellen Ausbau nicht ans Glasfasernetz angeschlossen werden, so Hesse. Laut Bürgermeister habe das aber der Landkreis auf dem Schirm, der versuchen werde, Fördermittel zu generieren, um dann auch diese Bereiche ausbauen zu können. Hesse: „Ein Zeitfenster kann dazu aber niemand nennen.“